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Artensterben: Hälfte aller Vogelarten weltweit mit Bestandsrückgang

Dass es der Natur schlecht geht, ist bekannt. In welchen Dimensionen dies passiert, zeigt ein Blick auf die Vogelwelt.
Toter Erlenzeisig nach Kollision mit einem Fenster

Auf der Erde existieren rund 11 000 Vogelarten. Und fast die Hälfte davon leidet unter teils sehr starken Bestandseinbußen. Nur sechs Prozent aller Vogelspezies nimmt dagegen an Zahl zu. Das ist das erschreckende Ergebnis einer globalen Studie von Alexander Lees von der Manchester Metropolitan University und seinem Team im »Annual Review of Environment and Resources«. Besonders betroffen sind Vögel, die in den Tropen, Gebirgen und in den Polarregionen leben, schreibt die Arbeitsgruppe.

»Wir erleben jetzt die ersten Anzeichen einer neuen Welle des Aussterbens von kontinental verbreiteten Vogelarten«, sagt Lees: Frühere Aussterbeereignisse betrafen vor allem Inselarten, doch die großflächige Zerstörung von Naturlandschaften gerade in den Tropen sorgt mittlerweile auch hier für die Auslöschung von Arten. In Brasilien etwa sind seit der Jahrtausendwende mindestens drei Arten verschwunden. Viele früher sehr häufige Vogelspezies sind zudem im Bestand teils dramatisch eingebrochen. Weidenammern zum Beispiel galten noch vor wenigen Jahrzehnten als Allerweltsvögel in Teilen Asiens, doch wurden sie größtenteils aufgegessen.

Betroffen sind auch Nordamerika und Europa: Beide Kontinente verloren ebenfalls in den letzten Jahrzehnten Milliarden Vögel. Die Ursache hier ist zumeist intensive Landwirtschaft, die den Tieren Lebensraum und Nahrung nimmt. Ein ähnliches Muster zeichnet sich in den Tropen ab. »Die Vogelvielfalt erreicht in den Tropen weltweit ihren Höhepunkt, und dort ist auch die Zahl der bedrohten Arten am höchsten«, sagt Lees.

Lebensraumzerstörung, industrielle Landwirtschaft und Überjagung sind die Hauptursachen, aber der Klimawandel spielt zunehmend ebenfalls eine Rolle. Das gilt vor allem für Arten in den polaren Breiten und im Hochgebirge, wo die Erderwärmung am stärksten voranschreitet und zu verkleinerten Lebensräumen führt. Die Tropen scheinen genauso betroffen zu sein, wie sich in Costa Rica andeutet. Dort hat die Regenwaldfläche inzwischen wieder zugenommen, aber die Zahl der Vögel ist geschrumpft – womöglich aus Nahrungsmangel: Steigende Temperaturen und sich verschiebende Regen- und Trockenzeiten machen dort heimischen Insekten das Leben schwer – und damit auch den Vögeln.

Erschwert wird die Bestandsaufnahme aber gerade in den artenreichsten Regionen, weil systematische Erfassungen dort fehlen oder kürzere Zeiträume umfassen als in den gemäßigten Breiten. Da Vögel jedoch die am besten untersuchte Tiergruppe weltweit sind, existieren dennoch für viele Arten ausreichend Daten, um einigermaßen gesicherte Aussagen über Bestandstrends zu geben. Und diese beunruhigen Lees und Co: »Unsere Schätzungen deuten auf eine effektive Gesamtaussterberate, die sechsmal höher liegen könnte als die Rate des Aussterbens von Vogelarten seit 1500«, schreibt die Gruppe.

Sie mahnen daher, endlich ernst zu machen mit dem Schutz von Lebensräumen. »Das Schicksal von Vogelpopulationen hängt stark davon ab, dass wir den Verlust und die Verschlechterung von Lebensräumen stoppen«, sagt Lees. Dass es gelingen könne, negative Bestandstrends umzukehren, schreiben Lees und Co ebenfalls: Die Wiederherstellung und der bessere Schutz von Feuchtgebieten wie Tieren habe in Nordamerika und Europa dafür gesorgt, dass die Zahl an Wasservögeln wieder stark zugenommen hat. Bislang sind diese Fälle aber eher die Ausnahme.

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