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Bemannte Raumfahrt: SpaceX schickt erfolgreich zwei Menschen ins All

Im zweiten Anlauf ist der Start geglückt: An Bord von SpaceX’ »Crew Dragon« sind zwei Astronauten auf dem Weg zur Internationalen Raumstation
Die Astronauten Robert Behnken, links, und Douglas Hurley, rechts, bei der Generalprobe.Laden...

Robert Behnken und Douglas Hurley haben es geschafft: Am Samstagabend um 21.22 Uhr (MESZ) sind die US-Raumfahrer mit einer Falcon-9-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus gestartet und die abgetrennte erste Raketenstufe ist planmäßig auf einem Transportschiff im Ozean gelandet. An Bord einer »Crew Dragon«-Raumkapsel reisen die Astronauten nun zur Internationalen Raumstation (ISS) – ein historischer Moment und möglicherweise der Beginn einer neuen Ära in der bemannten Raumfahrt. Denn nie zuvor hat eine private Firma Menschen ins All gebracht.

Ursprünglich sollte der Start am Mittwoch, 27. Mai, stattfinden. Die Nasa und SpaceX haben den Versuch aber wegen zu schlechten Wetters abgebrochen.

Zuletzt waren im Sommer 2011 Astronauten mit der Raumfähre »Atlantis« zur ISS geflogen. Danach hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa ihre Space-Shuttle-Flotte aus Kostengründen eingestellt und war für Flüge ins All seither auf die Kollegen aus Russland angewiesen. Das war teuer: Umgerechnet rund 80 Millionen Euro kostete jeder Flug. Zudem kratzte es ziemlich am Ego der Weltraumnation, von ihrem einstigen Widersacher abhängig zu sein.

Um das zu ändern, hat die amerikanische Weltraumagentur Nasa vor zehn Jahren das Crew Commercial Program gestartet (siehe Infobox). Private Firmen bekamen damit die Chance, Raumfahrttechnologien zu entwickeln, mit denen sich regelmäßig sicher und kostengünstig ins All reisen lässt. Die beiden ärgsten Konkurrenten: SpaceX und Boeing.

Das Commercial Crew Programm, Anfang 2010 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama in die Wege geleitet, ist ein völlig neuer Ansatz in Amerikas astronautischer Raumfahrt: Statt wie bislang eigene Raumfahrzeuge zu entwickeln, zu besitzen und zu betreiben, will die US-Weltraumagentur NASA künftig nur noch Kunde sein – und zwar »ein Kunde unter vielen in einem robusten kommerziellen Markt«, wie es NASA-Chef Jim Bridenstine formuliert. Um das zu erreichen, hat die Behörde zwei Raumfahrtunternehmen, SpaceX und Boeing, damit beauftragt, nach deren eigenen Ideen ein Raumschiff für den Transport von Astronautinnen und Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS zu bauen. Als Anschubfinanzierung erhielt SpaceX für die Crew-Dragon-Kapsel knapp drei Milliarden Euro. Boeing bekam sogar 4,4 Milliarden Euro, liegt mit seiner Starliner-Kapsel auf Grund technischer Probleme allerdings zurück. Die NASA erhofft sich von dem Programm deutlich niedrigere Flugpreise. Kosteten Flüge im Spaceshuttle pro Raumfahrer noch gut 150 Millionen Euro, rechnet die NASA für Flüge in SpaceX-Kapseln mit Ausgaben von lediglich 60 Millionen Euro.

SpaceX hat gemeistert, was bislang nur Boeing gelang

Boeing hat vor rund 50 Jahren erstmals Menschen zum Mond gebracht; tatsächlich ist ohne die Firma noch kein Astronaut aus den USA ins All geflogen. Doch nicht Boeing, sondern der Milliardär Elon Musk hat nun mit seinem privaten Raketen-Start-up SpaceX wieder Raumfahrer von einer Startrampe an Floridas Küste in den Weltraum geschickt.

Die Mission »Demo 2« ist drei Jahre später gestartet als zwischenzeitlich geplant – aber das kümmert bei der Nasa derzeit kaum noch jemanden. Die technischen Probleme scheinen überwunden, die Finanzierung weitgehend geklärt und auch der US-Präsident Donald Trump hat erkannt, dass sich US-Astronauten, die von US-Boden aus an Bord von US-Raketen und US-Raumkapseln gut vermarkten lassen.

Der Start eines Raumschiffs mag stets ein besonders heikler Moment jeder Mission sein. Doch ob das Vorhaben von Elon Musk und seinen Raumfahrtingenieuren tatsächlich erfolgreich ist, hängt von zahlreichen weiteren Details ab. Wird die Kapsel den Weg zur ISS finden? SpaceX' Konkurrent Boeing war das bei einem letzten unbemannten Test nicht geglückt. Laufen alle Systeme wie geplant? Werden die Astronauten sicher andocken und aussteigen können?

In gut einem Tag sollen Behnken und Hurley an der ISS ankoppeln. Etwa einen Monat, so der Plan, bleiben sie vor Ort, um anschließend die Rückreise anzutreten und bestenfalls in den letzten Minuten der Missionen an Fallschirmen sanft zurück zur Erde zu gleiten.

23/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 23/2020

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