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News: Mission der US-Marssonde Phoenix beendet

Der herannahende Winter auf der Nordhalbkugel und regionale Staubstürme auf dem Mars mit entsprechend schlechten Lichtverhältnissen sorgten nun für das Ende der Mission der Raumsonde Phoenix. Mit 152 Marstagen hat sie die ursprünglich geplante Dauer von 90 Marstagen deutlich überschritten.
Eines der letzten Bilder der Marssonde Phoenix
Die Zeichen standen nicht gut für die Marssonde Phoenix und spätestens Ende Dezember 2008 wäre das Ende gekommen. Durch den kommenden Winter auf der Nordhalbkugel des Roten Planeten war die Tageslänge auf der hohen nördlichen Breite (68 Grad) des Landeplatzes von Phoenix immer weiter geschrumpft. So blieb der Sonde nicht ausreichend Sonnenlicht übrig, um mit Hilfe der Solarzellen ihre Batterien für die kalte und dunkle Marsnacht aufzuladen.

Zwar hatten die Missionskontrolleure versucht, durch Energiesparmaßnahmen das "Leben" der Sonde zu verlängern (wir berichteten), doch ein regionaler Staubsturm, der die Marsatmosphäre stark eintrübte, machte den Planern einen Strich durch die Rechnung. Am 2. November empfingen sie die letzten Signale der Sonde, seitdem herrscht Schweigen.

Mit 152 Marstagen, entsprechend 160 Erdtagen, war Phoenix aber deutlich länger als die ursprünglich geplanten 90 Tage in Betrieb. Die Mission muss als großer Erfolg gewertet werden, denn mit dieser Sonde gelang es erstmals, das Material der Marsoberfläche im Detail mineralogisch-chemisch zu untersuchen. Zudem gelang der zweifelsfreie Nachweis von Wassereis im Marsboden nahe der Oberfläche.

Mittels eines hochempfindlichen Massenspektrometers konnten die im Marsboden enthaltenen flüchtigen Stoffe direkt untersucht werden. Neben Wasserdampf stieß die Sonde auf fest in die Minerale gebundenes Kristallwasser und Kohlendioxid. Damit gelang der Nachweis von Tonmineralen, die sich nur durch das Einwirken von flüssigem Wasser über längere Zeiträume hinweg bilden, und von Kalkspat, der ebenfalls nur bei Anwesenheit von Wasser entsteht. Weiterhin fanden sich Spuren wasserlöslicher Salze wie Natriumchlorid (Kochsalz) und Magnesiumchlorid (Bittersalz), die sich beim Verdunsten flüssigen Wassers in Gesteinen oder lockeren Sedimenten absetzen.

Interessant ist, dass auch an diesem Landeplatz keinerlei Spuren organischer Stoffe, also Verbindungen von Kohlenstoff mit anderen Atomen wie Wasserstoff, gefunden wurden. Dieser Befund deckt sich mit den Messungen der beiden Viking-Raumsonden in den Jahren 1976. Das völlige Fehlen von organischen Verbindungen ist ein herber Schlag für die Marsenthusiasten, die den Roten Planeten in seiner frühen Vergangenheit als warme, feuchte und belebte Welt sehen möchten. Warm und feucht war der Mars früher wohl, aber ohne organische Verbindungen ist Leben, wie wir es kennen, unmöglich.

Ein Grund für die völlige Abwesenheit organischer Stoffe könnten die im Marsboden nachgewiesenen Peroxid- und Perchlorat-Verbindungen sein. Diese Stoffe sind dafür bekannt, dass sie bei Kontakt mit organischen Molekülen diese effizient und äußerst rasch in ihre atomare Bestandteile zerlegen. Dass sie auch in den kalten und eisreichen Regionen des Mars zu finden sind, trübt die Aussichten auf früheres oder derzeitiges Leben doch sehr stark ein.

Insgesamt sandte Phoenix rund 25 000 Bilder von seinem Landeplatz zur Erde, darunter auch extrem scharfe und detailreiche Mikroskopaufnahmen der feinen Bestandteile des Marsbodens. Interessant sind auch die am Landeplatz gewonnenen Wetterdaten, die bis zum letzten Kontakt übermittelt wurden. Leider ist es uns jetzt nicht mehr vergönnt, auf dem Mars Schnee fallen zu sehen – darauf hatten die Forscher noch gehofft.

Mit dem Abschluss der Mission Phoenix ist die wissenschaftliche Arbeit noch lange nicht vorbei, denn die übermittelten Bilder und Messdaten werden die Forscher über mehrere Jahre hinweg beschäftigen.

Schon 2009 soll sich die nächste Landesonde der NASA, das "Mars Science Laboratory" (MSL) der NASA auf den Weg machen, das Mitte 2010 auf dem Roten Planeten landen wird. MSL ist ein Rover mit einem Radioisotopengenerator und damit unabhängig vom Sonnenschein. Er soll für mehrere Jahre auf der Marsoberfläche herumfahren und mit einer Vielzahl von Instrumenten das Material des Marsbodens erkunden.

Nicht vergessen sollte man, dass mit den beiden Sonden Spirit und Opportunity noch immer zwei Marsrover auf dem Roten Planeten aktiv sind. Sie landeten schon Anfang 2004 und haben ihre ursprünglich geplante Lebensdauer von 90 Tagen bald um das 20-Fache überschritten. Beide Rover übermitteln täglich Bilder und Messdaten vom Mars. Außerdem steht Mars unter der ständigen Beobachtung von drei Orbitern: der europäischen Spähsonde Mars Express und den beiden US-Sonden Mars Reconnaissance Orbiter und Mars Odyssey.

TA

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