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Britische Corona-Variante: B.1.1.7 verursacht nicht häufiger schwere Verläufe

Die auch in Deutschland nachgewiesene neue Variante verursacht wohl nicht öfter schwere Verläufe. Die neuen Daten stützen aber ebenfalls eine schnellere Verbreitung.
Auf der IntensivstationLaden...

Eine Kohortenstudie an 1769 mit der neuen, in Großbritannien aufgetauchten Variante von Sars-CoV-2 infizierten Personen legt nahe, dass schwere Erkrankungen dabei nicht häufiger auftreten. Tatsächlich mussten von den mit B.1.1.7 infizierten Personen nur 0,9 Prozent ins Krankenhaus, während es in einer passend zusammengestellten Vergleichsgruppe mit dem »normalen« Pandemievirus insgesamt 1,5 Prozent waren. Allerdings sind die Ergebnisse noch nicht statistisch signifikant. So kann man daraus noch nicht schließen, dass die neue Virenlinie weniger Menschen ins Krankenhaus bringt.

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Auch in der Sterblichkeit zeigte sich kein bedeutsamer Unterschied. Allerdings steckten sich mit der neuen Variante des Virus etwa 15 Prozent aller Kontaktpersonen der Infizierten an, während es beim klassischen Pandemievirus nur 9,8 Prozent waren. Die Daten stammen aus einem aktuellen technischen Bericht der britischen Regierung; die Analyse sei bisher nur vorläufig, heißt es dort. Nicht zuletzt besteht die Möglichkeit, dass Krankenhauseinweisungen und Todesfälle in den betrachteten Gruppen noch nicht vollständig gemeldet wurden.

Auch in Deutschland kursiert das neue Virus wohl schon seit November. Fachleute der Medizinischen Hochschule Hannover identifizierten den Erreger bei einem Ehepaar in Niedersachsen, die bereits Ende November erkrankt waren. Vermutlich habe die Tochter des Mannes sich im November in England mit dem Virus angesteckt, heißt es in der Pressemitteilung. Erste Erkenntnisse, ob die aktuellen Impfstoffe auch gegen die neue Variante wirken, werden in den nächsten ein bis zwei Wochen erwartet.

Die Variante B.1.1.7 hat mehrere Mutationen angesammelt, darunter auch im Spike-Protein, durch die es sich wohl besser verbreitet. Für die Folgen der Pandemie ist die mutmaßlich schnellere Verbreitung viel bedeutsamer als mögliche Unterschiede bei den schweren Verläufen. Selbst wenn bei der neuen Virusvariante ein deutlich geringerer Anteil der Infizierten ins Krankenhaus müsste, würden sich viel mehr Menschen in der gleichen Zeit anstecken, so dass die große Zahl der Betroffenen den Vorteil wieder wettmacht.

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