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Ernährung: Besseres Rindfleisch für die Welt

Viehzucht ist die wichtigste Ursache für die Abholzung in Brasilien. Kann man die Rinderwirtschaft von Grund auf verändern, um den Amazonasregenwald zu retten?
Rinder auf dürrer Weide

An einem heißen Augustmorgen stehe ich auf einer Anhöhe etwa eineinhalb Stunden von der zentralbrasilianischen Kleinstadt Alta Floresta entfernt. Unter mir liegen ausgedehnte Weideflächen, auf denen weiße Rinder in der sengenden Sonne der Trockenzeit grasen. Schmale, von lichten Baumreihen gesäumte Wasserläufe fließen dahin und führen zu entfernt gelegenen Waldgebieten. Abgesehen von der Stelle, an der ich mich gerade befinde, ist die Landschaft flach und offen. Nur gelegentlich sind einzelne Paranussbäume und Termitenhügel zu sehen.

Eine Hand voll dieser etwa ein Meter hohen, hellbraunen Erdhaufen ragen auf dem Gelände einer Ranch im Talgrund empor. Auf einem benachbarten Grundstück jenseits der staubigen Straße ist der Boden dagegen von mehreren hundert Termitenhügeln übersät. Normalerweise graben diese Insekten ihre kunstvollen Tunnelsysteme unter der Erde. Wird der Boden aber zu stark verdichtet, gehen die Termiten zum Bau oberirdischer Behausungen über. »Sieht man derartig viele Termitenhügel, ist das ein eindeutiger Hinweis auf degradiertes Weideland«, erläutert mein Begleiter Pedro Nogueira, Experte für nachhaltige Viehwirtschaft.

Waldreservat auf einer Farm
Waldreservat auf einer Farm | Dieser Regenwald gehört zu einer Farm, die laut Gesetz einen Teil der Natur erhalten muss. Die Farm liegt in der Nähe des Flusses Telles-Pires. Dort existieren noch größere Urwaldflächen.

Die Mehrzahl der 24 Millionen Hektar umfassenden offenen Weideflächen hier im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso, dem größten Rindfleischproduktionsgebiet des Landes, ist durch verarmte Böden gekennzeichnet. Niederschläge haben den nährstoffreichen Oberboden abgetragen und das Terrain so stark ausgewaschen, dass auf diesen Flächen wenig bis gar keine Landwirtschaft mehr möglich ist; nicht einmal Weidegras kann dort noch angebaut werden. Dennoch betrachtet Nogueira diese zerstörten Landschaften nicht als Problem, sondern vielmehr als Lösung zur Bewältigung einer weiteren Krise: der massiven Abholzung des Amazonasregenwalds.

Vor 50 Jahren war die Gegend unter dichter Vegetation verborgen, und es gab Wasser und Wildtiere in Hülle und Fülle. Dann kamen die Siedler – arme Bauern aus dem südlichen Brasilien, die mit der Aussicht auf den Erwerb günstigen Ackerlands in den 1970er Jahren in die Region gelockt wurden. Zunächst schlugen und verkauften sie das wertvolle Holz; Bäume wurden mit Kettensägen gefällt und auf Lastwagen abtransportiert. Nachdem die restliche Vegetation durch Brandrodung beseitigt worden war, wobei gewaltige Mengen Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt wurden, pflanzten die Siedler Gras an und widmeten sich der Rinderhaltung. »So in etwa lief die klassische Entwaldung ab«, erklärt Nogueira. Im Lauf der Zeit hat die Mischung aus illegalen Landankäufen durch Investoren (das so genannte Landgrabbing), aus Landspekulationen (ein landwirtschaftlich nutzbares Stück Land wird höher bewertet als ein Waldgrundstück) und aus etwa zehn Jahren übereifriger Rinder-, Mais- und Sojaproduktion eine Maschinerie in Gang gesetzt, die außer Kontrolle geraten und als treibende Kraft für 80 Prozent der Entwaldungen im Amazonasgebiet verantwortlich ist.

Die Rinderhaltung auf den abgebrannten Überresten eines Regenwalds ist für einen Farmer die günstigste Möglichkeit, um schnelles Geld zu verdienen – wenn er bereit ist, langfristige finanzielle Einbußen wegen magerer Kühe oder minderwertiger Fleischqualität in Kauf zu nehmen. Ist der Wald erst einmal dem Erdboden gleichgemacht, geht auch die nach der Brandrodung verbleibende dünne Nährstoffschicht schnell verloren, und schon bald lassen Überweidung und Vernachlässigung, die im gesamten Amazonasgebiet die Regel sind, den Boden unbrauchbar werden. Nur mit viel Geld und entsprechendem Fachwissen könnte man das Gelände wieder landwirtschaftlich nutzbar machen. So aber sind die Rancher gezwungen, das Land zu verlassen und sich anderswo eine neue Lebensgrundlage zu suchen. Dann rücken andere unerschrockene Siedler oder finanzkräftige Geschäftsleute an und füllen die entstandene Produktionslücke durch Erschließung neuer Waldgebiete.

Weideland und Wald
Weideland und Wald | Die Ranch hat 70 Prozent ihres Waldes bewahrt, mehr, als das Gesetz vorschreibt. Dennoch müssen die Eigentümer entlang der Flüsse auf ihrem Grund aufforsten.

Ein steter Verdrängungswettbewerb

Mit Hilfe von industriell hergestelltem Dünger werden gerade in Brasiliens Süden jahrhundertealte Rinderfarmen in Soja-, Mais-, Zuckerrohr- und Eukalyptusplantagen umgewandelt, während weiter im Norden die expandierenden Rinderherden des Landes in die Amazonasregion vordringen. Diese Veränderungen auf lokaler und regionaler Ebene stehen auch mit globalen Entwicklungen in Zusammenhang. Angehörige der Mittelschicht in vielen Entwicklungsländern Asiens und Afrikas können sich den Konsum proteinreicherer Nahrung zunehmend leisten, und der weltweite Rindfleischbedarf wird sich daher bis zum Jahr 2050 voraussichtlich verdoppeln. Obwohl Brasilien lediglich 20 Prozent seines Rindfleischs exportiert, rangiert das Land hinter den USA an zweiter Stelle auf der Liste der weltweit größten Rindfleischproduzenten. Werden der steigende Fleischbedarf und die veränderte Landnutzung nicht in kontrollierte Bahnen gelenkt, sind weitere Rodungen der wertvollen Tropenwälder Brasiliens vorprogrammiert.

Die seit zwei Jahren bestehende Firma Pecsa (der Name setzt sich aus dem portugiesischen Akronym für »nachhaltige Rinderwirtschaft in der Amazonasregion« zusammen), in der Nogueira beschäftigt ist, hat gemeinsam mit einer großen Zahl von Partnerorganisationen eine neue Idee entwickelt. Ihrer Ansicht nach sind in Brasilien bereits genügend erschlossene Landflächen vorhanden, auf denen der steigende Bedarf an Rindfleisch, Soja und Mais auch in Zukunft gedeckt werden könnte, ohne einen einzigen weiteren Baum zu fällen. Pecsa ist eine so genannte Benefit Corporation, ein als umwelt- und sozialverträglich zertifiziertes gewinnorientiertes Unternehmen, das sich der Wiederherstellung degradierter Landflächen verschrieben hat. Gleichzeitig möchte es die Rinderfarmen des Amazonasgebiets in produktive, Gewinn bringende, effiziente und nachhaltig wirtschaftende Betriebe verwandeln.

Viehtränke
Viehtränke | Dieses Rückhaltebecken wird mit Flusswasser befüllt. Das Wasser fließt der Schwerkraft folgend zu den Viehtränken. Dadurch müssen die Rinder nicht zu Flüssen und Quellen laufen, was Flora und Fauna in Gewässernähe schont und die Wasserqualität erhält.

Während Nogueira und ich in der prallen Sonne stehen, sehen wir, wie kühles Wasser aus einem Fluss weiter unten im Tal in ein auf der Hügelspitze angelegtes Vorratsbecken gepumpt wird. Dem Verlauf der unterirdischen Bewässerungsrohre folgend wandern wir den Abhang hinunter zu der Ranch, auf deren Gelände nur wenige Termitenhügel emporragen, und erreichen schließlich eine Stelle, an der die Wasserleitungen in eine Reihe von Viehtränken münden. Jose Enrique »Neno« da Silva, der Ranchverwalter, kommt uns mit einem seiner Mitarbeiter entgegengeritten. Beide Männer tragen Jeans, langärmelige Hemden mit aufgedrucktem Pecsa-Logo und die typischen breitkrempigen, geflochtenen Hüte der Viehhirten von Mato Grosso. Sie treiben gerade eine Rinderherde in eine »area de lazier«, ein »Freizeitgelände«, das eine im Schatten gelegene Futter- und Wasserstelle umfasst. Jedes dieser Freizeitareale wird von drei bis sechs Weideflächen umgeben, und da Silvas Aufgabe besteht darin, die Herden nach einem von der Höhe des Grases festgelegten Zeitplan von einem Stück Land auf das nächste zu treiben. Bevor er seine Tätigkeit bei Pecsa begann, hat der Brasilianer auf konventionellen Rinderfarmen gearbeitet; dort hielt man die Rinder auf riesigen Arealen und ließ sie sogar in den geschützten Waldgebieten weiden.

So simpel sich das von Pecsa etablierte System mit seinen Gattern, Wassertränken und Futtertrögen auch anhören mag – es bildet den Kern einer umfassenderen Strategie, um dem Einfluss der Rinderwirtschaft auf die Degradierung und Zerstörung von Ökosystemen in der Amazonasregion ein Ende zu bereiten.

Eine kleine Revolution?

Läden mit Westernkleidung, Futtermittelgeschäfte, Eisdielen, in denen aus den Früchten der Açaí-Palme hergestelltes Eis verkauft wird, und Ausstellungsräume mit glänzenden neuen Traktoren säumen die Straßen des Zentrums von Alta Floresta, einer 50 000 Einwohner zählenden Stadt am südlichen Rand des Amazonasbeckens. Die Verkehrswege des Orts sind in einem ordentlichen Netz angelegt; auf kleinen Grundstücken stehen Häuser der Mittelschicht Seite an Seite mit den Lebensmittelläden der Stadtviertel. Hier in Alta Floresta herrscht weniger das planlose Durcheinander anderer größerer und kleinerer Städten der Region. Man hat eher den Eindruck, als wäre man in Kansas – mit einem Hauch von Texas. Die Viehwirtschaft hat sich für die meisten, die darin ihr Glück versuchten, als nicht besonders einträglich erwiesen. Doch die darum herum entstandene Industrie und das sich nachfolgend entwickelnde Agrarbusiness haben eine solide Grundlage für die lokale Wirtschaft geschaffen, die sich auch im Erscheinungsbild des Orts widerspiegelt.

Das Büro von Pecsa liegt an einer Ecke der Hauptstraße unter hohen, Schatten spendenden Bäumen. Bei meinem Besuch herrscht in den Büroräumen hinter dem silbern glänzenden Firmenschild rege Betriebsamkeit. Junge, Schirmmützen tragende Angestellte in blauen Pecsa-Hemden und Arbeitsstiefeln eilen geschäftig hin und her. Es sind die Söhne und Töchter von Viehzüchtern, Landwirten, Journalisten, Betriebswirten und Umweltschützern, und die meisten haben in dieser Region ihre Kindheit verbracht.

In einem Zimmer, das schwach nach frischer Farbe riecht, sitzt Vando Telles, der Geschäftsführer von Pecsa, hinter einem aufgeräumten Schreibtisch. »Unsere Geschichte hat einen persönlichen Aspekt«, beginnt der auf einer kleinen Ranch außerhalb der Stadt aufgewachsene Brasilianer unser Gespräch. Wenige Jahre nachdem sein Vater 1976 als einer der ersten Siedler noch vor der offiziellen Stadtgründung in die Gegend gekommen war, wurde Telles in Alta Floresta geboren. »Damals gab es hier jede Menge Wald und sonst nichts«, erklärt mein Gegenüber. »Wir hatten nur die kleinen Schotterstraßen, mit denen das Gebiet anfänglich erschlossen wurde.«

Straße durch den Wald
Straße durch den Wald | Das Anfang vom Ende des Regenwalds sind immer Straßen – hier bei Porto do Gauchos, Mato Grosso.

Telles' Vater und viele tausend andere Siedler kauften Land von einem Mann namens Ariosto da Riva, dem so genannten »letzten Vertreter der ›bandeirantes‹«. Jene umstrittene und zuweilen äußerst brutale Gruppe von Männern erschloss seinerzeit mit Unterstützung der damaligen brasilianischen Militärdiktatur die Amazonasregion auf der Suche nach Gold. Für kaum mehr als eine Hand voll Rinder hatte da Riva von der Regierung über eine halbe Million Hektar Land erworben. Als im Gefolge des Goldrauschs die Siedler und zukünftigen Viehzüchter in die Region kamen, eröffnete da Riva ein kleines Büro im Stadtzentrum und verkaufte Landparzellen an die Zuwanderer. Auf diese Weise nahm der Niedergang der dortigen Wälder seinen Anfang.

Gesetze existieren nur auf dem Papier

Theoretisch werden Brasiliens Waldgebiete durch eine Reihe komplexer, im Jahr 1965 erlassener Umweltgesetze geschützt. Das Forstgesetz schreibt Landbesitzern im Amazonasgebiet die Erhaltung der ursprünglichen Vegetation auf 50 bis 80 Prozent ihres Landbesitzes vor; dieser Anteil variiert in Abhängigkeit von der Gesamtfläche und dem Jahr des Erwerbs. Darüber hinausgehende Rodungen fielen und fallen auch heute noch unter den Tatbestand der illegalen Abholzung.

In den Jahrzehnten seit dem Erlass dieser Rechtsvorschriften wurde ihre Durchsetzung jedoch mehr oder weniger dem Gutdünken der jeweiligen Politiker überlassen. Viele Jahre lang unterstützte die Regierung die Siedler sogar in ihrem Bestreben, Waldgebiete entlang der Flüsse abzuholzen, um so die drohende Gefahr von Malaria und Gelbfieber abzuwenden. Die Schwierigkeit des Gesetzesvollzugs auf einer Fläche von mehr als 500 Millionen Hektar dichten, oft unpassierbaren Dschungels, die unvereinbaren Programme der verschiedenen Regierungsministerien und wechselnde politische Machtverhältnisse führten gemeinsam dazu, die Autorität des Forstgesetzes erheblich zu untergraben.

Fütterungszeit
Fütterungszeit | Auf bestimmten Farmen wird während der Trockenzeit zugefüttert. Dadurch legen die Tiere stärker an Gewicht zu. Insgesamt reduziert dies sogar den Landverbrauch, obwohl ein Teil der Weiden in Ackerland umgewandelt werden muss.

Bis in die frühen Jahre des neuen Jahrtausends haben die Bewohner isoliert gelegener Regierungsbezirke wie Alta Floresta daher weiterhin ungestraft Regenwaldflächen gerodet. In den entlegenen Winkeln der Amazonasregion war der Strafvollzug (und ist es mitunter auch heute noch) auf lokaler und staatlicher Ebene praktisch nicht vorhanden. Zudem gab es starke Anreize für das Fällen von Bäumen. »Wenn man ein Waldgebiet in Weideland umwandelt, kann der Wert dieses Grundstücks um 1000 Prozent oder mehr steigen, da es nun für Wirtschaftsaktivitäten nutzbar ist«, verdeutlicht Carlos Saviani, der früher eine Rinderfarm in Brasilien bewirtschaftete und inzwischen als stellvertretender Vorsitzender für Programme zur Förderung nachhaltiger Lebensmittel beim World Wildlife Fund (WWF) tätig ist.

»Wald gibt es doch im Überfluss«

In den meisten Phasen der jüngeren Geschichte waren die Brasilianer und der Rest der Welt von der Wertlosigkeit natürlicher Wälder und der unendlichen Größe des Amazonasregenwalds überzeugt. Heutzutage denken wir darüber natürlich ganz anders: Tropische Wälder stellen nicht nur wertvolle, artenreiche Ökosysteme dar, sondern spielen auch eine wesentliche Rolle bei der Regulierung des Erdklimas. Ohne diese Gebiete steigen wir in den Hochgeschwindigkeitszug zu einem wärmeren Klima. Ersetzen wir die Bäume zudem durch Rinder, die zweitgrößten Emittenten des Treibhausgases Methan, nähern wir uns der Klimaerwärmung mit Raketengeschwindigkeit. Umweltschutzorganisationen begannen daher in den 1980er und 1990er Jahren, sich verstärkt für den Schutz des Amazonasregenwalds einzusetzen und die Rindfleischindustrie wegen ihrer Rolle bei den Entwaldungen an den Pranger zu stellen.

Vando Telles
Vando Telles | Der Agrarberater besucht eine der von ihm betreuten Farmen. Durch die Zufütterung reduziert sich der Methanausstoß der Rinder um 90 Prozent – und sie legen schneller an Gewicht zu. Das Geschäft ist für Farmer wie Umwelt besser.

In Alta Floresta sorgten damals die Spannungen zwischen Naturschützern und Rinderzüchtern für erhitzte Gemüter. Während Umweltschützer die Rancher für den Verlust der Baumbestände verantwortlich machten, argumentierten die Viehzüchter, ihnen würden ganz einfach die finanziellen Mittel zur Erhaltung oder Verbesserung ihrer Farmen fehlen – geschweige denn zum Schutz der Wälder. Telles hat dieses Dilemma in seiner Kindheit und Jugend am eigenen Leib erfahren. Sein Vater rackerte sich ab, damit der Hof schwarze Zahlen schrieb, und war letztlich doch gezwungen, Rinder und Land zu verkaufen, um die Familie über Wasser zu halten. »Die Farmen waren eigentlich immer in einem desolaten Zustand«, beschreibt Telles die damalige Situation.

Und der Konflikt verschärfte sich zusehends. Auf internationaler Ebene rückten Nichtregierungsorganisationen wie die National Wildlife Federation (NWF), der WWF und Greenpeace die von der Rinderwirtschaft verursachte Zerstörung der Amazonasregion in den Blickpunkt des allgemeinen Medieninteresses und warfen ein Schlaglicht auf internationale Unternehmen, die Fleisch von Schlachtbetrieben aus dem Amazonasgebiet bezogen. »Die Firmen wurden immer stärker unter Druck gesetzt, nicht nur von der Zivilgesellschaft und den Konsumenten ihrer Produkte, sondern auch von ihren Investoren«, berichtet Saviani. Gegen Ende der 1990er Jahre gaben die Unternehmen schließlich dem Willen der Öffentlichkeit nach und unterzeichneten Verpflichtungen zur so genannten »Null-Abholzung«. Die Bekenntnisse variieren im Einzelnen, doch grundsätzlich »versichern die Händler, dafür zu sorgen, dass ihre Produkte keinerlei auf kürzlich entwaldeten Flächen produzierte Roh- oder Inhaltsstoffe enthalten«, erläutert Simon Hall, Leiter des Projekts Tropenwälder und Landwirtschaft bei der NWF. Seitdem lassen sich McDonald's und andere Handelsketten nicht mehr mit Rindfleisch aus der Amazonasregion beliefern.

Wald versus Weide
Wald versus Weide | Mit Brandrodung erschließen Farmer in Mato Grosso neues Weideland – etwa 20 Prozent des Amazonasregenwalds wurden dadurch bereits vernichtet.

Jener öffentliche Druck hat sich auch auf die unteren Ebenen der Versorgungskette ausgewirkt. Unter dem prüfenden Blick der Weltöffentlichkeit brachte zudem eine neu gewählte brasilianische Regierung die politische Bereitschaft zu einem stärkeren Schutz der Wälder auf. 2007 rief sie die »Operation Feuerbogen« ins Leben und begann im Rahmen der Kampagne, konsequent gegen illegale Abholzungen vorzugehen. Mit Hilfe einer neuen Satellitentechnik konnten Gebiete, in denen erst kürzlich Bäume geschlagen worden waren, sehr präzise lokalisiert werden, und die Regierung veröffentlichte eine schwarze Liste von 36 Gemeinden, die für die Hälfte aller im Amazonasgebiet vorgenommenen Entwaldungen verantwortlich waren, unter ihnen auch Alta Floresta. Als der Name des Orts in dem Verzeichnis auftauchte, waren jedoch etwa 50 Prozent der Wälder dieser Gegend bereits unwiederbringlich verloren.

Der Staat griff doch einmal durch

Kurze Zeit nach der Veröffentlichung jener schwarzen Liste schickte die für die Durchsetzung der »Operation Feuerbogen« verantwortliche Umweltbehörde in einer spektakulären Machtdemonstration einige tausend Personenfahrzeuge, Lastwagen und Hubschrauber nach Alta Floresta. Mehrere Jahre lang führten die Staatsbeamten Razzien auf landwirtschaftlichen Höfen, Rinderzucht- und Holzfällerbetrieben durch; sie beschlagnahmten Gerätschaften und maschinelle Ausrüstung, froren Vermögenswerte ein, nahmen Personen fest und verhängten Geldstrafen.

2009 stimmten die drei größten Schlachthöfe Brasiliens einer Vereinbarung zu, künftig keine Rinder von Produzenten zu beziehen, die illegale Abholzungen betrieben hatten; zudem verpflichteten sie sich, ihre Lieferanten fortan genauer zu überwachen. Die Rancher von Alta Floresta wurden mit einem Embargo belegt und durften ihre Tiere weder an die großen Schlachtbetriebe noch an andere Interessenten verkaufen. Man verweigerte ihnen auch den Zugang zu Krediten für Landwirte und Viehzüchter, auf die viele der regionalen Kleinerzeuger dringend angewiesen waren, um finanziell über die Runden zu kommen.

Hellroter Ara
Hellroter Ara | Viele Arten sind durch die Abholzung bedroht – wie dieser Papagei.

Zur Wiederbelebung der lokalen Wirtschaft mussten Grundbesitzer ihr Land registrieren lassen, das Ausmaß der Entwaldung angeben und einen Plan erarbeiten, mit dessen Hilfe diese Flächen innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren wieder renaturiert werden konnten. »Das ganze Land betrachtete uns als schlechte Menschen. An diesem Punkt wurde jedem klar, dass wir etwas unternehmen mussten«, äußerte sich der damalige Bürgermeister von Alta Floresta gegenüber einem Wissenschaftler der US-amerikanischen Princetown University.

Er wandte sich daraufhin an die gemeinnützige Organisation Instituto Centro de Vida (ICV), die schon seit vielen Jahren Aufforstungs- und andere Naturschutzmaßnahmen in der Region betrieben hatte. Die Experten des ICV erkannten, dass sie zur Bekämpfung der Abholzung als Erstes bei den Ursachen der wirtschaftlichen Misere von Rinderzuchtbetrieben ansetzen mussten. »Eigentlich wollten wir uns nie mit der Nutztierhaltung beschäftigen, doch in diesem Fall waren wir dazu gezwungen, um das Problem der Entwaldung in den Griff zu bekommen«, gesteht Francisco Beduschi Neto, der heute das Programm für nachhaltige Viehwirtschaft am ICV leitet. Statt gegen die Rinderhaltung auf Konfrontationskurs zu gehen, entschloss man sich zu einer Zusammenarbeit: Umweltschützer und Rancher machten sich daran, eine gemeinsame Strategie für die Zukunft zu erarbeiten.

Wo einst dichter Wald wuchs, breitet sich nach der Brandrodung monotone Weide aus.
Verwüstet | Wo einst dichter Wald wuchs, breitet sich nach der Brandrodung monotone Weide aus. Mato Grosso gehört zu den brasilianischen Bundesstaaten mit den höchsten Abholzungsraten.

Gemeinsame Strategie

Im Jahr 2010 stellte das ICV Telles als Mitarbeiter für das Pilotprojekt »Novo Campo« ein, an dem zehn Partner-Ranches teilnahmen. Sie entwickelten ein Programm, in dessen Rahmen Weideland mit widerstandfähigeren Grassorten neu bepflanzt wurde, um eine Verbesserung des Bodens und die Wiederherstellung degradierter Areale zu erreichen; durch eine rotierende Beweidung wechselnder Teilflächen sollte die Produktivität gesteigert werden, und Schulungsmaßnahmen für Ranch-Mitarbeiter sowie die Einstellung von Unternehmensberatern dienten dem Zweck, höhere Gewinne zu erzielen. »Diese Maßnahmen waren keine Zauberei«, bemerkt Telles. »Wir haben nur unsere Kenntnisse und Ressourcen in vernünftiger Weise eingesetzt« – mit beeindruckenden Resultaten. Schon bald graste auf den Weiden die dreifache Anzahl Rinder, und die Betriebe erwirtschafteten satte Gewinne.

Da allerdings die Bewohner dieser Gegend die bestehenden Umweltgesetze in der Vergangenheit immer wieder missachtet hatten, war den Verantwortlichen von ICV sehr wohl bewusst, dass sie besonderes Augenmerk auf die Überwachung richten mussten. Die Firma entwickelte spezielle Kontrollsysteme, um sicherzustellen, dass keins der Rinder in ihrer Lieferkette von einer Ranch stammte, die nach 2008 (der im Forstgesetz festgelegten Frist) noch Regenwälder gerodet hatte. Die teilnehmenden Rinderzuchtbetriebe mussten sich zudem zur »Null-Abholzung« verpflichten und, wie es das Forstgesetz verlangt, mit der Wiederbepflanzung von Flussuferzonen und der Aufforstung von Waldschutzgebieten beginnen.

Aufforstung
Aufforstung | Auf einer der Modellfarmen wird zumindest teilweise wieder aufgeforstet. Leguminosen sollen Stickstoff aus der Luft fixieren und so den Boden verbessern.

Die raschen Erfolge des Novo-Campo-Programms fanden auch auf internationaler Ebene Beachtung. Mit Hilfe einer millionenschweren Investition aus einem Kapitalfond gründeten Telles und eine Reihe weiterer ICV-Mitarbeiter im Juli 2015 das kommerzielle Unternehmen Pecsa. Die neue Firma weitete das Konzept zur verbesserten Bewirtschaftung von Rinderzuchtbetrieben, das bisher auf einer Fläche von 400 Hektar Anwendung fand, auf insgesamt 10 000 Hektar aus; zu den neu in das Programm aufgenommenen mittleren und großen Rinderfarmen zählte auch die Ranch, die ich gemeinsam mit Nogueira besichtigte.

2013 rief eine Gruppe von Rindfleischproduzenten, Schlachtbetrieben, Händlern und Nichtregierungsorganisationen den »Global Roundtable for Sustainable Beef« ins Leben. Die Initiative gründet sich auf freiwilligen Verpflichtungen von Unternehmen sowie deren Überwachung durch Nichtregierungsorganisationen und stellt angesichts der Konflikte früherer Zeiten einen bedeutenden Fortschritt dar. Zu Anfang war es hauptsächlich die Angst um den guten Ruf, die viele Firmen dazu bewog, Selbstverpflichtungen zur sofortigen Beendigung von Entwaldungen zu unterzeichnen. Mittlerweile haben diese Unternehmen jedoch erkannt, dass der Klimawandel auch für ihre eigenen Lieferketten eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellt.

Wald als Wettermacher
Wettermacher | Der Wald macht sich sein Klima zum Teil selbst. Wird er abgeholzt, kann das die Niederschläge noch in einiger Entfernung verringern. Schon aus Selbstschutz sollten die Farmer also zumindest Teile des Walds erhalten.

Als ich in Pecsas Büroräumen vorbeischaue, bereitet sich Telles gerade auf den Besuch unabhängiger, von McDonald's beauftragter Auditoren vor. Mit Unterstützung des »Roundtable for Sustainable Beef« unterzeichnete das brasilianische Unternehmen 2016 seinen ersten Vertrag zur Belieferung von McDonald's-Restaurants in Rio de Janeiro und beendete auf diese Weise das 37-jährige Moratorium des Fastfood-Riesen für Rindfleisch aus der Amazonasregion. »Diese Partnerschaft ist für uns sehr wichtig«, unterstreicht Telles, und Beduschi Neto sagt zustimmend: »Wenn McDonald's handelt, nehmen viele Menschen davon Notiz.«

Nachhaltig wirtschaftet es sich besser

An einem anderen Morgen besuche ich in aller Frühe erneut die von Pecsa bewirtschaftete Rinderfarm, um einen Tag mit dem Verwalter da Silva und seinen Mitarbeitern zu verbringen. In einer Küche unter freiem Himmel sitze ich zusammen mit da Silva, seiner Frau Maria und ihren drei Töchter an einem langen, handgefertigten Tisch. Maria serviert Kaffee in Gläsern, und wir lassen uns ihren selbst gemachten Käse schmecken, während wir uns über das Farmleben unterhalten. »Hier bei uns ist die Lebensqualität besser als auf den anderen Ranches«, stellt da Silva fest. »Bei anderen Viehzüchtern gibt es keine Zeitpläne, Wochenenden oder Urlaub, du musst immer nur arbeiten.« Pecsa dagegen legt Wert auf die Einhaltung der brasilianischen Arbeitsgesetze – ein einzigartiges Konzept in einer Industrie, die sich in entlegenen Regionen noch der Sklavenarbeit bedient.

Ein warmer Wind weht durch die offene Küche. »Das Wetter hat sich ziemlich verändert«, berichtet da Silva. »Die Regenzeit beginnt inzwischen sehr viel später. Aber jetzt wird sie nicht mehr lange auf sich warten lassen.« Er dreht sich um und betrachtet die in einiger Entfernung heraufziehenden Wolken. »O ar é de chuva«, sagt er auf Portugiesisch, »dieser Wind bringt Regen.«

Jaguar
Jaguar | Wo Wald an den Flussläufen der Farmen aufgeforstet wird, kehren auch die Tiere zurück. Jaguare nutzen diese Korridore für Wanderungen zwischen Waldstücken.

Während er draußen auf dem Ranchgelände den Futtertraktor belädt, streicht da Silva mit einer Hand über das trockene Horstgras, eine afrikanische, von Pecsa ausgewählte und hier angepflanzte Sorte. »Wenn der Regen kommt, wird dieses Gras wieder schön grün. Dann setzen die Rinder richtig Fett an und bauen Muskelmasse auf«, freut sich der Viehzüchter.

Der mittlere Westen Brasiliens leidet im Dezember 2017 unter einer extremen Dürre. In Alta Floresta hat es seit zwei Monaten nicht einen einzigen Tropfen geregnet; daher wachsen die Soja- und Maispflanzen, die auf den von Pecsa verwalteten Rinderfarmen als Ergänzungsfutter eingesetzt werden, nur zögerlich. Durch Zufütterung von Soja und Mais in der Trockenzeit und in den letzten Lebensmonaten der Rinder erreichen die Tiere ihr Schlachtgewicht ein Jahr früher als auf konventionell bewirtschafteten Ranches. Die Pecsa-Rinder produzieren folglich mindestens 25 Prozent weniger Methan als jene Tiere, deren Nahrung ausschließlich aus Weidegras besteht.

Zwar erhöht die von Pecsa entwickelte Intensivierungsstrategie die Zahl der Rinder auf den vorhandenen Weideflächen, doch sie führt auch zu einer Verringerung der pro Kilogramm produzierten Rindfleischs freigesetzten Methanmenge. Laut einer von einer unabhängigen brasilianischen Forschungsorganisation durchgeführten Studie führen die Reformen auf einer von Pecsa bewirtschafteten Ranch, verglichen mit einer konventionellen in derselben Region, insgesamt zu 90 Prozent weniger Treibhausgasemissionen pro Kilogramm Rindfleisch.

Quo vadis Amazonien?
Quo vadis, Amazonien? | Vielleicht rettet die Intensivierung der Landwirtschaft auf den vorhandenen Flächen den Amazonasregenwald. Doch dafür müssen die Gesetze streng eingehalten und überwacht werden – und es muss Geld fließen. Viele Farmer können das nicht allein stemmen. Pedro Nogueira und Denise Farias beraten die Landwirte und helfen ihnen bei den Maßnahmen.

Zufütterung als Geheimrezept

Der Einsatz von Ergänzungsfutter erfordert jedoch den Anbau von Getreide oder anderen Nutzpflanzen. Daraufhin wurden vielfach Bedenken laut, eine Umstellung von ausschließlicher Weidefütterung auf die Zufütterung von Mais und Soja könne den Bedarf an Ackerland erneut zu Lasten der Wälder steigen lassen. Laurent Micol, ein Mitbegründer von Pecsa, argumentiert dagegen, durch die Haltung einer größeren Zahl Rinder auf geringerem Raum könnten die frei werdenden Landflächen für Getreideanbau oder Naturschutzmaßnahmen zur Verfügung stehen.

In Biologenkreisen diskutiert man gerade, ob die Welternährung und die Erhaltung der Artenvielfalt durch eine intensive Landwirtschaft sichergestellt werden können oder ob die extensive Bewirtschaftung mit geringen Produktionserträgen auf großen Flächen nicht vielleicht die bessere Methode darstellt. Manche behaupten, eine sparsame Flächennutzung durch gezielte Intensivierung der Landwirtschaft in bestimmten Gebieten würde sich besonders vorteilhaft auf die Biodiversität tropischer Zonen auswirken. In Grenzregionen wie beispielsweise Alta Floresta dringt die Landwirtschaft zunehmend in ungestörte Waldlebensräume vor, und genau dieser Habitatverlust ist ja die Hauptursache des Artenschwunds. Theoretisch erlaubt die intensive Bewirtschaftung eine weiträumige Erhaltung von intakten Ökosystemen und deren Umwandlung in Schutzgebiete, wie es das brasilianische Forstgesetz vorsieht. Die große Herausforderung besteht jetzt allerdings darin, die Realität vor Ort mit den festgeschriebenen Gesetzen in Einklang zu bringen.

An meinem letzten Nachmittag auf der Ranch überqueren Nogueira und ich eine Brücke aus Holzbohlen und wandern zu einem Bach hinunter. Mein Begleiter deutet auf etwa brusthohe Bäume, die in Reihen parallel zum Wasserlauf wachsen. Von einer Baumschule vor Ort bezieht Pecsa robuste, auf degradierten Landflächen gut gedeihende Pflanzenarten; größtenteils handelt es sich um Leguminosen, die durch ihre Stickstoff fixierenden Eigenschaften zu einer Verbesserung des Bodens beitragen. Mit diesen Gewächsen werden die gerodeten Waldstreifen entlang der Wasserläufe auf allen sechs von Pecsa bewirtschafteten Rinderfarmen neu bepflanzt. Nogueira steht in der Nähe eines 1,20 Meter hohen Samaumabaums (Ceiba samauma). »Wenn alles gut geht, wird dieser hier eines Tages der höchste Baum des Waldes sein«, meint der Brasilianer optimistisch.

Mit lautem Kreischen fliegen drei Gelbbrustaras (Ara ararauna) über die Wipfel des wenige hundert Meter entfernt gelegenen Waldreservats der Ranch. Anfang der Woche hat da Silva die Fährte eines Jaguars (Panthera onca) auf dem Farmgelände entdeckt. »Wir sehen hier inzwischen viele Tiere«, erzählt der Ranchverwalter. Vor uns führte eine Spur aus dicken, dreizehigen Fußabdrücken, die von einem Tapir (Tapirus terrestris) stammt, durch den getrockneten Schlamm zum Bachufer. Eigentlich bekommt man diese größten Pflanzen fressenden Säugetiere der südamerikanischen Wälder nur sehr selten zu Gesicht, da sie für gewöhnlich die Nähe von Menschen meiden. In einer sonst zerstörten Landschaft dienen die Waldstreifen entlang der Wasserwege Wildtieren als Korridore, mit deren Hilfe sie sich zwischen den isolierten Waldgebieten fortbewegen können. Obwohl es sich bei diesem Baumbestand erst um ein kleines Wäldchen handelt, scheint er seine Funktion bereits zu erfüllen.

Gelingt der Friede zwischen Rindern und Wald?

Wir wandern die Straße entlang durch das Waldschutzgebiet der Ranch. Hohe Bäume ragen über unseren Köpfen empor, dichtes Unterholz verdunkelt den Wald und verwehrt uns die Sicht bis auf wenige Meter. Streifen gedämpften Nachmittagslichts fallen durch die Bäume und bringen den aufgewirbelten Straßenstaub zum Glühen. Hier unter dem Blätterdach ist es einige Grad kühler und spürbar feuchter als draußen auf den Viehweiden. »Das liegt daran, dass der Wald atmet«, erklärt Denise Farias, die als Kommunikationschefin bei Pecsa tätig ist und sich uns bei dem Spaziergang angeschlossen hat.

Ihre Worte mögen zwar poetisch klingen, doch sie beschreiben eine wissenschaftliche Tatsache. Neueste Forschungsergebnisse zeigen gerade, auf welche Weise die Bäume tropischer Regenwälder bei der Wolkenbildung und der Regulierung von Niederschlägen sowohl regional als auch global eine Rolle spielen. Sie verdeutlichen auch die Auswirkungen, die der fortgesetzte großflächige Verlust von Waldgebieten auf Oberflächentemperaturen, die Häufigkeit von Waldbränden und die Länge von Dürreperioden haben wird. Es sind keine schönen Aussichten.

Ich frage Nogueira, ob er daran glaubt, dass die von Pecsa entwickelte Strategie einer neuartigen Rinderwirtschaft die Abholzung des Amazonasregenwalds tatsächlich aufhalten wird. »Es ist ein entscheidendes Werkzeug in unserem Werkzeugkasten«, so seine Antwort. »Aber es muss mit dem Gesetzesvollzug und anderen Maßnahmen Hand in Hand gehen.«

Die Firma Pecsa ist mittlerweile bereit, ihr erfolgreiches Projekt in den kommenden sechs Jahren auf eine Fläche von 100 000 Hektar auszuweiten. Für eine grundlegende Veränderung der Viehwirtschaft in der Amazonasregion wird ein gigantischer Ressourcenbedarf veranschlagt. Die Kosten für die Umgestaltung von Farmen und die Wiederaufforstung von Flusswäldern liegen bei etwa 1100 US-Dollar (knapp 900 Euro) pro Hektar, und allein im nördlichen Mato Grosso umfasst das bestehende Weideland eine Fläche von 4,5 Millionen Hektar. »Es handelt sich um eine tief greifende Umwälzung, die nicht in drei oder fünf Jahren zu bewältigen ist«, betont Micol. »Zehn Jahre oder länger wird es dauern, um dieses Projekt weiträumig umzusetzen.«

Als ich die Ranch verlasse, geht die Sonne gerade in leuchtenden Pink- und Orangetönen unter. Ein Regenbogen, hervorgerufen von den ersten Niederschlägen der Regenzeit, steht über einem entfernt gelegenen Waldstück. Selbst wenn Alta Floresta vermutlich nie wieder von der wilden Dschungelvegetation vergangener Zeiten bedeckt sein wird, stellt sich eines Tages vielleicht ein Zustand ein, der dem früheren in etwa entspricht, trotz Anwesenheit der Rinder. »Es ist eine komplexe Angelegenheit, den Wald zurückzuholen«, stellt Beduschi Neto fest, »doch es ist nicht unmöglich.«

Der Artikel erschien ursprünglich unter dem Titel »Better Beef« auf »bioGraphic«, einem digitalen Magazin, das von der California Academy of Sciences publiziert wird.

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