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Klimaschutz: Wenn Wald die Welt wärmt

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Aufforstungen gelten als gute Methode, um den Klimawandel einzudämmen: Sie sollen einen Teil des Kohlendioxids, das der Atmosphäre durch menschliche Aktivitäten zugeführt wird, wieder ökologisch korrekt binden – schließlich benötigen sie für Fotosynthese und Wachstum viel CO2. Bisweilen bewirke das Pflanzen von Wäldern jedoch genau das Gegenteil, gibt eine Studie von Eyal Rosenberg und Dan Yakir vom israelischen Weizman Institute of Science in Rehovot zu bedenken: Setzt man die Bäume in Trockengebieten, so könnte sich die Erderwärmung sogar noch verstärken, so die Forscher.

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Wald vor Wüste | Der Yakir-Nadelwald in Israel grenzt direkt an die Negevwüste. Seine Bäume binden zwar Kohlendioxid, verringern aber auch die Albedo der Region: Das dunkle Grün speichert im Gegensatz zum hellen Sand mehr Wärmeenergie.
Zwar verbrauchen die Gewächse Kohlendioxid und entziehen es damit vorerst der Umwelt. Doch dafür verändert sich auch die Albedo der betroffenen Region: Statt der vorherigen hellen Flächen, die einen großen Teil des eingestrahlten Sonnenlichts wieder reflektieren, dominieren dunklere Töne, welche die Strahlung in Form von Wärmeenergie speichern und damit zumindest regional die Durchschnittstemperaturen erhöhen. Nach den Messungen von Rosenberg und Yakir im Yatir-Nadelwald im Süden Israels am Rande der Negevwüste dauert es wohl einige Jahrzehnte, bis dieser direkte Aufheizungseffekt durch die indirekte Abkühlungsleistung in Form der CO2-Aufnahme ausgeglichen wird. In dieser Zeit tragen Aufforstungen in Trockengebieten also netto zur Erderwärmung bei.

Andererseits schätzen die beiden Forscher, dass die um sich greifende Zerstörung von Wäldern oder Strauchsavannen in den Trockengebieten die Erde weiträumig heller gemacht hat. Dies habe den Klimawandel abgeschwächt, kalkulieren die Geowissenschaftler: Die verstärkte Albedo des Sonnenlichts hat umgerechnet etwa ein Fünftel unserer CO2-Emissionen aufgewogen.

Großflächige Aufforstungen finden gegenwärtig unter anderem in der argentinischen Pampa oder in Trockengebieten Südafrikas statt: Sie werden jedoch weniger wegen ihrer Klimafolgen kritisch beäugt, sondern weil sie artenreiche Grasländer verdrängen und vor allem weil sie oft mehr Wasser benötigen, als das Ökosystem liefern kann. (dl)
3. KW 2010

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 3. KW 2010

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  • Quellen
Rotenberg, E., Yakir, D.: Contribution of Semi-Arid Forests to the Climate System. In: Science 327, S. 451–454, 2010.

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