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Das Rätsel der Persönlichkeit

Ein erhellendes Buch über den aktuellen Stand der Persönlichkeitspsychologie.

Erlaubt uns ein Foto Einblicke in den Charakter eines Menschen? Kann es gar dessen sexuelle Orientierung entlarven? Warum steigt der durchschnittliche IQ in der Bevölkerung stetig an, und was hat es mit der viel beschworenen »emotionalen Intelligenz« auf sich? Auf diese und andere brennende Fragen geht der emeritierte Professor für Persönlichkeitspsychologie Jens Asendorpf ein.

Persönlichkeit umfasst mehr als nur, ob jemand aufbrausend oder optimistisch daherkommt. Der Begriff beschreibt alle zeitlich relativ stabilen, nicht pathologischen Merkmale im Verhalten und Erleben, die einen Menschen von anderen abheben. Kurz: Es geht um die ganz normalen Unterschiede, die wir immer wieder im Alltag beobachten. Und genau bei diesen Alltagserfahrungen holt Asendorpf den Leser ab. Er konfrontiert landläufige Mythen mit empirischer Forschung und enthält einem dabei nicht vor, wie Wissenschaftler zu bestimmten Schlüssen gekommen sind.

Fünf-Faktoren-Modell

Mehrfach untermauert der Autor seine Darstellungen mit kompliziert aussehenden Ergebnistabellen aus entscheidenden Studien. Davon sollten sich interessierte Laien nicht abschrecken lassen, denn Asendorpf erläutert Versuchsaufbau und Methodik ausführlich und präsentiert sie in mundgerechten Stücken. Die Themen, die er so einem breiteren Publikum näherbringt, sind vielfältiger, als man vom Titel des Bands her vermuten könnte.

Der erste Teil erklärt, wie das gängigste Persönlichkeitsmodell, die »Big Five«, zu Stande kam. Die einfache Annahme: Kerneigenschaften der Persönlichkeit müssten sich in der Sprache, genauer in Adjektiven wie »hilfsbereit«, »ängstlich« und »aggressiv« niederschlagen. Mit statistischen Verfahren destillierten die Forscher dann fünf Haupt­eigenschaften heraus: Offenheit für neue Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus, also emotionale Labilität.

Das zweite Kapitel widmet sich der Intelligenz, die genau wie soziale oder musikalische Fertigkeiten laut Asendorpf im weiteren Sinne unter den Begriff Persönlichkeit fällt. Dabei scheut der Autor nicht vor schwierigen, emotionsgeladenen Themen zurück, etwa hinsichtlich belegter IQ-Unterschiede zwischen Nationen sowie Alteingesessenen und Migranten, und findet wissenschaftliche Erklärungen, die rassistische Vorurteile anfechten. Zuletzt behandelt er die Frage, wie Gene und Umwelt den Charakter formen und ob es möglich oder gar erstrebenswert ist, diesen zu optimieren.

Jedes Kapitel beginnt mit einer übersichtlichen Einleitung und endet mit einer praktischen Zusammenfassung. Zudem sind stets Quellen aufgeführt. Aufmerksame Leser erhalten einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Persönlichkeitspsychologie. Ein Muss für jeden Studenten des Fachs und alle, die sich dafür interessieren, was uns einzigartig macht.

4/2018 (Oktober/November)

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum Psychologie, 4/2018 (Oktober/November)

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