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Covid-19: T-Zellen von Geimpften und Genesenen reagieren auf Omikron

Geimpfte und Genesene können sich deutlich leichter mit dem Omikron-Coronavirus infizieren als mit älteren Varianten. Doch eine Sorte von Immunzellen reagiert auf Omikron und schützt so wahrscheinlich die meisten Menschen vor einem schweren Verlauf.
Röhrchen mit einer mit Omikron infizierten Blutprobe

Neue Daten stützen die Hoffnung, dass Geimpfte und Genesene bei einer Infektion mit der Omikron-Variante im Mittel weniger schwer erkranken als Ungeimpfte. Wie ein Preprint darlegt, reagieren so genannte T-Zellen bei Geimpften und Genesenen ähnlich stark auf Omikron wie auf ältere Varianten. Diese Immunzellen können die neue Variante bekämpfen – während Antikörper aus Impfungen oder aus einer Infektion mit einer früheren Variante nur wenig schützen. Die T-Zellen bleiben nach einer Erkrankung oder Impfung in der Regel länger erhalten als Antikörper und spielen die Schlüsselrolle beim Schutz vor einem schweren Verlauf.

Die Gruppe um Catherine Riou und Wendy Burgers von der Universität Kapstadt suchte in Blutproben von 70 Geimpften und Genesenen nach Hinweisen auf zwei Arten von T-Zellen: jenen mit CD8-Rezeptor, die befallene Zellen zerstören, und jenen mit CD4-Rezeptor, die zur Bildung von Antikörpern anregen. Dazu brachten die Forschenden Zellkulturen von Menschen, die vor rund anderthalb Monaten geimpft wurden oder genesen waren, mit den charakteristischen Antigenen (Oberflächenproteinen) von verschiedenen Virusvarianten in Kontakt.

In 70 bis 80 Prozent der Fälle ließ sich auf Omikron die erhoffte T-Zell-Antwort beobachten – ähnlich wie bei den älteren Varianten Beta und Delta. Bis zu einem Monat nach der Impfung war die Antwort sogar in 85 Prozent der Fälle zu beobachten. Die spezifischen T-Zellen der Geimpften und Genesenen erkannten Omikron annähernd so gut wie die ursprüngliche Wuhan-Variante, so das Fazit der Gruppe. Und diese T-Zell-Immunität trage zum Schutz vor schwerem Covid-19 bei.

Die Rolle der T-Zellen in der Immunabwehr

T-Zellen bilden gemeinsam mit B-Zellen und den von ihnen erzeugten Antikörpern die erworbene Immunantwort. Bei den T-Zellen handelt es sich um weiße Blutkörperchen, die körperfremde Strukturen wie Krankheitserreger an bestimmten Merkmalen, den Antigenen, erkennen. Sie suchen wie eine Wachpatrouille den Körper nach jenen Zellveränderungen ab, auf die sie trainiert wurden. Es gibt Wachleute, die eine befallene Zelle selbst töten: die T-Killerzellen mit so genannten CD8-Rezeptoren (T-Zellen mit dem Molekül CD8 auf der Oberfläche). Die T-Helferzellen mit CD4-Rezeptoren greifen nicht selbst ein, sondern holen Hilfe: Sie regen über Botenstoffe die B-Zellen zur Bildung von maßgeschneiderten Antikörpern an. Diese binden an die Antigene des Virus und leiten damit dessen Ende ein.

Außerdem sorgen regulatorische T-Zellen dafür, dass ihre Kollegen nicht auch gesunde Körperzellen zerstören. Solche über das Ziel hinausschießende Angriffe könnten für schwere Verläufe von Covid-19 verantwortlich sein, wie ein deutsches Forschungsteam zeigte. Die Gruppe entdeckte bei schwerkranken und verstorbenen Covid-Patienten vermehrt T-Zellen mit CD16-Rezeptor. Eigentlich richten sich T-Zellen nur gegen befallene oder veränderte Körperzellen, erklärt die Immunologin Birgit Sawitzki in einer Pressemitteilung der Charité. Die Aktivierung über CD16 setze den Sicherheitsmechanismus jedoch außer Kraft, und so könnten auch nicht infizierte Gefäßzellen angegriffen werden.

Omikron umgeht einen Teil des Impfschutzes

Seit November setzt sich die Omikron-Variante in vielen Ländern zunehmend durch. Zahlen aus Dänemark etwa zeigten, dass die Impfeffektivität, gemessen am Schutz vor Infektion, gegen Omikron direkt nach der ersten Impfung mit Biontech mit 55 Prozent deutlich niedriger lag als gegen die Delta-Variante – und noch dazu schnell abfiel.

Eine britische Studie konnte rund vier Monate nach der zweiten Impfung mit Astrazeneca keinen Impfschutz mehr nachweisen; Biontech bekam noch rund 35 Prozent bescheinigt. Nach einem Biontech-Booster verdoppelte sich der Schutz durch Antikörper. Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine Studie der Universität Göttingen. Wie lange der Effekt der dritten Dosis anhält, ist noch unklar.

Eine durchgestandene Erkrankung schützt offenbar dauerhafter vor einer erneuten Infektion, wie zuletzt eine Studie aus Israel nahelegte. Zwar schwand auch bei Genesenen mit der Zeit der Schutz vor einer Infektion, blieb aber auf einem höheren Niveau als nach zwei Impfdosen: Wer doppelt geimpft war, hatte ein halbes Jahr danach ein rund achtmal höheres Infektionsrisiko als ein Genesener. Ein frischer Booster reduzierte das Risiko auf ein Zehntel. Den besten Schutz hatten jedoch Genesene, die sich nach überstandener Erkrankung impfen ließen.

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