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Melanismus: Die Geschichte hinter Afrikas schwarzem Panther

Afrikas »erster« schwarzer Leopard seit 100 Jahren? Die Bilder sind tatsächlich eindrucksvoll. Aber die Geschichte dahinter ist komplexer - und auch weniger dramatisch.
Schwarzer Panther (Symbolbild)Laden...

Die Bilder sind in der Tat beeindruckend: Will Burrard-Lucas fotografierte mit Hilfe einer hochauflösenden Kamerafalle einen schwarzen Leoparden in Kenias Laikipia Wilderness im Zentrum des Landes und berichtete auf seinem Blog darüber. Rasch gingen die Aufnahmen des mystischen Wesens um den Planeten, zeigen sie doch die ganze Eleganz und Schönheit dieser Raubkatzen. Doch dann ging in der Berichterstattung manches schief. In sehr vielen Medien konnte man lesen, dass dies der erste Nachweis eines schwarzen Panthers in Afrika seit über 100 Jahren sei – oder zumindest das erste Bild seit 1909. Mehrfach konnte man auch lesen, dass diese »Art« zumindest in Afrika vom Aussterben bedroht sei.

Tatsächlich sind schwarze Panther keine eigenständige Spezies, sondern eine melanistische Spielart des weit verbreiteten Leoparden (Panthera pardus), der in verschiedenen Unterarten in Afrika und Asien vorkommt. Der Melanismus wird durch ein bestimmtes Gen vererbt, das normalerweise durch ein dominantes Gen unterdrückt wird, das wiederum die übliche Gelbfärbung des Fells verursacht. Schwarze Leoparden können dann geboren werden, wenn sich zwei Alttiere verpaaren, die beide das rezessive Gen für den Melanismus tragen und dieses weitergeben. In Afrika scheint dies sehr selten vorzukommen, in Südostasien tritt es dagegen deutlich häufiger auf. Vermutet werden Zusammenhänge mit dem Lebensraum der Tiere: Im dichten Regenwald bringt die Schwarzfärbung womöglich Vorteile beim Jagen, weil die Katzen im dunklen Unterholz mit der Umgebung verschmelzen. In Afrikas Savannen hingegen bietet das helle Fell mit den dunklen Rosetten den optimalen Kontrast zur Vegetation: Schwarze Panther hätten hier also keinen Selektionsvorteil.

Es ist daher nicht richtig, davon zu sprechen, dass die schwarzen Panther hier vom Aussterben bedroht sind: Es geht zum einen um keine eigenständige Spezies, denn Leoparden sind trotz starker Bestandsrückgänge immer noch die häufigste Großkatzenart in Afrika – mit einer geschätzten Anzahl von mehreren hunderttausend Tieren. Und zum anderen gab es hier schlicht von Natur aus kaum melanistische Exemplare.

In der Zwischenzeit wurde – ausgelöst durch das weltweite Medienecho – auch widerlegt, dass es sich um das »erste Bild eines schwarzen Panthers in Afrika seit über 100 Jahren« handelt. Wie die »Washington Post« berichtet, wurde bereits 2013 in der Laikipia Wilderness ein schwarzer Panther fotografiert. Und »National Geographic« liegen sogar Belege vor, dass 2007 ein melanistischer Leopard in Kenia fotografiert wurde. Die dunklen Raubkatzen sind also doch etwas gängiger, als die Berichte nun vermuten lassen. Auch der Fotograf Will Burrard-Lucas schränkt auf seinem Blog ein, dass er nicht den Eindruck erwecken möchte, seine Aufnahmen wären die ersten seit 1909: Vielmehr handle es sich um die ersten scharfen Fotofallenbilder eines melanistischen Leoparden.

Das Missverständnis gehe demnach auf ein falsch interpretiertes Zitat eines Wissenschaftlers des San Diego Zoos zurück: Dieser habe von der ersten wissenschaftlichen Dokumentation eines derartigen schwarzen Panthers in Afrika seit 1909 gesprochen, die im »African Journal of Ecology« publiziert wurde. In der Geschichte ging leider ebenfalls etwas unter, welche wichtige Rolle der Samburu Letolua Ambose gespielt hat. Der Wildtierökologe stammt aus der Region und ging als erster Wissenschaftler den lokalen Berichten über einen schwarzen Panther nach. Seine Kamerafallen dokumentierten das Tier zuerst, und anschließend führte er Burrard-Lucas (der ihm in seinem Blog auch entsprechend dankt und ihn würdigt) an die richtige Stelle, damit dieser seine Geräte hier installieren konnte.

Nachtrag: Wie der »New Scientist« berichtet, stammte der schwarze Leopard, der 2007 fotografiert wurde, ursprünglich aus New York. Er wurde dort in einem Tiergeschäft gefunden und nach Kenia gebracht.

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