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Synapsen: Gefahr durch Benzodiazepine

Das Beruhigungsmittel Diazepam sollte nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da es Nervenfortsätze angreift und geistigen Abbau fördert. Wie genau, zeigen Tierstudien.
Hirnzelle nimmt Schaden

Benzodiazepine gehören zu den am häufigsten verschriebenen Mitteln gegen Schlaf- und Angststörungen. Doch nimmt man die Medikamente über einen längeren Zeitraum ein, kann die geistige Leistungsfähigkeit abnehmen, bis hin zur Demenz. Ein Team um Yuan Shi von der Ludwig-Maximilians-Universität München hat mit aufwändigen Experimenten herausgefunden, wie diese gravierenden Nebenwirkungen entstehen.

Die Fachleute beschränkten sich bei ihren Versuchen auf den Wirkstoff Diazepam, besser bekannt als Valium. Verabreichten sie Mäusen den Stoff, bildeten sich die Dornfortsätze an deren Nervenenden zurück. An diesen »Spines« befinden sich die Synapsen, über die Nervenzellen miteinander kommunizieren. Außerdem bauten die Labortiere kognitiv ab. Diazepam dockt nicht nur an den GABA-Rezeptor in den Kontaktstellen von Neuronen an, sondern auch an das »translocator protein« (TSPO). Aktivierten die Hirnforscher ausschließlich dieses Protein, verschwanden Dornfortsätze ebenfalls. Genetisch veränderte Mäuse ohne TSPO verloren durch Diazepam hingegen keine Spines.

In weiteren Untersuchungen wiesen Shi und ihre Kollegen nach, dass TSPO die Immunzellen des Gehirns stimuliert, die Mikroglia. Diese mischen sich in die Prozesse an den Nervenenden ein und verhindern, dass neue Dornfortsätze wachsen. Als die Forschenden den Großteil der Mikroglia experimentell entfernten, bildeten sich in der Diazepam- sowie in der Kontrollgruppe sogar mehr Spines. Dass Mikroglia Synapsen angreifen, war schon vorher bekannt. »Aber was uns wirklich überrascht hat, war, dass so gut erforschte Medikamente wie Benzodiazepine diesen Prozess beeinflussen«, sagt Yuan Shi.

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