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News: Mit links

Die Verarbeitung von Sprache findet hauptsächlich in unserer linken Hirnhälfte statt. Gibt es diese Asymmetrie des Großhirns auch schon bei Neugeborenen?
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Mit sechs Monaten verwandelt sich das Gurren in deutliches Plappern, die ersten Konsonanten lassen sich erahnen. Nach einem Jahr tauchen die ersten Wörter auf, mit drei Jahren erste vollständige Sätze – Kinder erlernen ihre Muttersprache mit einer faszinierenden Leichtigkeit.

Bereits Säuglinge sind in der Lage, ein breites Spektrum menschlicher Laute zu unterscheiden – eine Fähigkeit, die nach und nach wieder verloren geht und sich später nur noch auf die charakteristischen Klänge der Muttersprache beschränkt. Während der ersten drei Lebensjahre finden also wesentliche Umbauten in den Verschaltungen der Großhirnrinde statt.

Die Verarbeitung der Sprache läuft in bestimmten Hirnzentren ab – wie dem Broca-Areal, welches das eigentliche Sprechen ermöglicht, oder dem Wernicke-Areal, das für das richtige Sprachverständnis sorgt. Dabei fiel Pierre Paul Broca die Asymmetrie der beteiligten Hirnhälften auf: "Wir sprechen mit der linken Hemisphäre", erkannte der französische Neurologe bereits 1864.

Entsteht diese Dominanz der linken Hirnhälfte nun erst beim Erlernen der Sprache, also in den ersten Lebensjahren, oder liegt sie bereits bei der Geburt vor? Zwölf kleine Italiener, die gerade erst zwei bis fünf Tage auf der Welt waren, sollten diese Frage klären.

Dazu ließen Marcela Peña von der International School for Advanced Studies in Triest und ihre Kollegen italienische Kindergeschichten von zwei Frauen vorlesen. Dann spielten die Forscher Tonbandaufzeichnungen dieser Geschichten ihren kleinen, friedlich in ihrer Wiege liegenden Versuchspersonen vor. Gleichzeitig registrierten sie die Hirnaktivitäten ihrer Probanden – und zwar mit einer neuen Methode, welche die Veränderungen der Durchblutung im Gehirn mit Infrarotlicht misst und als optical topography bekannt ist.

Das Ergebnis war eindeutig: Sobald die Säuglinge den Geschichten lauschten, regte sich vor allem ihre linke Hirnhälfte. Die rechte Seite blieb verhältnismäßig stumm.

Diese Dominanz der linke Seite tauchte jedoch nur bei sinnvoller Sprache auf, wie die Forscher mit einem kleinen Trick demonstrieren konnten: Sie spielten ihren Schützlingen das Tonband einfach rückwärts vor. Die Dominanz verschwand dabei – beide Hirnhälften blieben gleich aktiv. Auch wenn die Kinder gar nichts hörten, gab es keine verstärkte Aktivität der linken Seite.

Damit scheint klar zu sein, die Dominanz der linken Hirnhälfte ist nicht das Ergebnis des Spracherwerbs. Sie liegt schon von Anfang an vor – lange bevor die neuen Erdenbürger ihr erstes Wort gesprochen haben.

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