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Antikes Pompeji: Erste Erbgutanalyse bei einem antiken Vulkanopfer

Das Genom eines beim Ausbruch des Vesuv gestorbenen Mannes deutet auf hohe genetische Vielfalt im Römischen Reich. Einen ungebetenen Gast hatte er allerdings auch.
Schwarzweißfoto zweier Skelette vor den Überresten einer Liege.

Zu den reichhaltigen Funden in den Ruinen der römischen Stadt Pompeji kommt nun eine weitere Informationsquelle. Erstmals ist es Fachleuten gelungen, auswertbare Mengen Erbgut aus den Überresten eines Opfers des Vesuv-Ausbruchs im Jahr 79 n. Chr. zu gewinnen und erfolgreich zu sequenzieren. Wie das Team um Gabriele Scorrano von der Universität Tor Vergata in Rom berichtet, war der Verstorbene wohl ein Einheimischer. Für die jetzt in »Scientific Reports« veröffentlichte Studie verglich die Arbeitsgruppe sein Erbgut mit 1030 antiken sowie 471 modernen Genomen. Die Analyse lege nahe, dass die DNA die meisten Gemeinsamkeiten mit modernen Italienern sowie den Bewohnern Zentralitaliens während der römischen Kaiserzeit habe, schreibt das Team.

Das Erbgut stammt von einem der zwei in der Studie untersuchten Skeletten, die aus der von 1914 bis 1933 ausgegrabenen »Casa del Fabbro« – »Haus des Schmieds« – stammen. Nur aus einem von ihnen, den Überresten eines etwa 35 bis 40 Jahre alten Mannes, gewann die Arbeitsgruppe Erbmaterial von rund 40 Prozent der Gesamtlänge des Genoms. Das andere Skelett, das einer über 50 Jahre alten Frau, lieferte dagegen nur gut ein Zehntelprozent des gesamten Erbguts, zu wenig für eine Analyse.

Das Hauptergebnis der Studie ist, dass solche Analysen möglich sind – und man sie auch bei weiteren Skeletten machen sollte. Die Befunde eröffneten eine Basis, um die genetische Geschichte der Bevölkerung von Pompeji zu rekonstruieren, schreibt das Team. Daneben deute das Ergebnis auf eine hohe genetische Diversität im römischen Italien, denn das Erbgut enthält zudem Gene, die fast exklusiv auf der Insel Sardinien vorkommen, und eine Hauptkomponentenanalyse des Genoms deutet außerdem auf Genfluss aus Kleinasien.

Zusätzlich stammt nicht das gesamte analysierte Erbgut von dem Vulkanopfer selbst, wie sich herausstellte. Schäden an der Wirbelsäule des Skeletts hatten bereits darauf hingedeutet, dass ein Krankheitserreger den Knochen befallen hatte – mit hoher Wahrscheinlichkeit, so die Schlussfolgerung der Fachleute, hatte das Individuum Knochentuberkulose. Tatsächlich isolierte das Team um Scorrano etwa 14 000 Basenpaare, die sich der Gattung Mycobacterium zuordnen ließen, zu der auch der Erreger der Tuberkulose, Mycobacterium tuberculosis, gehört.

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