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Nahrungskette

So halten Vögel Insekten in Schach

Vögel haben einen guten Ruf als Insektenfresser. Nun wurde die gesamte Menge an Sechsbeinern ermittelt, welche von Amsel, Drossel, Fink und Co vertilgt wird.
Amsel mit fetter Beute

Um 25 Millionen Individuen ging die Zahl der Vögel in Deutschland in den letzten drei Jahrzehnten zurück – in anderen Teilen Westeuropas sieht es ähnlich aus. Als einer der wichtigsten Gründe gilt Nahrungsmangel, weil im gleichen Zeitraum auch die Menge an Insekten dramatisch geschrumpft sein könnte. Wie wichtig dieses proteinreiche Futter für viele Vogelarten ist, zeigt eine Studie von Biologen um Martin Nyffeler von der Universität Basel in »The Science of Nature«. Insgesamt vertilgen Fliegenschnäpper, Ameisenvögel oder Bienenfresser jährlich 400 bis 500 Millionen Tonnen an Insekten: von kleinen Blattläusen bis hin zu großen Faltern, Käfern oder Wespen. Dieses Ergebnis rechneten Nyffeler und Co aus 103 Studien hoch, die sich mit den Beutemengen von Vögeln in den sieben großen Ökosystemtypen der Erde beschäftigten. Die Gesamtmenge sei sogar noch konservativ geschätzt, schreiben die Forscher – gerade in Regenwäldern mit ihrem Arten- und Insektenreichtum bestehen wohl größere Unsicherheiten.

75 Prozent der Beute entfallen ohnehin auf Waldökosysteme, wo Vögel jährlich rund 300 Millionen Tonnen Insekten fressen; weitere 100 Millionen Tonnen werden in Savannen, Steppen oder über Nutzland verzehrt. Geringer ist die Menge wenig überraschend in Wüsten, etwas höher dagegen in der Arktis und angrenzenden Regionen, wo sommerliche Mückenschwärme eine ergiebige Nahrungsquelle darstellen. »Dabei verbrauchen die Vögel weltweit pro Jahr ungefähr gleich viel Energie wie eine Metropole von der Größe New Yorks«, so Nyffeler. Nur ein bis zwei Prozent der Beute werde damit in Vogelbiomasse umgewandelt, der Rest dient dazu, den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten beziehungsweise das kräftezehrende Fliegen zu ermöglichen. Oder um einen anderen Vergleich zu bemühen: Die rund 6000 Insekten fressenden Vogelarten mit einem Gesamtgewicht von drei Millionen Tonnen futtern genauso viel tierische Nahrung wie die Weltbevölkerung, die pro Jahr 400 Millionen Tonnen Fleisch und Fisch verzehrt. Spinnen wiederum saugen jährlich weltweit 400 bis 800 Millionen Tonnen Insekten leer.

Nicht alle Vögel fressen ganzjährig Insekten, benötigen diese Beute jedoch, um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Insgesamt helfen sie jedoch, Insektenplagen einzudämmen oder gar zu verhindern, betont Nyffeler: »Nur wenige andere Tiergruppen wie Spinnen oder manche Ameisenarten können mit diesen Vögeln mithalten, wenn es darum geht, Pflanzen fressende Insekten in globalem Maßstab klein zu halten.«

28/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 28/2018

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