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Hunde-Ursprung: Im Hund stecken zwei Wölfe

Genome eiszeitlicher Wölfe deuten darauf hin, dass zwei unterschiedliche Wolfspopulationen ihre Spuren im Hundegenom hinterließen. Ob aber Wölfe zweimal domestiziert wurden, sagen sie nicht.
Zwei Wölfe
Zwei kanadische Wölfe im Wald. Sie stammen laut Genomanalysen von eiszeitlichen sibirischen Wölfen ab – ebenso wie vermutlich alle modernen Hunde.

Das Erbgut moderner Hunde enthält die Reste zweier unterschiedlicher Wolfgenome. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team um Pontus Skoglund und Anders Bergström vom Francis Crick Institute in London, das für seine Analyse das Erbgut von 66 Wölfen aus den vergangenen rund 100 000 Jahren sequenzierte. Diese Daten, zusammen mit fünf bereits bekannten Wolfgenomen, glich das Team mit Hunden ab. dass die ersten Hunde vor etwas mehr als 20 000 Jahren in Sibirien mit Menschen zu wandern begannen. Die Daten in der aktuellen Studie stützen diese Vermutung. Allerdings deuten manche Fachleute die archäologischen Funde von Hunden in Eurasien dahingehend, dass die Entstehungsgeschichte der Hunde womöglich etwas komplizierter ist. Denn während Hundeknochen in Ostasien sehr alt sind und umso jünger werden, je weiter entfernt man ist, gibt es in Europa ebenfalls extrem alte Hundeknochen.

Das haben manche Arbeitsgruppen als mögliches Anzeichen gedeutet, dass Hunde zweimal domestiziert wurden – einmal im Westen und einmal im Osten. Die Daten des Teams um Skoglund und Bergström kann man ebenfalls so interpretieren, dass westliche Hunde die Spuren einer separaten Domestizierung in ihrem Erbgut tragen. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass es einen strukturellen Unterschied zwischen westlichen Wolfgenomen und dem »westlichen« Wolf-Anteil in Hundegenomen gibt.

Demnach nämlich lässt sich bei Wölfen ein starker Genfluss von Ost nach West nachweisen. Die in der Studie analysierten westlichen Wölfe aus der Zeit nach dem letzten glazialen Maximum haben deswegen einen gemischten Ursprung. Ihr Erbgut ist zum Teil »sibirisch«, enthält aber auch Spuren einer europäischen Wolfspopulation, die zehntausende Jahre zurückreicht. Hunde dagegen stammen zwar im Westen von einer zweiten Wolfspopulation ab, ihnen fehlt jedoch eine Verbindung zur uralten Wolfspopulation. »Die Abwesenheit solcher westlichen Verbindungen deutet darauf hin, dass sie nicht von den hier analysierten europäischen Wolfspopulationen abstammen«, schreibt die Arbeitsgruppe in der Veröffentlichung.

Das stützt eher eine andere Möglichkeit, die Daten zu interpretieren, als ein zweiter Ursprung der Hunde. Demnach könnten sich Hunde, als sie sich nach Westen ausbreiteten, sehr gründlich mit europäischen Wölfen gepaart haben. Vom Tisch ist die Idee vom zweifachen Ursprung der Hunde damit aber noch nicht. Während Skoglund und Bergström geografische Verbindungen zwischen Wölfen und Hunden zeigen konnten, fehlt in ihrer Analyse ein ganz entscheidender Aspekt: die Wolfspopulationen, von denen die Hunde tatsächlich abstammen. Nach Ansicht der Forscher deuten die Daten vor allem darauf hin, dass sowohl sie als auch Wölfe Teile ihres Genoms von noch unbekannten Populationen erbten.

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