Direkt zum Inhalt

Gedächtnis: Warum wir vergessen

Nur wer vergisst, kann Unwichtiges von Wichtigem trennen, abstrakt denken und Probleme lösen. Darüber hinaus hilft der lange unterschätzte Mechanismus sogar beim Erinnern
Mann mit einem Fragezeichen auf der Stirn

Wer gibt schon gern zu, die Brille verlegt oder einen Termin verschwitzt zu haben? Auch unter Gedächtnisforschern gilt Vergessen als Gegenpol zum Erinnern, falls sie es überhaupt beachten. Dabei ist es weit mehr als nur eine Lücke im Gedächtnis – es ist ein integraler Bestandteil davon. Was wir uns merken, erleben oder für die Zukunft planen, hängt nicht nur von unseren vorhandenen Erinnerungen ab, sondern auch von all dem, was wir nicht mehr wissen. Die Situation gleicht einer Marmorskulptur, die gerade erst durch das entfernte Gestein entsteht.

Da unser Leben aus fortlaufenden Veränderungen besteht, ist es ganz entscheidend für unser Gehirn, zu vergessen. Um uns an wandelnde Umweltbedingungen anzupassen, müssen wir sowohl Neues lernen als auch bereits Gelerntes wieder verlernen (also vergessen) sowie umlernen. Das lässt sich gut anhand der Wahrnehmung verdeutlichen: Wir müssen das, was wir sehen, fühlen, hören, schmecken oder riechen, zwar kurz im Gedächtnis behalten, allerdings nur so lange, bis der nächste Sinneseindruck ankommt ...

Kennen Sie schon …

Gehirn&Geist – Das Gehirn im Halbschlaf: Wie lokaler Schlaf unser Lernen unterstützt

Unser Gehirn schaltet selbst im Schlaf nicht vollständig ab, immer wieder sind einzelne Hirnareale aktiv. Umgekehrt ist es im Tagesverlauf: Stark beanspruchte Bereiche legen immer wieder kurze Pausen ein und fahren ihre Aktivität herunter. Was Forscherteams über die Strategien des Gehirns im Halbschlaf herausgefunden haben, lesen Sie in dieser Ausgabe. Außerdem gehen wir der Frage nach, ob das Spurenelement Lithium tatsächlich bei verschiedensten körperlichen und psychischen Leiden helfen kann. Wir berichten darüber, wie Feinstaub das Gehirn angreift und belastet, warum Bildungsreformen in Deutschland immer wieder scheitern, und starten eine neue Serie zum Thema »Neuroprothesen« – mit einem Auftaktartikel über ein Hightech-Sprachrohr fürs Gehirn.

Spektrum Dossier – Die Macht der Gene

Was vererbt wurde, kann ein ganzes Leben beeinflussen. Trotzdem hängt unser Schicksal nicht nur von Genen ab. »Spektrum Dossier: Die Macht der Gene« zeigt, was unsere Gesichtszüge beeinflusst, welche genetische Vielfalt Autismus zugrunde liegt und dass Musikalität mehr als nur Veranlagung ist.

Spektrum - Die Woche – DeepSeek erschüttert erneut die KI-Welt

»Die Woche« analysiert, wie das KI‑Modell DeepSeek die globale KI‑Landschaft verändert. Zudem: Warum die körperliche Fitness von Kindern und Jugendlichen seit Corona sinkt, weshalb Alltagsgespräche seltener werden und wie neue Verfahren der Quantenfehlerkorrektur Quantencomputer voranbringen.

  • Literaturtipps und Quellen

Literaturtipps

Draaisma, D.: Das Buch des Vergessens: Warum Träume so schnell verloren gehen und Erinnerungen sich ständig verändern. Galiani Berlin, Köln 2013

Der niederländische Gedächtnisforscher berichtet über die Vor- und Nachteile des Vergessens.

Korte, M.: Wir sind Gedächtnis: Wie unsere Erinnerungen bestimmen, wer wir sind. DVA, München 2017

Wie Erinnerungen unser Leben prägen, schildert der Neurobiologe in seinem Buch.

Quellen

Kroes, M. C. et al.: Translational Approaches Targeting Reconsolidation . In: Current Topics in Behavioral Neurosciences 28, S. 197–230, 2016

Licznerski, P. et al.: Decreased SGK1 Expression and Function Contributes to Bhavioral Deficits Induced by Traumatic Stress. In: PLoS Biology 13, e1002282, 2015

McLaughlin, K. A. et al.: Amygdala Response to Negative Stimuli Predicts PTSD Symptom Onset Following a Terrorist Attack. In: Depression and Anxiety 31, S. 834–842, 2014

Nader K., Schafe G. E., Le Doux J. E.: Fear Memories Require Protein Synthesis in the Amygdala for Reconsolidation After Retrieval. In: Nature 406, S. 722–726, 2000

Sajikumar, S. et al.: Competition between Recently Potentiated Synaptic Inputs Reveals a Winner-Take-All Phase of Synaptic Tagging and Capture. In: PNAS 111, S. 12217–12221, 2014

Schiller, D. et al.: Preventing the Return of Fear in Humans using Reconsolidation Update Mechanisms. In: Nature 463, S. 49-53, 2010

Schiller, D. et al.: Extinction during Reconsolidation of Threat Memory Diminishes Prefrontal Cortex Involvement. In: PNAS 110(50), S. 20040-20045, 2013

Schiller, D. et al.: From Fear to Safety and Back: Reversal of Fear in the Human Brain. In: Journal of Neuroscience 28 (45), S. 11517-11525, 2008

Schreiben Sie uns!

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Zuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmende sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Zuschriften können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.