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Anak Krakatau: Vulkanausbruch löste 150 Meter hohe Tsunamis aus

Als der Anak Krakatau 2018 kollabierte, entging die Region womöglich einer noch größeren Katastrophe. Die ersten Tsunamiwellen waren gewaltig.
Der Krakatau zwischen Java und SumatraLaden...

Am 22. Dezember 2018 explodierte der Vulkan Anak Krakatau zwischen Java und Sumatra und kollabierte anschließend. Dabei büßte der Feuerberg zwei Drittel seiner Höhe ein, 150 Millionen Kubikmeter Gestein und Sediment rauschten ins Meer, wo sie Tsunamis auslösten, die eine knappe halbe Stunde später an die umliegenden Küsten wogten und mehr als 400 Menschen in den Tod rissen. Doch die Region entging wohl einem noch größeren Unglück, wie Wissenschaftler um Mohammad Heidarzadeh von der Brunel University London in »Ocean Engineering« darlegen.

Als die Wellen die angrenzenden Ufer trafen, erreichten sie noch Höhen von zehn Metern, doch war dies nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Dimensionen, schreiben die Hydrogeologen. Sie ermittelten Spitzenwerte von 100 bis 150 Metern, welche die Tsunamis zwischenzeitlich erreichten  – sie hätten die New Yorker Freiheitsstatue überspült. Unmittelbar in der Nähe liegende Inseln wurden immerhin noch von Wellen mit 80 Metern Höhe überschwemmt, doch waren diese glücklicherweise unbewohnt. Im Umkreis von fünf Kilometern um den Vulkan lagen die Tsunamihöhen zwischen 50 und 70 Metern; erst im weiteren Verlauf schwächten sie sich durch Gravitation und Reibung weiter ab, so dass die ersten bewohnten Gebiete mit »nur« noch drei bis zehn Meter hohen Wellen erreicht wurden.

Diese Dimensionen errechneten Heidarzadeh und Co anhand von verschiedenen Daten (unter anderem von Bojen, die Wellen aufzeichnen), die rund um den Anak Krakatau erhoben worden waren und in zwölf verschiedenen Szenarien durchgespielt wurden. Diese neuen Modelle legen nahe, dass durch den Kollaps nicht mehrere Wellen, sondern ein einziger Wellenberg ausgelöst wurden, der anfänglich über 100 Meter hoch war. Dabei wurde ähnlich viel Energie freigesetzt wie bei einem Beben der Stärke 6 – was deutlich mehr ist als bei den meisten anderen Tsunamis. Es sei der erste Beleg, dass derart starke Wellen durch Vulkanausbrüche erzeugt werden können, schreiben die Wissenschaftler.

Zum Glück für die Menschen der Region breiteten sich die Wellen in eine Richtung aus, die sie wegführten von Bevölkerungszentren. Ansonsten hätten deutlich mehr Menschen sterben können, so die Forscher. Durch die Eruption des Krakataus 1883 starben dagegen 36 000 Menschen, obwohl die Tsunamis damals »nur« maximal 42 Meter hoch waren. Allerdings sind diese im Nachhinein ermittelten Werte auch nur mit gewisser Vorsicht zu bewerten.

50/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 50/2019

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