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Reibung: Wann das Fingerschnippen richtig klappt

Mit dem Finger zu schnippen, wirkt simpel. Doch dahinter verbirgt sich eine komplexe Physik.
Junge schnippt mit Finger - und ein Hund

Schüler, die beim Melden besonders auf sich aufmerksam machen wollen, oder Musikerinnen, die es als Rhythmussignal einsetzen: Menschen verwenden in den unterschiedlichsten Situationen schnippende Finger, um mit dem entstehenden Geräusch zu kommunizieren. Dabei ist die Bewegung eine der schnellsten, zu der Menschen mit ihrem Körper in der Lage sind: Vom Beginn bis zum Ende dauert sie nur sieben Millisekunden, wie eine Studie von Raghav Acharya vom Georgia Institute of Technology in Atlanta und seinem Team beschreibt. Und sie ist stark abhängig von der Reibung auf der Haut.

Die Arbeitsgruppe hat dazu Freiwillige im Testlabor gefilmt, wie diese schnippen. Dabei trugen die Probanden auch unterschiedliches Material an den Händen, etwa Nitril- oder Latexhandschuhe, die je nach Versuch befeuchtet wurden oder einen Kupferfingerhut trugen. Die Auswertung zeigte, dass sich hinter der Bewegung durchaus eine komplexe Physik verbirgt. Wird etwa der Ringfinger gegen den Daumen gepresst, baut sich dabei Spannung auf, die dann explosionsartig freigesetzt wird, wenn der Finger sich löst und gegen den Daumenballen knallt.

Ob es so ein Geräusch gibt oder nicht, hängt von der Reibung ab: Hatten die Wissenschaftler die Nitrilhandschuhe befeuchtet, rutschten die Finger zu leicht ab; es baute sich zu wenig Spannung auf und das Schnippen schlug fehl. Umgekehrt führte auch zu viel Reibung zum Misserfolg. Mit Latexhandschuhen erhöhte sich die Spannung, dafür waren sie so griffig, dass sie die Bewegung des sich lösenden Fingers stark verlangsamten. Der Knall wurde ebenfalls gedämpft. Mit öligen oder nassen Fingern kann man also nur schlecht schnippen.

Ein weiterer Einflussfaktor ist zudem, wie weich die Haut ist: Als die Forscher den Freiwilligen noch Kupferfingerhüte unter die Handschuhe packten, verschlechterte sich das Schnippen ebenfalls. Ring- oder Mittelfinger ließen sich dadurch nicht mehr stark genug zusammendrücken, was zu einem Spannungsverlust führte. Nicht untersucht wurde, wie es sich auswirkt, wenn unterschiedliche Finger schnippen. Im Test wurden Mittelfinger und Daumen verwendet, was bei manchen Menschen nicht funktioniert, wohl aber, wenn diese den Ringfinger einsetzen.

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