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Komoren: Rekordverdächtige Magmakammer speist neuen Unterwasservulkan

Seit 2018 bebt es vor den Komoren. Jetzt haben Forscher enträtselt, was dort tief im Untergrund stattfindet und weshalb die Insel Mayotte so plötzlich absinkt.
Blick auf die Komoreninsel Mayotte Laden...

Vor der Komoreninsel Mayotte im Indischen Ozean unweit von Madagaskar haben Geologen die Geburt eines Unterwasservulkans mitverfolgt. Der Berg aus frischer Lava begann 2018 zu wachsen und erhebt sich inzwischen rund 800 Meter über den Meeresboden. Nun zeigt sich, dass das Material dazu aus einer außergewöhnlich großen Magmakammer stammt – laut dem Wissenschaftlerteam das tiefste und größte Magmareservoir im oberen Erdmantel, das sich abrupt zu leeren beginnt.

Im Fachblatt »Nature Geoscience« erläutern Wissenschaftler um Simone Cesca vom Geoforschungszentrum Potsdam, wie sie mit Hilfe seismischer Signale den Weg des Magmas durch den Erdmantel nachvollziehen konnten. Aufschluss über Lage und Größe der Magmakammer geben so genannte Very-Long-Period-Signale. Dies sind 20 bis 30 Minuten anhaltende Signale, die dadurch entstehen, dass das mit flüssigem Gestein gefüllte Reservoir wie eine Glocke mit einer charakteristischen eigenen Resonanz schwingt. Den Messungen zufolge befindet sich die Kammer in rund 30 Kilometer Tiefe, hat ein Volumen von mehr als 3,4 Kubikkilometern und produziert dementsprechend große Mengen Magma.

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Neu entstandener Vulkan vor Mayotte | Die rote Linie markiert das Relief des rund 800 Meter hohen Feuerbergs, der 50 Kilometer vor der Küste der Insel liegt. Aus seiner Spitze entweicht eine Fahne leichteren Materials, das bis in eine Wassertiefe von knapp 1000 Metern aufsteigt.

Während der eigentliche Vulkanausbruch für die Bewohner der zu Frankreich gehörenden Insel keine Gefahr darstellt, könnte sich die Kammer als Problem erweisen: Je stärker sie sich entleert, desto mehr sackt das über ihr befindliche Gesteinsmaterial ab. Bereits jetzt ist Mayotte um knapp 20 Zentimeter abgesunken und ostwärts gewandert. Auf absehbare Zeit steigt dadurch das Risiko starker Erdbeben. Sollte ein Hang der Insel ins Rutschen geraten, droht schlimmstenfalls sogar ein Tsunami.

Dass die Vorgänge im Erdmantel außergewöhnliche Ausmaße haben, zeigte sich schon 2018, als ein französisches Forscherteam um Nathalie Feuillet vom Institut de physique du globe in Paris den neu geschaffenen Feuerberg am Meeresgrund besuchte und vermaß. Innerhalb eines halben Jahrs dürfte der Schlot ein Volumen von rund fünf Kubikkilometern Magma ausgespuckt haben – mehr, als Forscher bei jedem anderen Vulkan zuvor beobachten konnten.

02/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 02/2020

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