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Paranoia: Sicherheit statt Wahn

Patienten mit Verfolgungswahn zu behandeln, ist oft nicht einfach. Ein neues Programm setzt bei Selbstvertrauen, Schlaf- und Sicherheitsverhalten der Patienten an – und liefert in einer ersten Untersuchung gute Ergebnisse.
Gruselige Gestalten

Ein häufiges Merkmal von Psychosen ist Verfolgungswahn, also der Glaube, dass andere einem schaden wollen. Britische Wissenschaftler haben ein neues Programm speziell gegen diese Wahnvorstellung entwickelt und erprobt. Die Autorinnen und Autoren um Daniel Freeman gehören einer Forschungs­gruppe der University of Oxford an, die Therapieansätze bei Psychosen untersucht. Die Behandlung orientiert sich an den Faktoren, die eine Paranoia am häufigsten aufrechterhalten. Dazu gehören geringes Selbstvertrauen, schlechter Schlaf sowie übertriebene »Sicherheitsmaßnahmen«. Gemeinsam mit dem Therapeuten wählen die Patienten, welche dieser Probleme sie vorrangig bearbeiten möchten.

Das »Feeling Safe«-Programm absolvierten im Rahmen der Studie 64 Menschen mit Verfolgungswahn. Ebenso vielen wurde eine Kontrollbehandlung zuteil. Dabei sprachen die Therapeuten mit ihnen zwanglos über alles Mögliche, setzten jedoch keine speziellen Therapietechniken ein.

Nach rund 20 Sitzungen hatten sich 50 Prozent der Patienten durch »Feeling Safe« erholt – manche von ihnen hegten zwar noch Wahngedanken, hielten diese aber selbst nicht mehr für besonders plausibel. In der Kontrollgruppe waren es 35 Prozent. Auch das Wohl­befinden und weitere Parameter verbesserten sich im Zuge der Therapie deutlich.

Aktuell gilt die kognitive Verhaltenstherapie als Methode der Wahl bei Verfolgungswahn. Allerdings ist ihre Wirkung wenig spezifisch; sie wirkt Studien zufolge oft nicht besser als freundliche Gespräche mit einem Therapeuten. Das Team um Freeman hält das neu entwickelte Programm für effektiver, weil es gezielter bei den bekannten Risikofaktoren für Psychosen ansetzt.

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