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Klimawandel: Der Schnee schwindet

Die Winter werden wärmer und damit schneeärmer. Dieses Muster zeigt sich auf großen Teilen der Nordhalbkugel. Doch es gibt auch Ausnahmen.
Der Schnee schwindet und bedeckt weniger und kürzer die Fläche.
Auf der Nordhalbkugel fällt weniger Schnee und er bleibt kürzer liegen. In welchem Ausmaß dies geschieht, zeigen Satellitendaten.

Der Winter 2022/23 war einer der schneeärmsten in weiten Teilen der Alpen und generell nimmt der Schnee im großen Gebirge Europas ab. Im deutschen Flachland gehört Schnee ohnehin schon zunehmend zum Ausnahmeereignis: ein Trend, der in vielen Teilen der Nordhalbkugel zu beobachten ist, wie eine Studie von Robert Lund von der University of California in Santa Cruz und seinem Team im »Journal of Hydrometeorology« zeigt.

Die Arbeitsgruppe hat Daten von Satellitenmessungen zwischen 1967 – als die standardmäßige Erfassung begann – und 2021 ausgewertet, um veränderte Schneebedeckungen zu erfassen. Dazu unterteilten die Forscher die Flächen in ein Gitternetz und verglichen dann dessen Bestandteil jeweils im Wochenrhythmus. Zwei Drittel der Raster zeigten dabei deutlich reduzierte Schneebedeckungen, bei einem Drittel blieb die Zeitdauer gleich, in der die Landschaft weiß war, oder nahm sogar noch zu.

Besonders betroffen vom Schwund waren Regionen in südlicheren Regionen der Nordhalbkugel wie dem Mittelmeerraum, Teilen Chinas oder der USA. Auch in der Arktis nahm die Schneebedeckung ab: Die Region gehört zu den sich am schnellsten erwärmenden Großräumen der Erde. Umgekehrt lag beispielsweise im Osten Kanadas der Schnee länger.

Neben den Temperaturen, die im globalen Rahmen steigen, spielen Niederschläge eine wichtige Rolle: Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, die unter geeigneten Bedingungen ebenso als Schnee ausfallen kann. Veränderte atmosphärische Zirkulation kann ebenfalls beeinflussen, ob Schnee fällt und wie lange er liegen bleibt. Das ist beispielsweise der Grund, warum die Gletscher im Karakorum entgegen dem globalen Trend nicht schrumpfen, sondern stabil bleiben oder sogar wachsen. Es schneit in diesem zentralasiatischen Gebirge mehr, gleichzeitig kühlt ein großräumiges Zirkulationsmuster im Sommer die Region; und nur wenige hundert Kilometer weiter schmelzen die Eiszungen.

Während sich die Trends in vielen Bereichen der Nordhalbkugel großflächig bestimmen ließen – vor allem im Flachland –, bereiteten manche Gebirgsregionen den Wissenschaftlern Schwierigkeiten. »Der Grund, warum diese Studie so viel Arbeit gemacht hat, liegt an manchen verdammt schlechten Satellitendaten«, so Lund. »Was auch immer die Meteorologen unternommen haben, um aus den Bildern in einigen Gebirgsregionen Schnee zu schätzen, es hat einfach nicht funktioniert. Also mussten wir alle Gitter der nördlichen Hemisphäre nehmen und herausfinden, ob die Daten überhaupt vertrauenswürdig waren oder nicht.« Solche Daten wurden dann nicht berücksichtigt. Beim großen Rest waren die Zahlen dann eindeutig: Es fanden sich Hunderte von Rastern, in denen die Schneedecke mit mindestens 97,5-prozentiger Sicherheit zurückging.

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