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Verhalten: Wenn der Bär mit dem Wolf jagt

Wölfe und Bären können sich meist nicht ausstehen, weil sich Meister Petz oft mit der Beute der Hundeverwandten aus dem Staub macht. Im Yellowstone jagten sie nun Seite an Seite – mit dem üblichen Ende.
Grizzlys und Wolf im Yellowstone

Die Wiederansiedlung von Wölfen im Yellowstone gilt vielen als gelungenes Beispiel für Naturschutz. Zu den Arten, die davon profitiert haben, gehören unter anderem die Grizzlys, die seitdem erneut einen abwechslungsreicheren Speiseplan haben. Die Bären luchsen den Wölfen auch immer wieder tote Beute ab und fressen die Kadaver, ohne etwas dafür zu tun. Außergewöhnlich ist daher eine Beobachtung durch Ranger des Yellowstone-Nationalparks im Dezember 2021: Sie filmten, wie Bär und Wolf Seite an Seite jagten.

Ein Video des National Park Service zeigt, wie ein großes Wolfsrudel zuerst zusammen mit einem Grizzly eine ganze Herde Hirsche jagt. Ein Teil des Rudels hetzt schließlich einer kleineren Gruppe der Pflanzenfresser hinterher, die er vom Verband getrennt hatte. Am Ende gelingt es den Wölfen, eine Hirschkuh zu erlegen. Doch als sie zu fressen beginnen, taucht ihr anfänglicher Jagdpartner wieder auf – und vertreibt die Wölfe, bevor er sich mit dem Kadaver selbst aus dem Staub macht.

Dieses auch als Kleptoparasitismus bezeichnete Verhalten kommt zwischen Wölfen und Grizzlys häufiger vor, allerdings beteiligen sich die Bären normalerweise zuvor nicht an der Jagd. In der direkten Auseinandersetzung können sich die Wölfe auch nicht gegen die Grizzlys durchsetzen, wenn es sich nicht gerade um ein Muttertier handelt, das zu schützende Junge mit sich führt. Die Hundeartigen müssen daher warten, bis die Bären ihren Hunger gestillt haben und sich trollen.

Das Yellowstone-Ökosystem gehört zu den wenigen Regionen in den USA außerhalb Alaskas, in denen noch Grizzlys und Wölfe nebeneinander existieren. Allerdings wurden in diesem Jahr knapp 20 Prozent der Wölfe dort abgeschossen und dabei ganze Rudel eliminiert; teilweise wurden die Tiere direkt außerhalb der Parkgrenzen erlegt. Für das Artenschutzprojekt sei das ein heftiger Rückschlag, äußerte sich ein Sprecher des Parks gegenüber den Medien. Die Bundesstaaten Montana und Idaho hatten zuvor die Jagdregeln gelockert. Mehrere Organisationen verklagen deshalb Behörden auf Staats- und Bundesstaatsebene, um die Schutzbestimmungen wieder zu verschärfen.

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