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Körperdysmorphe Störung: Unterschätzte Schönheitssorgen

Kosmetisch arbeitende Ärzte unterschätzen womöglich den Anteil von Patienten mit einer körperdysmorphen Störung. Das ergab eine Umfrage des Psychologen Theo Bouman von der Universität Groningen. Die Betroffenen halten Teile ihres Äußeren, etwa ihre Haut oder ihre Nase, für außergewöhnlich hässlich und leiden sehr darunter.

Bouman und seine Kollegen hatten 173 niederländische Ärzte für plastische Chirurgie, Dermatologie und kosmetische Medizin befragt. Die meisten gaben zwar an, mit dem Krankheitsbild vertraut zu sein. Nur sieben Prozent jedoch sprechen ihre Patienten standardmäßig auf Probleme mit dem Körperbild an, zwei Drittel tun dies "gelegentlich". Fast ein Drittel der Befragten hatte noch nie einen Eingriff wegen des Verdachts auf psychische Nöte verweigert. Die Mehrheit berichtete, im zurückliegenden Jahr zwischen einer und fünf Personen mit körperdysmorpher Störung begegnet zu sein – das entspräche maximal einem Prozent der Interessenten. Frühere Untersuchungen hatten allerdings ergeben, dass rund zehn Prozent aller Kunden von Schönheitschirurgen Merkmale der Erkrankung aufweisen.

In Deutschland nimmt die Zahl der Schönheits-OPs, zu denen auch Botox-­Behandlungen oder das Aufspritzen von Falten gehören, stetig zu. Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen weist darauf hin, dass es zur Facharztausbildung gehöre, psychopathologische Faktoren zu berücksichtigen. Als Warnhinweise gelten zum Beispiel unrealistische Erwartungen der Patienten. Die körperdysmorphe Störung ist ein Ausschlusskriterium für invasive Prozeduren; die Betroffenen brauchen vielmehr eine psychologische Beratung oder Behandlung.

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  • Quellen
Plast. Reconstr. Surg. 139, S. 336–342, 2017