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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Solanum-Arten

Solanum-Arten

Fam.: Solanaceae.

Solanum aculeatissimum Jacq.
Vork.: Brasilien.
Droge: die Blätter. Inh.: Steroidalkaloidglykoside (0,7-2 %), vor allem Solasodinglykoside.
Hom.: Solanum arrebenta HAB 34, die frischen Blätter.

Solanum carolinense L.
Vork.: Nordamerika.
Droge: die Beeren. Inh.: Steroidalkaloidglykoside, vor allem Solasonin und Solamargin.
Hom.: Solanum carolinense HAB 34, die frischen, reifen Beeren.

Solanum dulcamara L. (syn. Dulcamara flexuosa, Solanum laxum, S. lyratum, S. scandens). Bittersüßer Nachtschatten (syn. Alpranke, Bittersüß, Hinschkraut, Mausholz, Natterholz, Pißranke, Rote Hundsbeere, Süßholz), vgl. Abbildung.
Vork.: Europa, Nordafrika, Asien, Nordamerika.
Droge: Dulcamarae stipes (syn. Caule dulcamarae, Dulcamara, Dulcamarae stipites, Stipites Dulcamarae); Bittersüßstengel (syn. Bitterstiele, Waldnachtschattenstiele). Die Droge ist giftig! Inh.: Steroidalkaloidglykoside (0,07-0,4 %), wie α- und β-Solamarin sowie Steroidsaponine (ca. 0,18 %). Anw.: zur unterstützenden Therapie bei chronischen Hautleiden, wie Ekzemen oder Neurodermitis. In der Volksheilkunde auch als Blutreinigungstee, bei Übelkeit, Rheuma, chronischer Bronchitis und Asthma eingesetzt.
Hom.: Solanum dulcamara HAB 1; Bittersüßer Nachtschatten, die jungen Triebe und Blätter vor der Blüte. Anw.-Geb.: Erkrankungen der unteren Atemwege, der Haut, der Nieren, der ableitenden Harnwege sowie des Stütz- und Bewegungsapparates.



Solanum dulcamara, Bittersüßer Nachtschatten

Solanum luteum Mill. (syn. Solanum villosum); Gelbbeeriger Nachtschatten (syn. Zottiger Nachtschatten).
Vork.: Europa, Mittelmeerländer, Kleinasien.
Droge: die ganze Pflanze. Inh.: Steroidalkaloidglykoside, vor allem Solamargin, Solasonin, Solavillin.
Hom.: Solanum villosum HAB 34, die frische, zur Zeit der Blüte gesammelte, ganze Pflanze.

Solanum mammosum L. (syn. Solanum villosissimum); Zitzenförmiger Nachtschatten.
Vork.: Mittelamerika, Südamerika, Westindien.
Droge: die Beeren. Inh.: Steroidalkaloidglykoside (ca. 1 %), vor allem Solasonin, Solamargin, β-Solamargin.
Hom.: Solanum mammosum HAB 34; die frischen, reifen Beeren. Anw.-Geb.: Hüftgelenkschmerzen.

Solanum melongena L., Aubergine (syn. Eierfrucht).
Vork.: Subtropen und Tropen, bes. Mittelmeergebiete und Indien.
Droge: die Früchte. Inh.: Vitamine B1 und B2, Niacin, Ascorbinsäure, Mineralstoffe. Anw.: als Gemüse genutzt.



Solanum melongena.

Solanum nigrum L. emend. Mill. (syn. Solanum alpinum, S. americanum, S. anacamptocarpum, S. fistulosum, S. grossedentatum, S. hortense, S. incertum, S. judaicum, S. melanocerasum, S. morella, S. nodiflorum, S. oleraceum, S. plebeium, S. retroflexum, S. rhinocerotis, S. rubrum, S. rumphii, S. stenopetalum, S. suffruticosum, S. triangulare, S. uliginosum, S. viscidissimum, S. vulgare, S. vulgatum); Schwarzer Nachtschatten (syn. Giftbeere, Hundsbeere, Mondscheinkraut, Saukraut, Sautod), vgl. Abbildung.
Vork.: weltweit.
Droge: Solani nigri herba (syn. Herba Solani nigri); Schwarzes Nachtschattenkraut, das zur Blütezeit gesammelte und getrocknete Kraut. Inh.: Steroidalkaloidglykoside (bis zu 1,6 %), vor allem Solasonin, Solamargin und β-Solamargin; Steroidsaponine. Anw.: in der Volksheilkunde innerlich bei Magenkrämpfen, Blasenkrämpfen und Keuchhusten. Äußerlich kommt die Droge bei Ekzemen, nässenden Flechten, Juckreiz, Hämorhoiden, Schrunden, Prellungen und Abszessen zur Anwendung.
Hom.: Solanum nigrum HAB 1; Schwarzer Nachtschatten, die frische, blühende, ganze Pflanze. Anw.-Geb.: Erkrankungen des Zentralnervensystems.



Solanum nigrum, Schwarzer Nachtschatten

Solanum pseudocapsicum L.; Korallenbäumchen (syn. Korallenkirsche, Korallenstrauch), vgl. Abbildung.
Vork.: Südamerika, heute als Topfpflanze weltweit kultiviert.
Droge: das Kraut. Inh.: Steroidalkaloidglykoside (ca. 1,4 %), vor allem Solanocapsin.
Hom.: Solanum pseudocapsicum HAB 34, das frische, blühende Kraut.
Histor.: Der Gattungsname Solanum geht auf die lateinischen Bezeichnungen solamen (Trost) oder solari (lindern) zurück und weist offenbar auf die Nutzung von Solanum-Arten zur Linderung von Beschwerden hin. So berichtet z.B der Dominikaner-Mönch Theodorich im 13. Jh., daß Schwarzer Nachtschatten zu einer Mixtur verarbeitet wurde, die zum Einschläfern von Patienten vor Operationen diente.



Solanum pseudocapsicum, Korallenbäumchen

Solanum tuberosum L.; Kartoffel (syn. Aperna, Aebern, Brymbura, Erdapfel, Erdbirne, Erdkeste, Erdschocken, Flötzbirn, Brumbeer, Grumbirn, Grumper, Grundbirne, Hartäpfel, Herdöpfel, Krummbeere, Kurtuffel, Patätschen, Pantottern, Pumsa, Schucken, Tüffeln), vgl. Abbildung.
Heim.: Südamerika, heute weltweit auf der Nordhalbkugel kultiviert.
Drogen: 1. Solani amylum (syn. Amylum Solani); Kartoffelstärke. Inh.: Stärke (ca. 20 %), die zu 80 % aus Amylopektin und 20 % aus Amylose neben Wasser und Spuren an Proteinen besteht. Anw.: als Hilfsmittel in der Galenik für Pulver, Salben und Tabletten. Große Mengen werden in der Nahrungsmittelindustrie verarbeitet. 2. Solani tuberosi tuber recens (syn. Tubera solani tuberosi); Kartoffelknolle. Inh.: Wasser (ca. 70-80 %), Stärke (15-30 %), Proteine, Lipide, Vitamine, u.a. Vitamin C (bis ca. 50 mg pro 100 g Frischgewicht), Phenolcarbonsäuren, Lectine, Steroidalkaloide in Spuren. Anw.: in der Volksheilkunde wird der frische Saft bei hyperaciden Magenleiden zur Spasmolyse und zur Prophylaxe von Parodontopathien als Antacidum eingesetzt. Auch zur Behandlung der Arthritis kommt die Droge in Mexiko zur Anwendung.
Hom.: Solanum tuberosum aegrotans HAB 34; die getrockneten, durch Knollenfäule braunen Stellen der Kartoffel, verursacht durch Phytophthora infestans (Mont.). Inh.: durch die Infektion mit den Fadenpilzen kommt es zur verstärkten Bildung von Steroidalkaloidglykosiden und Phytoalexinen. Anw.-Geb.: Schleimhautentzündungen, Verdauungsschwäche, Rheuma, Aftervorfall.
Histor.: Solanum dulcamara wurde bereits von Dioskurides gemischt mit Wein als Schlafmittel verwendet, die Germanen nutzten die Pflanze gemeinsam mit Solanum nigrum als Narkotikum zur Behandlung des "Nachtschadens", einer durch nächtliche Alpdämone ausgelösten Krankheit. Der Bittersüße Nachtschatten galt außerdem als "Alfenkraut", man legte es Kindern gegen Verzauberung in die Wiege und hängte es dem Vieh gegen die "Hunsch" oder Engbrüstigkeit um den Hals. Im Mittelalter wurden seine Beeren als Amulett oder Talisman gegen üble Nachrede um den Hals getragen. Solanum dulcamara und S. nigrum gehörten zu den Bestandteilen von Hexensalben und -getränken. Im 16. und 17. Jh. wurde S. nigrum in Europa als Gemüsepflanze angebaut, wahrscheinlich standen damals alkaloidarme oder -freie Sippen zur Verfügung.



Solanum tuberosum, Kartoffel

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