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Vorfahren der Indianer: Kennewick-Mann ist näher mit heutigen Indianern verwandt als gedacht

Paläogenetische Analysen entlarven den berühmten Kennewick-Mann als nahen Verwandten der heute in seiner Heimat lebenden Stämme. Das klingt naheliegend, galt aber lange als falsch.
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Mit Hilfe der rasanten Fortschritte in der Paläogenetik ist es dem Expertenteam um Eske Willerslev nun gelungen, nach dem Genom eines Clovis-Indianers auch das Erbgut des berühmten Kennewick-Manns zu analysieren. Dieser bekannteste aller Paläoindianer hatte vor wohl knapp 9000 Jahren in Nordamerika gelebt; seine Überreste waren 1996 entdeckt worden. Daran hatte sich ein juristischer und wissenschaftlicher Aufruhr angeschlossen: Die heute lebenden Indianervertreter hatten ihn als Angehörigen bestatten und weitere Untersuchungen unterbinden wollen, unterlagen vor Gericht. Forscher hatten dagegen nach forensischen Analysen vermutet, dass der alte Amerikaner – und damit die ersten Einwanderer – eben nicht direkte Vorfahren der heute lebenden amerikanischen "First-Nations"-Vertreter sind. Diese Indizienvermutung blieb umstritten und wird durch die neuen Erbgutanalysen nun widerlegt.

Tatsächlich zeigen die Genvergleiche sogar, dass der Kennewick-Mann ein recht naher, womöglich sogar direkter Vorfahre der heute noch im Fundgebiet des US-Bundesstaats Washington lebenden Menschen vom Stamm der Colville sein könnte. Seine Gensignaturen ähneln diesen jedenfalls viel mehr als allen anderen zum Vergleich herangezogenen, etwa denen von heutigen Polynesiern oder Japanern. Zuvor hatte man vermutet, dass frühe Einwanderer aus Asien – zu der die Linie des Kennewick-Manns gehört haben könnte – Vorfahren in Japan oder Polynesien hatten. Dafür hatte die beim Kennewick-Mann und weiteren Funden erfolgte Modellierung von Gesichtszügen gesprochen, die ein schmales Antlitz mit auseinanderstehenden Augen, einen vorspringenden Kiefer und eine niedrige, flache Nase zeigen. Dieses Aussehen ist für heutige Asiaten viel typischer als für die heute lebenden amerikanischen Ureinwohner.

Die Analysen belegen nun aber, dass Kennewick-Mann und Colville-Indianer – die freiwillig DNA zur Analyse gespendet hatten – vielleicht noch rund 700 Jahre vor dem Tod des Mannes einen gemeinsamen Vorfahren gehabt hatten. Der Kennewick-Mann könnte sogar selbst Ahne der heute lebenden Stammesmitglieder sein, wenn man, plausibel genug, annimmt, dass die Stammlinie seit dem Tod des Kennewick-Mannes Beimischungen von anderen Gruppen erhalten hat. Diese neuen Vorfahren in der Linie könnten gut aus den späteren Einwanderungswellen stammen, die offenbar typisch für die Besiedlungsgeschichte Amerikas sind.

Die Genanalysen könnten theoretisch auch ein juristisches Nachspiel haben. Sollte sich die enge Verwandtschaft von Kennewick-Mann und heutigen Indianern bestätigen, so mag das die frühere Entscheidung revidieren: Damals hatten unter anderem die Colville und andere Stämme darauf geklagt, als Nachfahren die sterblichen Überreste zugesprochen zu bekommen, um sie beizusetzen. Das war im Urteil dann abgewiesen worden. Nach neuer Rechtslage in den USA ist der Nachweis der Verwandtschaft aber ohnehin nicht mehr zwingend notwendig, um Stämmen nach einem Antrag das Recht auf eine Bestattung von prähistorischen Überresten zu gestatten.

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