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News: Mutierte Grippeviren

Bevor die nächste Grippewelle anrollt, sollten Sie sicher sein, dass Sie sich ausgewogen ernähren. Denn bestimmte Grippeviren reagieren empfindlich auf einen Mangel des Spurenelements Selen. Ist der menschliche Organismus unterversorgt, mutiert das Virus besonders fleißig in eine wesentlich gefährlichere Form. Was für das Grippevirus, das zur Gruppe der RNA-Viren gehört, gilt, könnte auch auf tödliche RNA-Viren wie Ebola und HIV zutreffen.
Was wurde dem Spurenelement Selen nicht schon alles an heilsamen Effekten zugeschrieben. Die Palette reicht von der Krebstherapie über eine Steigerung des Immunsystems bis hin zur Vorbeugung vor Herzinfarkten. Nun scheint es auch auf Virusinfektionen einen entscheidenden Einfluss auszuüben. So verändert sich etwa das herzspezifische Coxsackie-B3-Virus aufgrund von Selenmangel von einer harmlosen Variante in einen gefährlichen Eindringling.

Doch auch bei anderen Viren spielt die Selenversorgung des Infizierten eine wichtige Rolle, wie Melinda A. Beck und Heather K. Nelson von der University of North Carolina in Chapel Hill herausfanden. Sie widmeten sich in ihren Untersuchungen einem relativ harmlosen Influenzavirus namens Influenza-A-Bangkok. Zunächst fütterten sie Mäuse entweder mit einer ausgewogenen Nahrung oder einer Nahrung, der das Spurenelement Selen fehlte. Anschließend infizierten sie die Tiere mit dem Virus.

Daraufhin entwickelten die Mäuse beider Gruppen Lungenentzündungen, aber der Krankheitsverlauf unterschied sich wesentlich voneinander. Während die gesund ernährten Tiere nur eine milde Variante der Lungenentzündung zeigten, erkrankten die minderversorgten Mäuse lebensbedrohlich. Grund hierfür ist eine gehäufte Ansammlung von Veränderungen in einem Oberflächenprotein des Virus, das eigentlich als sehr stabil und wenig mutationsanfällig galt. Doch in diesem Fall konnten die Wissenschaftlerinnen mehr als 29 verschiedene Modifikationen feststellen. Im Gegensatz dazu fanden sich nur ein bis drei Veränderungen in den Genen für die Proteine Hämagglutinin und Neuraminidase, die für ihre hohe Mutationsrate bekannt sind.

Seit längerem ist die antioxidative Wirkung von Selen bekannt – ohne das Spurenelement kann der Organismus offenbar schlechter mit oxidativem Stress umgehen. Die Forscherinnen vermuten daher, dass die Veränderungen einen Stressmechanismus offenbaren, der normalerweise von Selen unterdrückt wird. Besonders erschreckend werden die Arbeiten von Nelson und Beck im Hinblick auf tödliche Viren wie Ebola und HIV. Denn diese gehören ebenso wie das Influenza-Virus in die Gruppe der RNA-Viren. Wenn also das eine Virus durch Selenmangel gehäuft in eine wesentlich gefährlichere Variante mutiert, könnte dies auch auf die todbringenden anderen RNA-Viren zutreffen. Alarmierende Aussichten.

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