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Mit Humor gegen den Zwang

Die Erfahrungen eines Menschen mit Zwangserkrankung.

Peter Wittkamp verfolgen seit 20 Jahren quälende Gedanken, die ihn zu wunderlichen Ritualen treiben – und das jeden Tag. Liegt beispielsweise Obst auf der Straße, meint er, er sei schuld, wenn jemand darauf ausrutsche und sich verletze. Also räumt er die vermeintlich gefährlichen Früchte aus dem Weg. Außerdem wird er von der Vorstellung heimgesucht, seine Tante könne sterben, wenn er im Supermarkt kein »Schlemmerfilet à la Bordelaise« kaufe.

Menschen mit solchen Zwangsstörungen schämen sich oft sehr, da ihnen bewusst ist, wie irrational sie sich verhalten. Doch nur wenn sie offen über ihre Erfahrungen berichten, kann das Vorurteile abbauen und zu mehr Akzeptanz für die Störung führen – auch bei den Betroffenen selbst.

Wittkamp hat diesen Schritt gewagt und seine Leidensgeschichte zusammengefasst. Er arbeitet als Autor von witzigen Texten etwa für den Online-Auftritt der Satiresendung »heute-show«. Kein Wunder also, dass sein Buch überaus humorvoll ist. »Meine Zwänge sind sehr stark, aber nie so stark, dass ich nicht über sie lachen möchte«, schreibt er. So vergleicht er seine Krankheit mit einem Tyrannosaurus rex (»Wenn man nicht aufpasst, hat sie dich schnell zwischen ihren Zähnen und lässt dich nie wieder los«). Und die Tatsache, dass er schon mehrere tausend Autoreifen kontrolliert hat, um etwaige im Gummi steckende Nägel zu finden, kommentiert er mit: »Bei mir im Kopf war eindeutig der TÜV abgelaufen.«

Wittkamp gewährt einen intimen Einblick in sein Innenleben. Dabei schafft er es, die Komik einer Situation zu schildern, ohne in Klamauk abzugleiten. Zwischendurch schlägt er ernstere Töne an, etwa wenn er depressive Phasen beschreibt. In mehreren Kapiteln erklärt er zudem mit einfachen Worten, was eine Zwangserkrankung ist und wie man sie behandeln kann. Das macht das Buch nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich.

20/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 20/2020

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