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Altes Ägypten: Wachsköpfe für die Ewigkeit

Die alten Ägypter setzten sich Kegel auf die Köpfe. Warum? Ungewiss. Zwar gibt es Bilder, aber bisher keine Funde. Nun haben Forscher zwei Wachshütchen in Amarna entdeckt.
Der erste originale Salbkegel - die Reste liegen neben dem Schädel der Toten aus einem Friedhof in Amarna.Laden...

Die vornehmen Ägypter, die etwas auf sich hielten, trugen einen Salbkegel aus Fett und wohlriechender Myrrhe auf dem Kopf. So zumindest lautet eine These, um die entsprechenden Darstellungen auf Wandbildern und Reliefs zu interpretieren. Eine andere: Die kegelförmigen, weiß-braunen Kopfbedeckungen sollten einfach nur zeigen, dass eine Person besonders rein ist. Oder stellte der Kegel etwa doch eine Art Nimbus dar und kennzeichnete den unbescholtenen Verstorbenen im Jenseits?

Diese Fragen haben Ägyptologen immer wieder diskutiert, schlicht deshalb, weil keine originalen Salbkegel bekannt waren. Nun hat sich die Fundlage geändert: In Amarna in Mittelägypten hat ein Team der Monash University in Melbourne und der Southern Illinois University zwei Kegel aus Bienenwachs entdeckt. Die Gebilde hafteten auf den Schädeln von zwei Toten. Wie die Forscher im Fachblatt »Antiquity« berichten, waren die Verstorbenen auf einem der Friedhöfe von Amarna beigesetzt worden, als der Ort zwischen 1347 und 1332 v. Chr. die Hauptstadt des heute als Ketzerpharao bekannten Echnaton war.

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Salbkegel auf altägyptischen Bildern | In der Kunst sind häufig vornehme Ägypter mit Salbkegeln auf dem Kopf dargestellt. Die Bilder stammen alle aus Gräbern in Amarna (zirka 1347-1332 v. Chr.).

Die Überreste der Salbkegel hatten Forscher bereits 2010 und 2015 bei Grabungen entdeckt. Seither untersuchten die Archäologen die Fragmente und stellten fest: Die Kegel waren ungefähr acht Zentimeter hoch und innen hohl. Zudem ergab eine Analyse per Röntgenfluoreszenzspektroskopie, dass sie aus Bienenwachs geformt wurden. Anders als bisher vermutet, bestanden die Salbkegel also nicht aus Fetten oder Harzen. Außerdem enthielten die Stücke keine Essenzen. Bislang waren viele Fachleute davon ausgegangen, dass die Salbkegel als eine Art Kopfdeodorant dienten. Auf das Haupt gestülpt, schmolzen sie allmählich durch die Körperwärme und verbreiteten einen Wohlgeruch.

Mit dem Fund ergeben sich neue Fragen. Denn warum die beiden Toten – eine Frau Mitte 20 und ein Jugendlicher bisher unbestimmten Geschlechts – mit einem Wachskegel beigesetzt wurden, darüber können die Forscher nur spekulieren. Der Friedhof, auf dem sie beigesetzt wurden, war für die Bürger von Amarna bestimmt. Es handelte sich also nicht um Angehörige des Königshauses. Vielleicht, so vermuten die Wissenschaftler, ist es nur dem Zufall geschuldet, dass überhaupt Fragmente der fragilen Wachskegel erhalten geblieben sind.

2/2020 (Mai/Juni) Denisovaner

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum Geschichte, 2/2020 (Mai/Juni) Denisovaner

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