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Pest: Der schwarze Tod kam aus Kirgisistan

Im Jahr 1346 nahm mit dem schwarzen Tod die größte Pandemie der Menschheitsgeschichte ihren Anfang. Nun haben Forschende neue Hinweise auf ihren Ursprung entdeckt.
Ausgrabungen an der Kara-Djigach-Fundstätte am Fuße des Tienschan-Gebirges
Ausgrabungen an der Kara-Djigach-Fundstätte am Fuß des Tienschan-Gebirges in Kirgisistan. Zwischen 1885 und 1892 stießen Fachleute dort auf die Gräber von Menschen, die an einer unbekannten Epidemie verstorben waren.

Zwischen 1346 und 1353 erlebte Eurasien einen beispiellosen Pestausbruch: Bis zu 60 Prozent der Bevölkerung starben binnen Jahren an der Krankheit, die sich im Anschluss zu einer Pandemie entwickelte und bis in das frühe 19. Jahrhundert hinein andauerte. Wo die Krankheit damals herkam, gibt Fachleuten bis heute Rätsel auf. Ein internationales Team um Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und Maria Spyrou von der Universität Tübingen will diese nun gelöst haben. Mit einer Mischung aus archäologischen, historischen und genetischen Analysen konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Ursprung des Ausbruchs ins Tienschan-Gebirge im heutigen Kirgisistan zurückverfolgen. Von ihren Ergebnissen berichten sie im Fachmagazin »Nature«.

Das Tienschan-Gebirge, genauer gesagt ein Gebiet nahe dem Yssykköl-See, ist schon länger als Herkunftsort des schwarzen Todes im Gespräch. Bei Grabungen vor fast 140 Jahren entdeckten Archäologen dort Grabsteine, deren Inschriften darauf hindeuten, dass 1338 und 1339 ungewöhnlich viele Menschen an einer unbekannten Epidemie, einer »Pestilenz«, gestorben waren. Die Theorie, die Pest könnte in Zentralasien entstanden sein, konkurriert seitdem mit einer anderen These, die den Ursprung in Ostasien, in China, vermutet.

Um der Kirgisistan-These nachzugehen, untersuchte die Gruppe um Krause und Spyrou die Überreste der Toten am Yssykköl-See noch einmal genauer. Mittels Genanalysen konnte sie in den Funden DNA des Bakteriums Yersinia pestis nachweisen: Bei der Epidemie vor Ort hatte es sich aller Wahrscheinlichkeit nach also tatsächlich um die Pest gehandelt.

Grabstein mit Inschrift aus der Tschu-Tal-Region in Kirgisistan | Die Übersetzung lautet in etwa: »Im Jahre 1649 [= 1338 n. Chr.], im Jahr des Tigers. Dies ist die Grabstätte des Gläubigen Sanmaq. [Er] starb an der Pest.«

Weitere Untersuchungen offenbarten zudem, dass es sich bei den am Yssykköl-See gefundenen Bakterien um einen Stamm zu handeln scheint, der sich am Knotenpunkt eines riesigen Diversifizierungsereignisses befindet, das gemeinhin mit dem Ausbruch des schwarzen Todes in Verbindung gebracht wird. »Moderne, mit dem alten Stamm am engsten verwandte Stämme finden wir heute in Pestreservoirs rund um das Tienschan-Gebirge, also ganz in der Nähe des Fundorts dieses alten Stamms«, erklärt Krause in einer Pressemitteilung. Ein typisches solches Reservoir bilden etwa wild lebende Nagetiere. »Der Vorfahre des schwarzen Todes scheint also in Zentralasien entstanden zu sein.«

Laut historischen Daten und archäologischen Funden trieben die Menschen im Tienschan-Gebirge im 14. Jahrhundert wohl mit verschiedenen anderen Regionen in Asien und Europa Handel. Auf diese Weise, so vermuten die Autoren, konnte die Krankheit vielleicht in den Rest der Welt gelangen. Die genauen Verbreitungswege sind allerdings noch unbekannt.

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