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Krebserkrankungen: Altes chinesisches Malariamittel als neue Waffe gegen Brustkrebs?

Artemisinin könnte zu einer neuen Strategie im Kampf gegen Brustkrebs führen. Dies berichten Forscher der Universität von Washington nach Tierversuchen mit dem alten chinesischen Heilmittel, das aus den Blättern des Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) gewonnen und im Reich der Mitte seit zwei Jahrtausenden gegen Malaria und Fieberschübe eingesetzt wird. Sie bestätigen damit frühere Ergebnisse an Zellkulturen.

Wie das Team um Henry Lai bei Versuchen mit Ratten beobachtete, kann Artemisinin den Krebs stoppen, bevor er erst richtig ausbricht. Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass Artemisinin-Pillen selektiv auf Krebszellen toxisch wirken. Nach Meinung der Forscher sind dieselben Eigenschaften, die diesen Wirkstoff so wirksam gegen Malaria machen, auch für seine Schlagkraft gegen Tumorzellen verantwortlich: Wenn Artemisinin auf Eisen trifft, kommt es zu einer chemischen Reaktion, bei der freie Radikale entstehen. Für Malariaparasiten ist dieser Wirkstoff so fatal, weil sie das Eisen der von ihnen vereinnahmten Blutzellen nicht ausscheiden können – mit dem das Artemisinin dann reagiert. Die gebildeten freien Radikale zerstören dann die Zellmembran und andere Zellstrukturen.

Dieser Effekt könnte bei Krebszellen genauso ablaufen, vermuten die Forscher. Denn auch Krebszellen brauchen viel Eisen, um ihre DNA bei der Zellteilung so schnell zu replizieren. Außerdem ist die Anzahl Eisen bindender Transferrin-Rezeptoren auf ihrer Oberfläche wesentlich höher als im normalen Gewebe. Dadurch werden diese Zellen schon sehr früh zum Ziel von Artemisinin. Als nächstes wollen die Forscher herausfinden, ob das Mittel nur bei Brustkrebs wirkt oder auch bei anderen Krebsarten.
22.12.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 22.12.2005

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