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Maya: Eine Pyramide für den Katastrophenschutz

Vor 1500 Jahren verheerte ein gewaltiger Vulkanausbruch Gebiete im heutigen El Salvador. Doch die Menschen kehrten bald zurück und bauten eine Pyramide – um den Berg zu besänftigen.
Die Pyramide oder Campana Struktur von San Andrés im Vordergrund, dahinter die Vulkanlandschaft von San Salvador.

Es war eine der gewaltigsten Naturkatastrophen des Holozäns, als vor rund 1500 Jahren der Ilopango im heutigen El Salvador ausbrach. Die Eruption sorgte nicht nur für eine Kaltzeit auf der Nordhalbkugel, sondern die Menschen der Mayakultur verließen die Gegend um den Vulkan für ein bis zwei Jahrhunderte. So jedenfalls die bisherige Annahme. Nun haben Archäologen um Akira Ichikawa von der University of Colorado Boulder herausgefunden, dass die Bewohner schon bald nach der Katastrophe in die Region zurückkehrten. Und sie trafen Vorsorge, um eine erneute Eruption abzuwenden: In San Andrés errichteten die Maya eine Pyramide aus Vulkangestein, vermutlich um den Vulkanberg zu besänftigen.

Wie Ichikawa im Fachblatt »Antiquity« berichtet, führten er und sein Team von 2015 bis 2019 Grabungen an dem Bau durch. Auf Grund der Ähnlichkeit mit einer Glocke erhielt die Struktur früh die Bezeichnung La Campana, entsprechend dem spanischen Wort für Glocke. Der Bau besteht aus einer 85 mal 65 Meter großen Plattform mit einer Pyramide. Das Ensemble ragt ungefähr 20 Meter auf.

Datierungen mittels der Radiokarbonmethode ergaben, dass die Pyramide in den Jahrzehnten nach dem Vulkanausbruch zwischen 545 und 620 erbaut worden war. Das genaue Datum der Eruption ist zwar umstritten, aber die meisten Experten verorten das auch als Tierra Blanca Joven bekannte Ereignis in die Jahre 539 und 540. Die Campana war danach unter Verwendung von Tephra- und Tuffmaterial errichtet worden, das sich nach dem Vulkanausbruch niedergelegt und verfestigt hatte. Ichikawa geht von einer Bauzeit von 5 bis 30 Jahren aus; maximal veranschlagt er 80 Jahre.

Das vulkanische Baumaterial könnte technisch von Vorteil gewesen sein. Die Tephra der Tierra Blanca Joven-Eruption eigne sich besonders gut zur Verdichtung von Böden, schreibt der Archäologe in seiner Studie. Außerdem übernahm der Baustoff vermutlich eine religiöse Funktion: »In der Vorstellungswelt der Mittelamerikaner galten Vulkane und Berge als heilige Orte.« Demnach errichteten die Menschen den Bau wohl einerseits wegen des Ausbruchs im Jahr 539/540 und andererseits, um weitere Eruptionen abzuwenden. Auch könnte mit der Erbauung der Zusammenhalt der Gemeinschaft in einer Krisenzeit gestärkt worden sein, vermutet Ichikawa.

Der Ausbruch des Ilopango sowie die Eruption von mindestens einem weiteren Vulkan sorgte auf der Nordhalbkugel für eine Kaltzeit. Fachleute bringen mit dieser Epoche etwa auch Krisenphasen im Mittelmeerraum in Verbindung. Staubwolken verringerten damals die Sonneneinstrahlung, es kam zu Ernteausfällen und Hungersnöten, wie antike Autoren berichten. Hinzu kam, dass sich damals auch die Pest im Mittelmeergebiet ausbreitete.

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