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Covid-19-Pandemie: Corona-Lockdown bremste die Klimaerwärmung nur minimal

Im Frühjahr 2020 stand das Leben in vielen Städten still. Der Lockdown sorgte vielerorts für weniger Luftverschmutzung. Doch der Effekt wird nicht lange halten.
Berlin im März 2020Laden...

Im Februar und März 2020 zeigten Satellitenbilder, dass sich der Smog über vielen Städten Chinas und Europas lichtete. Als Ursache gelten die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie – Ausgangssperren und -verbote ließen das öffentliche Leben vielerorts weitgehend stillstehen. Nun haben Forscher um Piers Forster von der University of Leeds überprüft, welche Langzeiteffekte sich durch diese Unterbrechung im Ausstoß von Treibhausgasen und Luftschadstoffen ergeben haben. Im Fachmagazin »Nature Climate Change« schreibt die Wissenschaftlergruppe, dass der Rückgang ziemlich unerheblich für das Fortschreiten des Klimawandels sein wird. Bis zum Jahr 2030 seien es nur 0,01 Grad Celsius weniger.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unserer FAQ. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Ein neues Coronavirus verändert die Welt«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Für ihre Studie werteten die Forscher Mobilitätsberichte von Google und die Mobilitätstrends von Apple aus, die online verfügbar sind. Daraus berechneten sie den Ausstoß von zehn Treibhausgasen und Luftschadstoffen im Zeitraum von Februar bis Juni 2020. Im Speziellen betrachteten sie die Situation in 123 verschiedenen Ländern, die für 99 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen verantwortlich seien. Die Daten würden laut der Forscher auch Satellitenbilder und Messstationen wiedergeben.

Das Ergebnis lautete: Zwar sei die Menge an CO2 und Stickoxiden im April weltweit zwischen 10 bis 30 Prozent gesunken, was für eine kurzzeitige Abkühlung gesorgt hätte. Die würde sich aber langfristig kaum bemerkbar machen. Auch weil der verringerte globale Ausstoß anderer Stoffe wie Schwefeldioxid (SO2) einen gegenteiligen Effekt zur Folge hatte. Denn aus den Schwefelemissionen entstehen in der Atmosphäre Luftschwebstoffe, die zu einer Kühlung beitragen, indem sie Sonnenstrahlen reflektieren. Ihr Fehlen hätte wiederum zu einer gewissen Erwärmung geführt.

Damit hätte der Lockdown im Frühjahr kaum dauerhafte Folgen für den Klimawandel – weder positive noch negative. Laut der Forscher würde der kurzzeitige Effekt aber klar zeigen, dass die Länder endlich eine nachhaltige Klimastrategie entwickeln müssten. Die Corona-Pandemie würde dazu einen guten Anlass bieten. Piers Forster: »Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, wären die Chance, um eine weitere Erwärmung um 0,3 Grad Celsius bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zu vermeiden.«

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