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Zoologie: Großes Kurzschnauzen-Krokodil jagte einst Dinosaurier

Ein amerikanisches Forscherteam entdeckte in Patagonien das Fossil eines bislang unbekannten Krokodilverwandten aus der Jurazeit. Der Fund, Dakosaurus andiniensis, gehört zu einem ungewöhnlichen Seitenzweig der Reptilien, der offenbar mit seiner kurzen Schnauze vor 140 Millionen Jahren auf größere Beutetiere in den Meeren spezialisiert war.

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Dakosaurus andiniensis als Fossil und künstlerisch animiert | Der Schädel von Dakosaurus andiniensis im fossilen Orginal (links) und wie er im wahren Leben ausgesehen haben könnte. Das Tier hatte eine für marine Krokodilartige seiner Zeit sehr kurze Schnauze mit wenigen, gezackten Zähnen. Flinke und kleine Beutetiere wie Fische konnte der Gigant damit wohl kaum erwischen. Offenbar hat eine Spezialisierung auf große Beute zur Ausbildung der ungewöhnlichen Merkmalskombination geführt.
Anders als die modernen Krokodile lebte das Tier ständig im Wasser und besaß Flossen anstelle der Beine, berichten die Wissenschaftler um Zulma Gasparini von der staatlichen Universität von La Plata in Argentinien. Während alle bislang bekannten Exemplare der zu Zeiten von Dakosaurus im Meer verbreiteten Krokodilartigen lang gezogene Schnauzen sowie nadelspitze Zähne hatten, mit denen sie Schnecken und Fische erbeuteten, besitzt das nun gefundene Exemplar große, gezackte Zähne und die Schädelform eines Dinosauriers. Wahrscheinlich jagte das bis zu vier Meter lange Tier große marine Wirbeltiere wie Ichthyosaurus.

Die verwandtschaftliche Stellung des ungewöhnlichen Fossils konnte erst mit Hilfe einer Computeranalyse der Knochenmerkmale bestimmt werden. Die Form der Nasenlöcher, Augenhöhlen, anderer Schädelpartien und einer charakteristischen Kieferlinie belegte, dass Dakosaurus tatsächlich mit eher kleineren Krokodilspezies des Jura eng verwandt ist. Offenbar war die Bandbreite der frühen Krokodilformen auch im Meer größer als bislang vermutet, so die Wissenschaftler.

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Zulma Gasparini und das Riesenkrokodil | Vor 135 Millionen Jahren hätte sich besser niemand dem Schädel von Dakosaurus andiniensis derart genähert. Die Forscherin Zulma Gasparini und ihr Team entdeckten den Schädel in Patagonien.
Krokodile begannen sich gegen Ende des Perms zu entwickeln und lebten ursprünglich an Land. Erst im Jura begannen einige Krokodilverwandte in die Ozeane zu gehen und teilweise Flossen zu bilden, spezialisierten sich aber meist mit langen Schnauzen auf kleinere Fische. Daneben entstanden auch landlebende, dinosaurierähnliche Gruppen mit gezackten Zähnen. Die Kombination eines marinen Großjägers mit Dinosaurierzähnen wie bei Dakosaurus war bislang allerdings noch nicht beschrieben worden.

Viele der im Erdmittelalter noch vielfältigen frühen Krokodilgruppen starben aus. Vorläufer der heute lebenden Arten ist eine Gruppe von wahrscheinlich amphibisch lebenden Tieren, die erst im späten Jura entstand. Die Abkömmlinge dieser Gruppe wurden dann im Laufe der Kreidezeit zu der dominierenden Krokodilform. Heute leben mit den Gavialen, Alligatoren und Echten Krokodilen noch drei Familien.
12.11.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 12.11.2005

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