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News: Klebrige Eiweiße

Malaria ist nicht gleich Malaria. Je nach Erreger nimmt die Krankheit einen unterschiedlichen Verlauf. Wie Heidelberger Wissenschaftler jetzt nachweisen konnten, stellen nur solche Malaria-Erreger, die für den Menschen tödlich sind, klebrige Eiweiße auf ihrer Oberfläche her, nicht aber "gutartige" Malaria-Erreger.
Malaria ist mit zwei bis drei Millionen Todesfällen eine der bedrohlichsten Infektionskrankheiten unserer Zeit. Nach Schätzungen der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) erkranken weltweit jedes Jahr 300 bis 500 Millionen Menschen an dem Wechselfieber, wie die Malaria auch genannt wird. Die Erreger gelangen durch den Stich infizierter Mücken in das Blut. Dort angelangt, befallen sie die roten Blutzellen, in denen sie sich vermehren.

Die Malaria kann verschiedene Verlaufsformen annehmen je nach Art des Erregers. Von den vier Malaria-Erregern, die den Menschen befallen können, ist Plasmodium falciparum die gefährlichste Form, mit häufig tödlichem Ausgang. Die drei anderen Formen verursachen auch Krankheiten, die aber weniger schwer verlaufen als die falciparum-Malaria und nur äußerst selten tödlich enden.

Der schwere Krankheitsverlauf einer falciparum-Malaria beruht auf einer Schädigung innerer Organe. Rote Blutzellen, die mit P. falciparum infiziert sind, verändern ihre Fließeigenschaften. Sie durchströmen nicht mehr die Blutgefäße, sondern haften an den Innenwänden der Adern fest. Dies kann zu Gefäßverschluss, Durchblutungsstörungen und letztendlich zu Organversagen führen.

Wissenschaftler des Heidelberger Sonderforschungsbereichs "Kontrolle Tropischer Infektionskrankheiten" um Michael Lanzer am Hygiene-Institut der Universität Heidelberg und um Hernando del Portillo an der Universidade de São Paulo untersuchten die beiden Malaria-Erreger P. falciparum und P vivax. Sie entdeckten, dass klebrige Eiweiße, die der Malaria-Erreger herstellt und auf der Oberfläche seiner Wirtszelle anbringt, die Ursache für das Anheften an die Blutgefäßwände sind. Mit Hilfe einer vergleichenden Genomanalyse konnten die Wissenschaftler zeigen, dass nur der tödliche falciparum-Malaria-Erreger diese klebrigen Eiweiße herstellen kann, nicht aber der "gutartige" Erreger der tertianen Malaria, Plasmodium vivax. Ihm fehlen die Gene, um diese klebrigen Eiweiße herzustellen.

Diese Forschungsarbeiten veranschaulichen den Nutzen von Genomprojekten. Eine vergleichende Betrachtung der Genome verschiedener Erreger kann sehr schnell die Ursachen von Krankheiten aufdecken und so zur Entwicklung von neuen Wirkstoffen zur Behandlung dieser Krankheiten beitragen.

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