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Rückenbeschwerden: Muskelentspannungsmittel helfen kaum gegen Kreuzschmerzen

Gar nicht selten bekommen Patienten mit schmerzender Lendenwirbelsäule Muskelrelaxanzien verordnet. Allerdings gibt es kaum Belege, die dieses Vorgehen rechtfertigen.
Frau wird wegen Rückenschmerzen behandelt (Symbolbild)

Wie wirksam, akzeptabel und sicher ist es, unspezifische Kreuzschmerzen mit Muskelrelaxanzien zu behandeln – also Mitteln, die eine vorübergehende Entspannung der Muskulatur hervorrufen? Das hat sich ein Team um James McAuley von Neuroscience Research Australia in Randwick gefragt. In einer systematischen Übersicht und Metaanalyse von mehr als 30 Studien mit rund 6500 Patienten suchten die Forscher nach Antworten.

Es fanden sich tatsächlich Hinweise, dass Muskelrelaxanzien vom Nichtbenzodiazepintyp in den ersten beiden Behandlungswochen eine Besserung herbeiführen. Diese war immerhin statistisch signifikant, allerdings betrug sie im Schnitt gerade einmal knapp acht Punkte auf einer Skala der Schmerzintensität, die von 0 bis 100 reichte. »Die Schwellenwerte für klinisch bedeutsame Unterschiede werden damit nicht überschritten«, resümieren McAuley und sein Team im Fachmagazin »BMJ«. Ein Einfluss auf die körperlichen Einschränkungen war ohnehin nicht zu erkennen.

Zudem entdeckte das Team Hinweise auf methodische Mängel, weswegen der so genannte Evidenzgrad der untersuchten Studien sehr niedrig war. Die Daten könnten verzerrt worden sein, etwa weil Probanden wussten oder ahnten, dass sie das Medikament oder das Placebo erhalten hatten. Eine andere Möglichkeit: im Verlauf der Studie haben Menschen beschlossen, nicht weiter teilzunehmen, was aber bei der Auswertung nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Überdies war nach zweiwöchiger Therapie jeder Unterschied zu den Kontrollprobanden ohne Muskelrelaxanzien so gut wie vollständig verschwunden.

Immerhin war die Spannbreite der Schmerzreduktion in den ersten zwei Wochen groß genug, um daraus zumindest Hinweise auf einen klinisch relevanten Effekt abzuleiten: Manchen Patientinnen und Patienten könnten Muskelentspannungsmittel vom Nichtbenzodiazepintyp helfen, wie die Forscher bemerken. Erkauft wird das durch ein höheres Risiko von Nebenwirkungen wie Übelkeit, Benommenheit, Schwindel und Kopfschmerzen, was zumeist aber nicht zum Therapieabbruch führt.

Sichere Aussagen zur Behandlung von Kreuzschmerzen mit Muskelrelaxanzien lassen sich auf der Grundlage nicht treffen. Die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie rät vom Einsatz dieser Medikamente bei unspezifischen Kreuzschmerzen ab. Die Leitlinie zum spezifischen Kreuzschmerz empfiehlt solche Substanzen für Störungen, die zum lumbalen Facettensyndrom gezählt werden. International herrscht keine Einigkeit. McAuley und Kollegen haben sich 15 Leitlinien angesehen: Sechs raten zu Relaxanzien, darunter die US-amerikanische, fünf lehnen sie wie die belgische ab, und vier Leitlinien – einschließlich die britische – äußern sich nicht dazu.

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