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Südafrika: Noch viel mehr Funde von Homo naledi

Als der Homo sapiens nach Südafrika kam, scheint er einen uralten Verwandten mit eigenartigen Bräuchen getroffen zu haben: Kam ihm Homo naledi so rätselhaft vor wie uns heute?
Homo naledi SchädelLaden...

Erste Details über die neuen Ergebnisse waren bereits vor einigen Tagen durchgesickert, nun ist es offiziell: Eine weitere Höhle in Südafrika gab reichhaltige Funde von Homo naledi frei, darunter eines der besterhaltenen Skelette einer ausgestorbenen Menschenart. Gleichzeitig ist dem Forscherteam die lang erwartete Datierung ihrer Funde gelungen. Demnach sind die Funde rund 300 000 Jahre alt – eine faustdicke Überraschung, erinnert seine Anatomie doch viel eher an über eine Million Jahre alte Vertreter unserer Gattung. Das junge Datum bedeutet, dass sehr wahrscheinlich der moderne Homo sapiens mit dem Naledi-Mensch in Kontakt kam.

Seine Ergebnisse publizierte das Wissenschaftlerteam um Lee Berger von der University of the Witwatersrand in Johannesburg und John Hawks von der University of Wisconsin in Madison nun in einer Serie von drei Artikeln im Journal »eLife«. Mit insgesamt sechs verschiedenen Verfahren datierten Wissenschaftler die Funde anhand ihrer Umgebung auf ein Alter zwischen 226 000 und 335 000 Jahren.

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Verwinkelt und kaum zugänglich | Zumindest für die Dinaledi-Kammer können die Forscher ausschließen, dass sie je einen anderen Zugang hatte. Dass die menschlichen Überreste dort und in der benachbarten Lesedi-Kammer landeten, ist sehr wahrscheinlich nicht dem Zufall geschuldet.

Dank der neuen Funde ist Homo naledi nun nach dem Neandertaler die bestbelegte ausgestorbene Menschenart, erläutert Hawks. Insgesamt gebe es rund 2000 Skelettteile, die zu mindestens 18 Individuen gehören. An ihnen lässt sich ablesen, dass Homo naledi bereits gut zu Fuß war, aber auch noch Anpassungen an das Klettern zeigte. Seine Hand verrät Geschicklichkeit, doch sein Gehirn ist nur so groß wie das eines Gorillas. Wie dies alles zusammenpasst, ist noch offen. Vermutlich zweigte die Linie des Homo naledi vor mindestens zwei Millionen Jahren von der Linie ab, die zum anatomisch modernen Menschen führte. Die Art behielt dann anders als der Rest der Gattung ihr geradezu winziges Gehirn bei. War sie trotzdem zu »modernen« Verhaltensweisen fähig wie der Anfertigung von Steinwerkzeugen oder dem Gebrauch von Feuer? Drängender noch die Frage: Wie kamen die Naledi-Fossilien unter die Erde? Bestattete der Frühmensch am Ende seine toten Angehörigen aufwändig in spektakulär unzugänglichen Höhlenkammern?

Dass die Toten anscheinend wirklich (von wem auch immer) absichtlich in der Tiefe der Höhle deponiert wurden, wird nun durch den zweiten Fund bestätigt. Das erneute Auftauchen von Skeletten in einem schwer erreichbaren Areal, legt nahe, dass die Fundumstände schon beim ersten Mal kein Zufall waren. Fündig wurden die Ausgräber nur gut 100 Meter von der »Dinaledi«-Kammer entfernt, in einem anderen Abzweig des Rising-Star-Höhlensystems. Die »Lesedi«-Kammer enthält die Skelette von mindestens drei Individuen, darunter ein Kind. In noch nicht ausgegrabenen Abschnitten dürften noch weitere Funde auf die Entdeckung warten, heißt es.

Auf den Namen Neo tauften die Forscher das erfreulich komplette der drei Skelette. Sein gut erhaltener Schädel zeichne nun ein sehr viel besseres Porträt vom Aussehen dieser Frühmenschenart, meinen die Ausgräber. Doch nach wie vor bleiben zentrale Fragen zum Homo naledi unbeantwortet. Dass die Erforschung der frühen Menschheitsgeschichte noch mit großen Überraschungen aufwarten kann, zeigte zuletzt eine Art, die erstaunliche Parallelen zu Homo naledi aufweist: der »Hobbit«, der südostasiatische Flores-Mensch. Eine Antwort auf das Rätsel, das diese beiden »lebenden Fossilien« aufgeben, findet sich vielleicht, wenn sich Forscher nun alte Funde im Licht der neuen Erkenntnisse noch einmal auf den Schreibtisch holen.

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