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Lebensmittelchemie: Titandioxid ist zukünftig im Essen verboten

Der Farbstoff hellt das Essen auf oder macht es weißer. Doch nun wird er im Lebensmittelbereich verboten. Er birgt eventuelle Krebsrisiken.
Weiße Kaugummis

Kaugummis, Süßigkeiten und andere Lebensmittel müssen in Zukunft ohne den weit verbreiteten weißen Farbstoff Titandioxid auskommen. Die EU-Kommission hat am Freitag, 14. Januar, ein Verbot für den Zusatzstoff in Lebensmitteln wegen möglicher Krebsrisiken erlassen. Es tritt den Angaben zufolge in sechs Monaten in Kraft. »Mit dem heutigen Verbot entfernen wir einen Lebensmittelzusatzstoff, der nicht mehr als sicher gilt«, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides.

Der als E171 bekannte Stoff kommt auch in Backwaren, Suppen und Salatsoßen vor. Die EU-Kommission hatte ihren Vorschlag im Frühjahr 2021 auf Grundlage einer überarbeiteten Empfehlung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) vorgelegt. Die EU-Staaten hatten dem Verbot bereits zugestimmt. Frankreich hatte den Stoff schon 2020 im Lebensmittelbereich verboten.

Titandioxid steht demnach im Verdacht Krebs erregend zu sein, wenn es über die Atemwege aufgenommen wird und in die Lunge gelangt. Dort lösen die Nanopartikel eine Immunreaktion aus, so dass sich das Gewebe entzünden und daraus Krebs entstehen kann. In Versuchen mit Ratten wurden nach Aufnahme von üblichen Titandioxidmengen über die Nahrung wiederum Darmentzündungen festgestellt. Eine weitere Studie hat zudem nahegelegt, dass der Farbstoff Entzündungen im Verdauungstrakt verstärken kann. Im Mittelpunkt der Neubewertung standen auch Bedenken hinsichtlich möglicher erbgutschädigender Wirkung von Titandioxid. Nach Auswertung der vorhandenen Daten konnte der Verdacht bezüglich einer erbgutschädigenden Wirkung dieser Farbstoffteilchen nicht entkräftet werden. Titandioxid wird nur in geringen Mengen durch den Darm aufgenommen, allerdings dann nur schwer ausgeschieden: Es kann sich also im Körper anreichern.

Nicht vom Verbot betroffen sind offensichtlich dagegen Medikamente. Mehrere zehntausend Arzneimittel enthalten den Farbstoff. Hier soll nach Alternativen gesucht werden. Veteranen der Umweltbewegung dürfte noch ein Nebenprodukt der Titandioxidproduktion im Gedächtnis sein: Die dabei entstandene Dünnsäure wurde bis zum Verbot 1989 jahrelang in der Nordsee verklappt.

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