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Fälschung: Dieses Fossil ist keine Spinne

Der Fund schien spektakulär: Forscher wollten eine der größten bekannten Urzeitspinnen entdeckt haben. Dabei hat sich bloß jemand mit Pinsel und Farbe auf einem Stein ausgetobt.
Dies ist keine Spinne. Es ist allerdings auch kein Surrealismus, sondern einfach eine gut gemachte Fälschung, die aussieht wie das Fossil einer Spinne.Laden...

Sie war etwa 125 Millionen Jahre alt und galt als eine der größten Urzeitspinnen, die man bisher gefunden hatte. Doch nicht lange nachdem eine Arbeitsgruppe die neue Art Mongolarachne chaoyangensis offiziell in der Zeitschrift »Acta Geologica Sinica« vorgestellt hat, verschwindet die Art wieder aus den Nachschlagewerken. Der vermeintliche Achtbeiner entpuppte sich nämlich als Fälschung. Das berichtet nun ein Team um Paul Selden von der University of Kansas in einer ausführlichen Veröffentlichung in der Zeitschrift »Palaeoentomology«. In Wirklichkeit sei das Fossil ein schlecht erhaltener Krebs, dem jemand – durchaus geschickt – mit Pinsel und Farbe Spinnenbeine verpasst hatte.

Chinesische Fachleute waren allerdings von Anfang an skeptisch, denn die Veröffentlichung über den Fund und seinen brandneuen Namen enthielt nur spärliche Details. Zudem sieht die angebliche Spinne bei näherer Betrachtung merkwürdig aus. Sie baten Selden, einen Spezialisten für fossile Spinnen, sich das Fossil anzusehen – und der bestätigte, dass es sich nicht um eine Spinne handelt. Typische anatomische Merkmale von Spinnen fehlen dem Fossil einfach. Wie Selden allerdings erklärt, war die Fälschung immerhin so gut gemacht, dass ihn erst der Tipp eines Kollegen auf die richtige Spur brachte: Die Schicht, aus der das Fossil stammte, ist reich an Krebsfossilien.

Tatsächlich steckt im Herzen der Fälschung ein durchaus echter, 125 Millionen Jahre alter Krebspanzer. Der aber ist nicht selten oder wertvoll. Auf welche Weise ein geschickter Fälscher den Allerweltsfund zu einer Besonderheit machte, enthüllte schließlich das Fluoreszenzmikroskop. Das nämlich lässt unterschiedliche Materialien in verschiedenen Farben aufleuchten; es enthüllte neben dem lädierten Fossil auch geschickt mit Zement ausgebesserte Schäden – und dass die beiden langen, am spinnenartigsten aussehenden »Beinpaare« schlicht mit Ölfarbe auf den Stein gemalt sind.

01/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 01/2020

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