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Bizarrer Kommunikationsweg: Warum Nacktmulle den Kot ihrer Königin fressen

Kinder kriegen kann bei Nacktmullen nur die Königin. Nach der Geburt sorgt sie dann mit einer besonderen Strategie dafür, dass sich andere Tiere um den Nachwuchs kümmern.
Nacktmull im Nest

Seit Langem schon sind Biologen fasziniert von Nacktmullen: Die ostafrikanischen Nagetiere scheinen nicht nur deutlich langsamer zu altern als andere Organismen. Sie leben auch in Gemeinschaften aus 60 bis 80 Tieren mit einer ungewöhnlichen Sozialstruktur. So kann in einer Nacktmullkolonie für gewöhnlich nur die Königin Kinder austragen. Nach der Geburt kümmern sich dann aber andere, untergeordnete Tiere um die Nachkommen – und das, obwohl sie selbst keine zur Fürsorge anstiftenden Hormone produzieren.

Nun präsentiert ein japanisches Forscherteam um Akiyuki Watarai von der Azabu University eine Erklärung für das Phänomen: Die Nacktmulle essen mit Vorliebe den Kot ihrer Königin, und dieser enthält während der Schwangerschaft das weibliche Sexualhormon Estradiol. Über den Verdauungstrakt gelangt der Stoff in die Körper der Untergebenen und animiert sie beispielsweise dazu, ausgebüxte Neugeborene wieder zurück ins Nest zu tragen.

Hinweise für ihre Theorie hatten die Forscher bereits vor einiger Zeit auf einer Konferenz präsentiert. Nun haben sie Details im Fachmagazin »PNAS« veröffentlicht.

Die Gruppe testete ihre Vermutung, indem sie jeweils ein halbes Dutzend Labornacktmulle zu verschiedenen Zeiten des Brutzyklus auf die aufgezeichneten Rufe von Jungtieren reagieren ließ. Nacktmulle, die zuvor mit Königinnenkot gefüttert worden waren, reagierten nach der Schwangerschaft bereitwilliger auf das Rufen der Nachkommen als Mitglieder einer Kontrollgruppe. Auch fand sich Estradiol im Urin der Tiere, das den Forschern zufolge nur von der Königin stammen kann.

Absprachen über die Brutpflege sind im Tierreich eigentlich nichts Ungewöhnliches. Andere Arten nutzen aber eher Duftstoffe, um hormonelle Signale in einer Gruppe zu übermitteln. Bei Nacktmullen ist das Riechorgan jedoch unterentwickelt, und außerdem ist die Luft oft schlecht in den Höhlenbauten der Tiere. Möglicherweise hätten sie deshalb diese besondere Form der Kommunikation entwickelt, schreiben die Forscher.

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