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Coronavirus: Warum Covid-19 manche härter trifft

Männer und ältere Menschen sterben häufiger an Covid-19 als Frauen und junge Menschen. Forscher haben sich angeschaut, wie das Immunsystem je nach Alter und Geschlecht reagiert.
Ein älterer Patient und eine jüngere Patientin mit MNS in Intensivbetten, umgeben von Ärztinnen und Ärzten in Schutzausrüstung.Laden...

Bei älteren Menschen und Männern nimmt Covid-19 mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einen schweren oder tödlichen Verlauf. Der Grund dafür scheinen Unterschiede im Immunsystem zu sein. Darauf deutet eine Studie hin, die Wissenschaftler um Nicole Lieberman von der University of Washington School of Medicine in Seattle im Fachmagazin »PLOS Biology« veröffentlichten.

Die Forscher analysierten die Abstriche von 430 Patienten, die positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden waren. Dabei interessierten sie sich vor allem dafür, welche Gene in den Zellen der Patienten im Vergleich zu 54 Kontrollpersonen mit negativem Textbefund aktiv waren und welche Immunprozesse in ihrem Körper abliefen. Außerdem führten sie Versuche mit Zellen aus dem Atemwegsepithel von Menschen durch, die sie in der Petrischale mit Sars-CoV-2 infizierten.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unserer FAQ. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Ein neues Coronavirus verändert die Welt«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Laut den Befunden von Lieberman und ihren Kollegen dauert es nach der Infektion mit dem Virus etwa drei Tage, bis Immunzellen aktiv werden. Wie genau diese Immunantwort ausfällt, hängt vor allem von der Viruslast ab. Bei Patienten über 60 Jahren entdeckten die Forscher zudem, dass ihr Körper nach der Ansteckung offenbar weniger entzündungsfördernde Signalprozesse in Gang setzte. Die führt wahrscheinlich dazu, dass weniger Immunzellen wie T-Zellen und Killerzellen auf den Plan gerufen werden, um virusinfizierte Zellen abzutöten. Der Körper von männlichen Patienten kurbelte hingegen die Produktion von B-Zellen weniger stark an als der von weiblichen Betroffenen. Zudem zeigten Männer schwächere Entzündungsreaktionen als Frauen. Das scheint damit zusammenhängen, dass die männlichen Zellen mehr Signalstoffe ausschütten, die einer Entzündung entgegenwirken, wie die Forscher entdeckten.

Lieberman und ihren Kollegen vermuten, dass männliche und ältere Patienten unter anderem auf Grund dieser Prozesse eine Infektion mit Sars-CoV-2 tendenziell schlechter wegstecken. Die Autoren schreiben aber auch, dass es noch mehr Studien benötige, um die Immunantwort bei Covid-19-Patienten genauer zu verstehen. So seien Abstriche aus dem Nasenrachenraum nur begrenzt geeignet, um Immunprozesse zu untersuchen.

Verschiedene Studien aus Europa legen nahe, dass von 1000 Menschen unter 50 Jahren, die sich mit dem Coronavirus anstecken, etwa eine Person stirbt. Bei Menschen über 50 Jahren sind es etwa 5 von 1000, bei Personen ab Mitte 70 schon 116 von 1000. Männer haben schätzungsweise ein etwa doppelt so hohes Risiko, an Covid-19 zu sterben, wie Frauen.

37/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 37/2020

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