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Untermeerische Rutschungen: Tsunamis in Europa häufiger als gedacht

Vor 8200 Jahren verursachte ein untermeerischer Erdrutsch vor Norwegen einen gigantischen Tsunami. Doch es blieb nicht der einzige: Seither gab es noch zwei weitere Monsterwellen.
Eine brechende Welle im Vordergrund, im Hintergrund, durch die Gischt erkennbar, ein Hügelrücken mit dunklem Tann'.Laden...

Zwei mehr als zehn Meter hohe Flutwellen trafen in den letzten 5000 Jahren die Shetland-Inseln – und niemand weiß woher. Fachleute um die Geografin Sue Dawson von der University of Dundee berichten von zwei dicken Sandschichten, eingebettet in den Torf der Insel nahe der Küste. Bis zu 13 Meter über dem Meeresspiegel reichen diese verräterischen Spuren und zeigen so, dass vor 1500 und etwa 5000 Jahren hausgroße Wellen Sediment vom Meeresboden bis weit über die höchste Flutmarke trugen. Die beiden bisher unbekannten Flutwellen deuten nach Ansicht des Teams darauf hin, dass Tsunamis im Nordatlantik womöglich doch nicht ganz so selten sind wie bisher vermutet.

Von einem großen Tsunami im Nordatlantik weiß man schon seit geraumer Zeit: Vor etwa 8200 Jahren rutschte ein großer Teil des Kontinentalhangs vor der Küste Norwegens in die Tiefsee. Der Sog des untermeerischen Schlammstroms türmte eine gigantische Welle auf, die an den Küsten des Nordatlantiks dicke Sandschichten hinterließ. Bisher galt diese Storegga-Rutschung als Ausnahmeereignis, das einzige seiner Art. Die neuen Entdeckungen deuten allerdings darauf hin, dass die gigantische Welle keineswegs ein Ausnahmefall war – die jüngeren Tsunamis waren zwar kleiner, aber immer noch enorm. Dass sie ebenfalls durch einen Schlammstrom entstanden, halten die Fachleute für äußerst wahrscheinlich.

Nun will Dawsons Team den Ursprung des Ereignisses aufklären. Woher die Welle kam, verrät auch, wie groß die Bedrohung durch solche Ereignisse tatsächlich ist: Verursachten kleine Rutschungen am Meeresboden direkt vor der Küste Shetlands die Wellen, oder wanderten die Tsunamis hunderte Meilen über das Meer? Im letzteren Fall warten noch zwei Rutschungen in der Größenordnung von Storegga auf ihre Entdeckung – und die nächste wäre wohl nur eine Frage der Zeit. Allerdings wären solche Tsunamis für die deutsche Küste wohl keine Bedrohung; die Nordsee ist zu flach, als dass sich die Wellen hier über lange Strecken ausbreiten können.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde um den Hinweis ergänzt, dass Deutschland nicht betroffen wäre.

38/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 38/2018

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