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Lexikon der Chemie: Diuretika

Diuretika, Verbindungen, die durch direkten renalen Angriff die Harnausscheidung erhöhen. Mit der vermehrten Harnmenge werden ödembildende Salze ausgeschieden. D. finden sich in verschiedenen Stoffklassen und haben verschiedene Angriffspunkte. Man unterscheidet folgende Gruppen: 1) Osmodiuretika werden in hypertonischer Lösung injiziert und nehmen bei ihrer Ausscheidung eine größere Masse Lösungswasser mit. Die Elektrolytbilanz im Organismus wird kaum beeinflußt. Sie werden zur forcierten Diurese, bei Intoxikationen und bei Nierenversagen eingesetzt. Wichtige D. dieser Gruppe sind D-Sorbit (D-Glucitol) und D-Mannit. 2) Quecksilberdiuretika hemmen die Rückresorption der Natrium-Ionen in der Niere. Mit den erhöhten Natriummengen werden vermehrt Chlorid-Ionen und Wasser ausgeschieden. Aufgrund von Nebenwirkungen, auch bei den organischen Quecksilberverbindungen, sind sie aus der Therapie verdrängt. Wichtigstes Beispiel ist Mersalyl. 3) Carboanhydrasehemmer hemmen in der Niere das Enzym Carboanhydrase und damit die Bildung von Hydrogencarbonat-Ionen und Protonen aus Kohlendioxid und Wasser. Die Protonen werden gegen Natrium-Ionen ausgetauscht, die rückresorbiert werden. Die Hemmung des Enzyms führt damit zur vermehrten Ausscheidung von Alkali-, besonders von Natrium-Ionen, und damit von Wasser. Durch die Ausscheidung von Hydrogencarbonat wird die Alkalireserve herabgesetzt. Dadurch kommt es zu einer Blutazidose, durch die die Wirkung aufgehoben wird. Wichtigstes Beispiel ist Acetazolamid, das auch zur Glaukombehandlung eingesetzt wird. 4) Saluretika bewirken die Ausscheidung von Alkali- und Chlorid-Ionen zusammen mit Wasser. Viele dieser Verbindungen haben die Struktur von 7-Sulfamoyl-1,2,4-benzothiadiazin-1,1-dioxiden, die als Thiazide bezeichnet werden. Ein Beispiel ist Hydrochlorothiazid. Eine saluretische Wirkung zeigen auch Verbindungen, die keinen heterocyclischen Ring enthalten, z. B. Mefrusid und Furosemid. 5) Aldosteronantagonisten bewirken eine erhöhte Natriumelimination und Kaliumretention verbunden mit einer Wasserausscheidung. Sie werden eingesetzt, wenn vom Organismus zu viel Aldosteron gebildet wird und das Alkali-Ionen-Gleichgewicht dadurch gestört ist. Ein Beispiel ist Spironolacton.



Weitere D. finden sich unter heterocyclischen Verbindungen, z. B. vom Typ des Purins oder Pteridins, wie Theophyllin und Triamteren. Bei Triamteren werden weniger Kalium- als Natrium-Ionen ausgeschieden. Verbindungen mit diesem Wirkungsprofil werden deshalb als kaliumsparende D. bezeichnet.



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