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Interstellarer Asteroid: Ein Asteroid mit Migrationshintergrund?

Der Asteroid 2015 BZ509 stammt womöglich nicht aus dem Sonnensystem, sondern wurde vor sehr langer Zeit aus einem benachbarten Sternsystem eingefangen. Er umrundet die Sonne entgegen dem Umlaufsinn der großen Planeten und teilt sich die Umlaufbahn mit dem Riesenplaneten Jupiter.
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Vor rund einem halben Jahr erregte ein rund 400 Meter großer Himmelskörper große Aufmerksamkeit bei den Astronomen und in der Öffentlichkeit, denn es handelte sich um das erste Objekt mit eindeutig interstellarem Ursprung. 1I/'Oumuamua befand sich jedoch auf einem rasenden Durchflug durch unser Sonnensystem und ist bereits wieder in den Tiefen des Weltalls verschwunden. Nun aber hat eine Forschergruppe um Fathi Namouni vom französischen Observatoire de la Cote d'Azur in Nizza mittels aufwändiger Computersimulationen festgestellt, dass der im Umlauf um die Sonne befindliche Asteroid 2015 BZ509 ebenfalls einen extrasolaren Ursprung haben muss. Damit wäre er der erste Kleinplanet mit Migrationshintergrund, allerdings gehört er unserem Sonnensystem schon sehr lange an.

Der Asteroid 2015 BZ509 in Aufnahmen des Large Binocular Telescope
Der Asteroid 2015 BZ509 | Wie mit dem Large Binocular Telescope in Arizona festgestellt wurde, umläuft der Asteroid 2015 BZ509 die Sonne auf einer Bahn, die dem Umlaufsinn der großen Planeten entgegengerichtet ist. Die Bilder sind als Negative wiedergegeben, helle Objekte erscheinen also schwarz.

Der kleine Himmelskörper hat eine Reihe ungewöhnlicher Eigenschaften, die schon bei der Entdeckung im Jahr 2015 auffielen. 2015 BZ509 teilt sich die Umlaufbahn mit dem Riesenplaneten Jupiter und bewegt sich entgegen dessen Umlaufrichtung um die Sonne. Eine so genannte 1:1-Resonanz sorgt dafür, dass der Asteroid nicht auf den Jupiter prallt. Die Umlaufbahn ist exzentrisch und deutlich gegen die Umlaufebene von Jupiter geneigt. Somit kommt 2015 BZ509 dem Jupiter nie näher als 176 Millionen Kilometer, was dem 1,2-fachen Abstand Erde-Sonne entspricht. Wegen seiner exzentrischen Umlaufbahn passiert der Asteroid dabei Jupiter je einmal außen und einmal innen. Jupiters Schwerkraft zieht ihn dabei jedes Mal leicht in die entgegengesetzte Richtung. In der Summe über je zwei Begegnungen löscht sich die Wirkung der Schwerkraft also quasi selbst aus und hält den Asteroiden auf einer stabilen Umlaufbahn – trotz seiner Rückläufigkeit.

Die Computersimulationen des Teams um Namouni gehen bis in die Entstehungszeit unseres Sonnensystems vor rund 4,5 Milliarden Jahren zurück und zeigen, dass sich der Asteroid schon seit der Entstehung des Sonnensystems auf dieser Bahn bewegt haben muss und nicht durch relativ nahe Vorbeiflüge an Jupiter umgelenkt wurde. Er kann somit nur durch einen Einfang aus einem anderen Sternsystem auf seine Bahn gelangt sein. Die Sonne entstand seinerzeit nicht allein, sondern war Teil eines dicht gepackten Sternhaufens, dessen Mitglieder sich annähernd gleichzeitig in einer kollabierenden interstellaren Wolke aus Gas und Staub bildeten. Durch die damals recht geringen Abstände der Sterne untereinander konnten Himmelskörper relativ einfach von einer Sonne zur anderen wechseln und von deren Schwerkraft eingefangen werden.

21/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 21/2018

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