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Seltene Beobachtung: Feuerkugel auf dem Jupiter

Ein kleiner Brocken explodierte in der Jupiteratmosphäre. Das passiert zwar häufig, aber man braucht sehr viel Glück, um es mitzubekommen.
Raumsonde Juno bei JupiterLaden...

Ein heller Lichtblitz in der Atmosphäre des Jupiters, beobachtet am 10. April 2020 von der Jupitersonde Juno, war wahrscheinlich ein Bolide. So eine Feuerkugel entsteht, wenn ein kleiner Himmelskörper in der oberen Atmosphäre eines Planeten verglüht. Wie das Team um Rohini S. Giles vom Southwest Research Institute in San Antonio in den »Geophysical Research Letters« schreibt, hatte der verglühte Himmelskörper eine Masse von einigen hundert bis etwa 1500 Kilogramm – etwa im Bereich der Masse eines Kleinwagens. Er explodierte demnach knapp 100 Kilometer über den obersten Wolken des Jupiters.

Während solche Minieinschläge auf dem Riesenplaneten keineswegs selten sind, braucht man sehr viel Glück, um eine solche Feuerkugel zu sehen. Sie sind zu klein und leuchtschwach, dass sie mit erdgebundenen Teleskopen beobachtet werden können, und so kurzlebig, dass Raumsonden sie nur durch einen besonders glücklichen Zufall registrieren. Das UVS-Instrument, das die Polarlichter des Jupiters im Ultraviolettlicht ins Visier nimmt, tastet während jeder 30 Sekunden dauernden Rotation der Sonde einen schmalen Streifen der Planetenoberfläche ab. Lediglich 17 Millisekunden lang blickte das UVS-Instrument der NASA-Sonde auf den Ort der Explosion – einen Moment früher oder später, und niemand hätte vom Schicksal des kleinen Felsbrockens erfahren.

Der Ort der ExplosionLaden...
Der Ort der Explosion | Die Lage des von Juno gesichteten Streifens und der Einschlagort auf dem Planeten. Die grünen Bögen sind Polarlichter (Auroras) – das eigentliche Beobachtungsobjekt des Instruments.

Das UVS-Instrument beobachtet immer wieder kurze Lichtblitze in der Atmosphäre des Jupiters. Doch das Ereignis vom 10. April 2020 war einzigartig. Normale, von Juno gesichtete Lichtblitze in der oberen Atmosphäre dauern etwa ein bis zwei Millisekunden und werden von klassischen elektrischen Blitzen in tieferen Atmosphärenschichten ausgelöst. Doch der Bolide leuchtete mindestens 17 Millisekunden lang auf. Zusätzlich unterschied sich sein Licht deutlich von demjenigen anderer Lichtblitze auf dem Jupiter. Während sich bei den anderen Leuchtphänomenen die charakteristischen Emissionen der atmosphärischen Gase deutlich abzeichnen, zeigte der Bolide ein kontinuierliches Spektrum in allen beobachteten Wellenlängenbereichen. Diese so genannte Schwarzkörperstrahlung entsteht, wenn ein Objekt durch seine Temperatur leuchtet – zum Beispiel wenn es in der Gashülle eines Planeten verglüht.

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