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Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen: Strychnos-Arten

Strychnos-Arten

Fam.: Loganiaceae.

Strychnos castelnaei Wedd. (syn. Strychnos castelnaeana, S. urari-üva).
Vork.: Amazonasgebiete von Peru, Brasilien und Kolumbien.
Droge: wäßrige, eingedickte Extrakte der Pflanze (Curare). Inh.: bisquartäre Bis-indolalkaloide, u.a. C-Toxiferin I, C-Curarin und C-Calebassin (= C-Toxiferin II) (Toxiferine). Wirk.: muskelerschlaffend. Anw.: dimere Reinalkaloide als Muskelrelaxantien zur Narkosevorbereitung. Durch synthetische Präparate heute weitgehend ersetzt. In den Herkunftsgebieten als Pfeilgifte für Jagdzwecke (Drogen und Pfeilgifte der Indianermedizin).
Hom.: Curare HAB 34, der von den Indianern als Pfeilgift benutzte eingedickte Saft aus der Rinde. Anw.-Geb.: Lähmungen, Lähmigkeit, Krämpfe.

Strychnos ignatii Berg. (syn. Ignatia amara, I. philippinensis, Ignatiana philippinica, Strychnos balansae, S. beccarii, S. blay-hitam, S. cuspidata, S. hainanensis, S. krabiensis, S. lanceolaris, S. ovalifolia, S. philippensis, S. pseudo-tieuté, S. tieuté); Sankt Ignatiusbohne.
Vork.: Südostasien.
Droge: Ignatii semen (syn. Faba Febrifuga, Faba Indica, Faba Sancti Ignatii, Fabae St. Ignatii, Ignatia, Semen Ignatii); Ignatiusbohne (syn. Ignazbohne), die reifen Samen. Inh.: Alkaloide (2,5-5 %) mit Strychnin als Hauptalkaloid. Ferner Kaffeesäurederivate und Schleimstoffe. Anw.: zur Gewinnung von Strychnin. Volkstümlich früher in Zubereitungen als Tonikum bei Schwächezuständen und als Amarum.
Hom.: Strychnos ignatii HAB 1; Ignazbohne, die getrockneten, reifen Samen. Anw.-Geb.: als Konstitutionsmittel bei Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems, der oberen und unteren Atemwege, des Magen-Darm-Traktes, der weiblichen Geschlechtsorgane sowie bei spastischer Diathese, bei nervösen Störungen, Verstimmungszuständen, Krämpfen an Hohlorganen und Muskeln.

Strychnos nux-vomica L. (syn. Strychnos colubrina, S. lucida, S. spireana, S. vomica). Brechnußbaum (syn. Krähenaugenbaum, Strychninbaum).
Vork.: Pakistan, Indien, Südostasien.
Droge: Strychni semen (syn. Nux Metella, Nux vomica, Semen Nucis vomica, Semen Strychni); Brechnußsamen (syn. Krähenauge, Strychnossamen), die reifen, getrockneten Samen; vgl. Abbildung. Inh.: Alkaloide (2-3 %) mit Strychnin (1,1-1,5 %) und Brucin (ca. 1 %) vgl. Formel als Hauptalkaloide. Anw.: früher in Zubereitungen, z.B. der Tinktur, als Tonikum, appetitanregendes Mittel sowie bei Herz-Kreislauf-Beschwerden. Ferner als Ausgangsmaterial zur Gewinnung von Strychnin.
Hom.: 1. Strychnos nux-vomica HAB 1, die getrockneten, reifen Samen. Anw.-Geb.: u.a. fieberhafte Erkrankungen, Entzündungen des Magen-Darm-Kanals, Kreislaufbeschwerden, Nervenschmerzen, rheumatische Beschwerden, Muskelkrämpfe, Schlafstörungen, Verstimmungszustände. 2. Angostura spuria HAB 34, die getrocknete Rinde.
Histor.: Brechnußsamen hatten in den beiden großen medizinischen Systemen Indiens, der Ayurveda und Yunani, große Bedeutung, z.B. bei Appetitlosigkeit, Fieber und Muskelschwäche. Auch in der traditionellen chinesischen Medizin wurden Zubereitungen der Droge, hergestellt durch kurzes hohes Erhitzen, z.B. in heißem Sand, zur Förderung der Blutzirkulation und Schmerzlinderung eingesetzt. Der Gattungsname Strychnos wurde bei den griechischen Ärzten der Antike für verschiedene giftige Solanaceen genutzt. Mit der Überführung ins Lateinische wurde die Bezeichnung Nux vomica (nux, Nuß, der apfelähnlichen Beerenfrüchte wegen; vomica brechen) gewählt. Auch diese Bezeichnung ist wenig glücklich, da die Früchte weder Nüsse sind, noch die Droge ein Brechmittel darstellt. Die Bezeichnung Krähenauge ist auf das augenartige Aussehen der knopfartigen, sehr harten Samen zurückzuführen. vgl. Abbildung



Strychnos nux-vomica, Strychni semen, Brechnußsamen





Strychnos nux-vomica, blühender Sproß und Beere.

Strychnos potatorum L.f. (syn. Strychnos heterdoxa, S. stuhlmanii, S. tatankotta).
Vork.: Afrika, Madagaskar, eingebürgert in Indien, Sri Lanka, Pakistan, USA.
Droge: Strychni potatorum fructus, die unreifen oder reifen Früchte und Samen. Inh.: Alkaloide (0,1-3 %), v.a. Diabolin, Strychnin und Brucin. Anw.: in der Ayurveda-Medizin als Brechmittel bei Vergiftungen, Augenerkrankungen, Durst, Halluzinationen; die reifen Früchte auch bei Entzündungen, Gelbsucht, Anämie; volksheilkundlich weiterhin bei Erkrankungen der Nieren und Harnwege, zur Behandlung von Schlangenbissen und Furunkeln.

Strychnos pseudo-quina St. Hil. (syn. Geniostoma febrifugum).
Vork.: Zentralbrasilien, Paraguay.
Droge: Strychni pseudo-quinae cortex, die Stammrinde. Inh.: Alkaloide (ca. 6 %), wie Nordihydrotoxiferin. Anw.: in der Volksheilkunde bei fieberhaften Erkrankungen, Malaria, Erkrankungen der Leber, der Milz und des Magens.

Strychnos spinosa Lam. (syn. Brehmia spinosa, Strychnos buettneri, S. cardiophylla, S. carvalhoi, S. courteti, S. cuneifolia, S. djalonis, S. dulcis, S. emarginata, S. euryphylla, S. flacurtii, S. gilletii, S. gracillima, S. harmsii, S. laxa, S. leiosepala, S. lokua, S. melanocarpa, S. miniungansamba, S. omphalocarpa, S. pluvialis, S. radiosperma, S. rhombifolia, S. sansibariensis, S. scheinfurthii, S. spinosa, S. tonga, S. volkensii, S. vontac, S. vuntac); Natalorange.
Vork.: tropisches Afrika und Amerika, Anbau der alkaloidfreien Kulturform in Westafrika, Madagaskar und Südflorida als Obstbaum.
Drogen: 1. Strychni spinosae folium, die frischen oder getrockneten Blätter. Inh.: Alkaloide (0,065-0,09 %), v.a. Akagerin, Kribin und 10-Hydroxyakagerin. Anw.: in der Volksheilkunde bei Augenentzündungen, Malaria, Meningitis, Asthma, Trypanosomiasis; äußerlich bei Geschwüren. 2. Strychni spinosae fructus, die frischen Früchte. Inh.: Alkaloide (ca. 0,012 %); Lignane, wie Lirioresinol B und das Monoterpenlacton Stryspinolacton in den Samen. Anw.: in der Volksheilkunde wird das Mus der unreifen Früchte als Emetikum, bei Fieber und Schlangenbissen, zur Wundbehandlung und bei Wachstumsstörungen von Kindern verwendet. Die Früchte der alkaloidfreien Zuchtformen werden als Obst benutzt oder zu alkoholischen Getränken vergoren. 3. Strychni spinosae radix, die frische oder getrocknete Wurzel bzw. die Wurzelrinde. Inh.: Alkaloide (ca. 0,07 %). Anw.: in der Volksheilkunde bei Leibschmerzen, Durchfällen, Schlangenbissen, Potenzstörungen, Entzündungen und gegen Sandflöhe.

Strychnos toxifera Schom. ex Benth. (syn. Strychnos syntoxica).
Vork.: Südamerika, bes. Panama, Kolumbien, Venezuela, Guayana, Brasilien.
Droge: Curare. Inhaltsstoffe und Anwendung s. S. castelnaei.

Strychnos wallichiana Steud. ex DC. (syn. Strychnos bourdillonii, S. cinnamomifolia, S. colubrina, S. gaultheriana, S. javanensis, S. malaccensis, S. pierriana, S. rheedei, S. tubiflora).
Vork.: Südostasien.
Droge: Strychni wallichianae lignum (syn. Lignum Colubrinum); Schlangenholz), die ungeschälte Stamm- und Wurzelrinde. Inh.: Alkaloide (ca. 0,3 %), u.a. Strychnin. Anw.: in der traditionellen Medizin der Herkunftsgebiete bei Fieber, Malaria, Rheumatismus, Epilepsie und Hauterkrankungen.
Hom.: Strychnos gaultheriana (syn. Hoang-Nan) HAB 34; die getrocknete Rinde. Anw.-Geb.: bösartige Geschwülste.

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