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Vulkane: Warum der Stromboli so heftig ausbrach

Der italienische Vulkan bricht regelmäßig aus, doch meist handelt es sich um harmlosen Auswurf. Nicht so am Mittwoch: Es war die heftigste Eruption seit Jahren.
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Mindestens ein Toter und ein Schwerverletzter, Touristen, die ins Meer flüchteten und brennendes Buschland: Der Ausbruch des italienischen Vulkans Stromboli am Mittwoch (3. Juli) hat katastrophale Spuren hinterlassen – und die örtliche Bevölkerung wie Geologen überrascht. Sie sind die regelmäßigen Ausbrüche »ihres« Vulkans gewöhnt – er spuckt so regelmäßig Magma und Asche, dass dieser Ausbruchstyp weltweit als »strombolianische« Aktivität bezeichnet wird.

Die Eruption am Mittwoch fiel dagegen deutlich heftiger aus; es war die heftigste Eruption seit mindestens 2007, vielleicht sogar seit 1985: Bis zu zwei Kilometer hoch stand eine Aschesäule über der Insel, und eine größere Menge an Magma und vulkanischen Bomben wurde ausgeworfen. Sie setzten die trockene Vegetation an den Hängen des Vulkans in Brand. Die beiden bislang bekannten Opfer gerieten wohl auch in diesen Gesteinshagel mit schwer wiegenden Folgen. Laut dem Italienischen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) kam es um 16.46 Uhr innerhalb von 30 Sekunden zu zwei heftigen Explosionen, denen ein gutes Dutzend kleinerer Eruptionen folgte. Der Ascheauswurf ging dabei auch auf der westlichen Seite nieder und nicht nur auf der nordwestlichen Flanke wie üblich: Bei kleineren Ausbrüchen rollt das Material die so genannte Sciara del Fuoco, die »Straße des Feuers« hinab.

Laut dem INGV brach Magma aus allen fünf bekannten Spalten am Gipfel des Stromboli aus, doch strömte diese immerhin nur über die Sciara del Fuoco ab. Über diese Flanke rollten zudem immer wieder Brocken ins Meer, allerdings waren sie viel zu klein, um einen Tsunami auszulösen – im Gegensatz zu einem kleineren Flankenkollaps vor knapp 17 Jahren: Am 29. Dezember 2002 riss damals während einer Eruption ein Teil des Vulkankegels ab, der ins Meer rauschte und eine Flutwelle auslöste.

Laut Stefano Branca vom INGV löste eine Magmatasche die Explosion aus, die rasch aus größerer Tiefe als beim Stromboli üblich aufstieg und und dabei in Bereiche geriet, in der ein schneller Druckabfall einsetzte. Dadurch entgaste sie rapide, was das Material explosionsartig aus dem Schlot riss – ein Ereignis, das am Stromboli sehr selten vorkommt, dann aber umso heftiger wirkt. Und sie lassen sich nur schwer vorhersagen, weil sich die nahe an der Oberfläche liegende Magmakammer des Stromboli normalerweise regelmäßig und ungehindert entleert. Das INGV nimmt daher auch an, dass sich eine derartige Explosion in naher Zukunft nicht wiederholt, sondern dass der Vulkan zu seiner üblichen Aktivität zurückkehrt. Allerdings lassen sich derart heftige Ausbrüche am Stromboli kaum vorhersagen, weil die üblichen Anzeichen wie ein langfristiger Druckaufbau dafür nur sehr kurzfristig auftreten: Es bleibt kaum Vorlauf für Warnungen.

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