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Tiergesundheit: Schadet es Katzen, sie rein pflanzlich zu ernähren?

Von Natur aus sind Katzen reine Fleischfresser. Eine Umfrage unter Katzenbesitzern soll nun aber nahelegen, dass veganes Futter nicht so ungesund für die Tiere ist wie bislang gedacht. Doch es gibt auch Kritik daran.
Eine Britisch-Kurzhaar-Katze starrt auf Gemüse
Fachleute sind sich uneins, ob es eine gute Idee ist, Katzen vegan oder vegetarisch zu ernähren. Von Natur aus ernähren sie sich rein fleischbasiert.

In der Natur jagen und fressen Katzen vor allem Mäuse, Vögel, Fische und vereinzelt auch Insekten. Anders als etwa der Mensch, der sich omnivor, das heißt allesfressend ernährt, sind Katzen carnivore, also Fleisch fressende Tiere. Oft heißt es daher, dass eine rein pflanzliche Ernährung verheerende Folgen für Katzen habe, da ihnen dann bestimmte Nährstoffe fehlen, die sie für das Wachstum von Knochen und Muskeln oder ihr Sehvermögen brauchen. Der Deutsche Tierschutzbund etwa lehnt eine rein vegane Ernährung von Katzen strikt ab. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Katze damit Schmerzen oder gar langfristige Schäden zugefügt werden.

Eine Forschungsgruppe um Andrew Knight von der University of Winchester kommt auf Basis einer Umfrage unter Katzenbesitzern jedoch zu dem Ergebnis, dass diejenigen, die ihre Katzen vegan ernährten, tendenziell sogar gesündere Katzen hätten als diejenigen, die ihre Haustiere fleischbasiert füttern. Die Wissenschaftler berichten darüber in der Fachzeitschrift »PLOS ONE«. Die Studie wurde teilweise von ProVeg International finanziert, einer Organisation, die sich für die Verringerung des Konsums tierischer Produkte einsetzt.

Viele Menschen entscheiden sich bewusst dazu, sich vegetarisch oder sogar vegan zu ernähren. Die Gründe sind vielfältig – manche wollen die Umweltauswirkungen ihrer Ernährung reduzieren, andere können es nicht ertragen, wenn Tieren Leid zugefügt wird. Da liegt es nahe, diese Grundhaltung auf die eigenen Haustiere zu übertragen und auch deren Speiseplan auf rein pflanzliche Kost umzustellen. Aber ist das wirklich eine gute Idee?

Um zu klären, wie gesund es für Katzen ist, diese vegan zu ernähren, analysierten Knight und seine Kollegen die Antworten von 1369 Katzenbesitzern. Diese wurden gebeten, Fragen zum Gesundheitszustand ihrer Katze zu beantworten, die seit mindestens einem Jahr entweder vegan oder mit Fleisch gefüttert wurde. Etwa neun Prozent der Teilnehmer gaben an, ihre Katze vegan zu ernähren, der Rest ernährte sie mit Fleisch.

Nach statistischer Berücksichtigung anderer Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen können – wie das Alter der Katze oder ob sie kastriert ist –, fanden die Forscher heraus, dass eine vegane Fütterung offenbar mit einem geringeren Risiko für verschiedene Gesundheitsindikatoren verbunden war als eine fleischbasierte. Besitzer von vegan ernährten Katzen berichteten beispielsweise von weniger Tierarztbesuchen und einem geringeren Medikamentenverbrauch. Die Unterschiede waren jedoch nicht statistisch signifikant.

In der Umfrage wurde auch nach 22 spezifischen Gesundheitsstörungen gefragt. 42 Prozent der Besitzer von Katzen, die fleischbasiert ernährt wurden, gaben mindestens eine Störung an, verglichen mit 37 Prozent der Besitzer von Katzen, die nur veganes Futter erhielten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nicht an der Studie beteiligt waren, warnen jedoch davor, aus solchen Umfragen direkte Handlungsempfehlungen abzuleiten. »Katzenstudien sind anfällig für methodische Probleme, da Katzen kommen und gehen können, wie sie wollen«, merkte etwa die Tierverhaltensforscherin Julia Henning von der University of Adelaide in Australien gegenüber dem australischen Science Media Center an. Es sei wahrscheinlich, dass einige der »veganen« Katzen ihre Ernährung außerhalb des Hauses ergänzen. »Wie die Autoren zudem selbst einräumen, basiert die Studie auf einer Umfrage und ist daher sehr wahrscheinlich von der Voreingenommenheit der Teilnehmer geprägt und nur sehr begrenzt in der Lage, die gesundheitlichen Folgen für Katzen umfassend zu beurteilen«, sagte sie. Ihre Kollegin Alexandra Whittaker äußerte sich etwas weniger skeptisch. Die Studie sei ein weiterer Beleg dafür, dass die vegane Ernährung von Katzen möglicherweise nicht so schädlich ist wie bisher angenommen, sagte die Tierärztin.

Einig sind sich beide Forscherinnen darin, dass es wichtig sei, alternative Ernährungsformen für Haustiere intensiver als bislang zu erforschen. Derzeit gebe es noch zu wenige Informationen etwa über die Sicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln. Es seien weitere Untersuchungen erforderlich, um die Unbedenklichkeit wirklich beurteilen zu können. Da Katzen ohne eine angemessene Zufuhr von Nährstoffen wie Taurin unter ernsten Gesundheitsstörungen wie Leber- und Herzproblemen leiden können, sollte eine vegane Ernährung niemals ohne die Begleitung eines Tierarztes erfolgen.

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