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Kosmologie: Seltsame kreisförmige Objekte im All entdeckt

In den Tiefen des Weltalls haben Astronomen etwas beobachtet, das sie bislang keinen bekannten Objektklassen zuordnen können.
Radioteleskope vor SternenhimmelLaden...

Mit Hilfe von Radioteleskopen haben Astronomen um Ray Norris von der Western Sydney University vier kreisförmige Objekte im All aufgespürt, die sich bislang jeder Zuordnung verweigert haben: Drei der Objekte weisen leuchtende Ränder auf. Seine Studie hat das Team bei »Nature Astronomy« eingereicht und vorab auf dem arXiv veröffentlicht. Norris und Co vermuten, dass es sich bei den Erscheinungen um sphärische Schockwellen eines weit entfernten, sehr heftigen Ereignisses handeln dürfte.

Potenziell in Frage kämen dafür beispielsweise schnelle Radio- oder Gammastrahlenausbrüche sowie Supernovae. Allerdings müsse es sich auch nicht zwangsläufig um eine neue Objektklasse handeln. Stattdessen könnten es ebenso bislang unbekannte Phänomene bereits bekannter Ereignisse sein, schreiben die Astronomen – etwa die Jets einer Radiogalaxie, die ihrem Ende naht. Sie könnten kreisförmig erscheinen, weil wir gewissermaßen direkt in das Zentrum der Explosion blickten. Die Forscher ziehen außerdem in Betracht, dass sich auf den Aufnahmen verschiedene Objekte überlagern und lediglich einen kreisförmigen Eindruck erwecken. Ältere Beobachtungsmethoden könnten hingegen jeweils immer nur ein Objekt davon abgebildet haben.

Entdeckt wurden die Objekte mit Hilfe des Australian Square Kilometre Array Pathfinder, mit dem die Wissenschaftler nach neuen Radioquellen gesucht hatten. Als vorläufigen Namen tragen die Erscheinungen die Bezeichnung »Odd Radio Circles« oder ORC. Gänzlich unbekannt sind Kreise im Weltraum jedoch nicht. Die Überreste von Supernovae, protoplanetare Scheiben oder sternbildende Galaxien können ebenfalls so abgebildet werden, wenn sie im richtigen Winkel betrachtet werden.

29/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 29/2020

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