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Ökosysteme: Körperfressende Korallenkrankheit breitet sich aus

Eine Krankheit bedroht Korallenriffe in der Karibik und im Golf von Mexiko. Wahrscheinlich werden die Erreger über Ballastwasser verschleppt.
Von der Krankheit betroffene Steinkoralle

Überdüngung, Überfischung, Überhitzung und Versauerung: Korallenriffe stehen weltweit unter Druck. Rund um Florida macht sich inzwischen auch noch eine Krankheit bemerkbar, die Steinkorallen befällt und diese großflächig absterben lässt. Sie wurde 2014 erstmals vor der Küste des US-Bundesstaates nachgewiesen und breitet sich seitdem aus – womöglich über das Ballastwasser von Schiffen, die sich nicht an die Vorschriften halten und das Wasser in Küstennähe ablassen. Das schreiben Craig Dahlgren vom Perry Institute for Marine Science in Waitsfield und sein Team in »Frontiers in Marine Science«.

Viele Korallenkrankheiten befallen nur einzelne Arten, doch die Stony Coral Tissue Loss Disease (SCTLD) betrifft ein breites Spektrum an Spezies und kann bis zu 80 Prozent dieser Riffe schädigen. Hat die SCTLD einmal ein Riff erreicht, schreitet die Seuche rasch voran: In den Florida Keys breitet sie sich teilweise mit Geschwindigkeiten von 100 Metern pro Tag aus. Größere Strecken über offenes Meer können die Erreger jedoch nicht ohne Weiteres zurücklegen. Die nahen Bahamas etwa wiesen bis 2019 keinen einzigen Fall der Krankheit auf, weit entfernte Gebiete vor Mexiko oder Jamaika hingegen schon.

Erst im November 2019 tauchten die ersten Fälle von SCTLD auf den Bahamas auf, wo sich die Krankheit in nur vier Monaten rasch ausbreitete. Entdeckt wurden die zuerst zerstörten Korallen nahe Freeport und Nassau, die die wichtigsten und größten Häfen der Inselgruppe aufweisen. Wahrscheinlich wurde die Seuche mit Ballastwasser eingeschleppt, vermuten Dahlgren und Co angesichts der Nähe zu den Häfen. Gesetze der Bahamas schreiben vor, dass Ballastwasser auf hoher See gewechselt werden muss, um küstennahe Ökosysteme vor eingeschleppten Arten anderer Küsten zu schützen. Doch dies wird häufig missachtet. Schiffe aus Florida könnten die Krankheit also eingetragen haben.

Betroffene Korallen sterben schnell ab und werden anschließend von Algen überwuchert, so dass sie nicht durch andere Korallen ersetzt werden. Vertreter tieferer Wasserschichten scheinen von der bislang kaum erforschten Seuche weniger stark beeinträchtigt zu sein, und manche häufigen Steinkorallenarten besitzen womöglich eine natürliche Resistenz, da sie trotz Befall nicht verkümmern.

Ein Gegenmittel gegen SCTLD gibt es noch nicht. Erste Tests mit einem Antibiotikum waren allerdings erfolgreich, behandelte Korallen erholten sich. Das spricht dafür, dass Bakterien der Auslöser sind, doch eine großflächige Behandlung damit kommt wohl aus verschiedenen Gründen nicht in Frage.

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