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Evolution: Lange Flügel für die Fernreise

Eine große Vogelstudie zeigt: Arten mit ausgeprägtem Wanderdrang haben die passenden Flügel für den Zweck entwickelt.
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Die Flügelform von Vogelarten scheint stark mit dem Wanderverhalten der Tiere verknüpft zu sein. Diesen naheliegenden Zusammenhang haben Biologen um Catherine Sheard von der University of Bristol nun in einer aufwändigen Studie erhärtet: Sie maßen die Flügel von 45 801 Vögeln aus rund 10 000 Arten, meist bei Museumsexemplaren – und stießen auf eine überraschend deutliche Korrelation zwischen Flugfähigkeit und Verbreitung.

Vögel aus den Polargebieten haben eher lang gezogene Flügel, die sich für Fernreisen eignen. Ein extremes Beispiel ist die Küstenseeschwalbe, die regelmäßig zwischen Arktis und Antarktis pendelt. Bei ihren fernen Verwandten aus den Tropen dominieren dagegen runde Flügelformen, die allenfalls für kurze Ausflüge ideal sind. Viele verschiedene Formen finden sich wiederum in Wüstenregionen wie der Sahara, wo sich manche Vögel ganzjährig mit den harschen Bedingungen arrangiert haben, andere hingegen nur einen Teil des Jahres verbringen.

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Schreikranich | Wandervögel wie der Schreikranich haben lang gezogene Flügel – anders als ihre fernen Verwandten, die keine großen Strecken zurücklegen müssen.

Für Fernreisen geeignete Flügel haben demnach vor allem Arten entwickelt, die sich in verschiedenen Klimazonen wohl fühlen, die nur zu bestimmten Jahreszeiten brüten können oder die wenige natürliche Feinde in ihrem Brutraum haben, vor denen sie ihre Nester beschützen müssten. Die Forscher hoffen, dass die Flügelform in Zukunft als aussagekräftiger Indikator für das sich möglicherweise ändernde Wanderverhalten von Arten dienen kann: Zwar ließen sich die tatsächlichen Verbreitungswege von Vögeln auch mit GPS-Sensoren, Markierungen und durch Genanalysen nachvollziehen. Dies sei aber zum Teil sehr aufwändig, weshalb eine Abschätzung über die Flügelform eine gute Ergänzung darstellen könne.

Die Flügelform kann sich zumindest bei manchen Arten als Reaktion auf verändertes Zugverhalten auch rasch ändern. Bei Mönchsgrasmücken beobachten Biologen seit einigen Jahren eine Aufspaltung in zwei Populationen: Begünstigt durch milde Winter verbringen viele der Vögel mittlerweile die kalte Jahreszeit in Großbritannien, während andere weiterhin in den Mittelmeerraum ziehen. Beide Gruppen lassen sich anhand körperlicher Merkmale auseinanderhalten: Wer die kürzere Strecke nach Großbritannien fliegt, besitzt rundere Flügel, mit denen man besser manövrieren kann; diese sind jedoch für längere Flugstrecken untauglich. Dafür besitzen die Mittelmeerüberwinterer weiterhin die früher arttypischen längeren und spitzeren Flügel.

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