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Therapieforschung: Im Clinch mit dem Klienten

Wenn Therapeuten zur rechten Zeit konfrontativ vorgehen, steigert das auf lange Sicht den Behandlungserfolg.
Ein Psychotherapeut behandelt eine junge Patientin.

Mitunter stoßen Psychotherapeuten ihre Klienten bewusst vor den Kopf, etwa indem sie sie auf Widersprüche in ihren Aussagen hinweisen oder ihre Bewertung von Erlebnissen hinterfragen. Doch wie sinnvoll ist so eine dosierte Konfrontation? Das untersuchte ein Psychologenteam um Laura Möseneder von der Universität Bern. Die Forscher analysierten Videoaufnahmen von jeweils zwei Sitzungen aus insgesamt 77 Therapien. Die Behandler arbeiteten alle verhaltenstherapeutisch, die Patienten waren meist wegen Depression, Angst- oder Anpassungsstörungen in die Ambulanz der Universität gekommen.

Dabei zeigte sich, dass die Therapeuten vor allem dann in die Offensive gingen, wenn es ein konkretes Problem zu lösen gab. Kurzfristig gingen solche Manöver häufig mit so genannten Beziehungsbrüchen einher: Die Klienten zogen sich etwa zurück und wurden wortkarg oder sie attackierten den Behandelnden ihrerseits verbal.

Wie eine Auswertung der Abschlussuntersuchungen ergab, waren Therapeuten, die bei Lösungsversuchen mitunter konfrontativ vorgegangen waren, im Schnitt erfolgreicher als Kollegen, die diese Technik nicht eingesetzt hatten. Auch wenn offene Kritik kurzfristig unangenehm für die Patienten sei und die Beziehungsqualität vorübergehend beeinträchtige, sei sie in manchen Situationen durchaus sinnvoll, schlussfolgern die Forscher.

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